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Schleswiger Nachrichten

19. August 2017 | 08:18 Uhr

Polit-Kabarett und Veilchen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Wer Wolfgang Börnsen kennt, der weiß, dass sich der Mann aus Bönstrup immer voll reinhängt. Immer Vollgas, wenn es um seinen Wahlkreis geht, das ist seine Maxime – bis sich der neue Bundestag am 22. Oktober konstituiert hat. Als er am vergangenen Sonntag kurz nach der Schließung der Wahllokale in den Bürgersaal im Schleswiger Kreishaus rauschte, strotzte er nur so vor Energie. Eigentlich wirkte er eher wie jemand, der siegesgewiss vor seinem ersten Triumph steht und nicht wie ein ausscheidendes Bundestagsmitglied mit 26 Jahren Parlamentserfahrung auf dem Buckel. Dass er zuvor wochenlang wahlkämpfend in der halben Republik unterwegs war, merkte man dem 71-Jährigen jedenfalls nicht an. Gleichwohl war der CDU-Mann gezeichnet.

War es nur Übernächtigung mit entsprechenden Augenringen oder hatte Börnsen ein blaues Auge? Beobachter waren sich beim flüchtigen Blick ins Gesicht des fröhlichen CDU-Mannes zunächst nicht sicher. Später schon, nachdem Börnsen in verschiedenen kleinen Runden die ein oder andere Version zum Besten gegeben hatte. Unter anderem diese: Ja, das blaue Auge sei ein Andenken an den Wahlkampf, erzählte er und grinste breit. Der sei nämlich bei weitem nicht überall so fair und sachlich geführt worden wie im „Vorzeige-Wahlkreis 1“. Die Blessur stamme aus dem Wahlkreis 015, wo er sich bis zuletzt für Bundeskanzlerin Angela Merkel reingehauen habe, weil ja die Kanzlerin ihrerseits überall in der Republik gebraucht wurde. In „Vorpommern-Rügen/Vorpommern-Greifswald I“ ist das CDU-Urgestein also – wie er sagt, im Kampf mit den Rechten – mit einem blauen Auge davon gekommen.

Natürlich war die Ader an Börnsens linkem Auge ganz ohne Fremdeinwirkung geplatzt. Aber der Mann aus Bönstrup war am Wahlabend offenbar noch im Anekdötchen-Fieber. Das ist durchaus nachvollziehbar, hat Börnsen doch im Merkel-Land einen ganz eigenen Wahlkampf-Stil gepflegt. Am Tage plauderte er auf der Straße mit den Bürgern auf Platt, um sich am Abend in einen Saaldiener zu verwandeln. Als solcher trat er mit einem Kabarett-Programm inklusive Saxophonistin auf, wie einst als Mitglied der Bonner „Wasserwerker“ (unter anderem mit Jürgen Koppelin, FDP).

So viel Einsatz wurde belohnt: Merkel erhielt in ihrem Wahlkreis 56,2 Prozent der Stimmen – und Börnsen von der Kanzlerin bei der Verabschiedung der ausscheidenden Bundestagsabgeordneten ein dickes Extralob.

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erstellt am 31.Okt.2013 | 14:49 Uhr

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