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Schleswig : Polierteich: Raser sorgen für Ärger

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Anwohner klagen: Spielstraße wird immer öfter als Abkürzungsstrecke genutzt. Polizei und Stadt sehen hingegen „keine Auffälligkeiten“.

von
erstellt am 16.Apr.2015 | 07:37 Uhr

Raserei, gefährliche Situationen, Falschparker und eine Stadt, bei der man mit diesen Sorgen auf taube Ohren stößt: Als Peter Hartz aus der Langen Straße Mitte März in einem Artikel in den Schleswiger Nachrichten sich über genau diese Missstände beklagte, war Hartmut Röhl einer von vielen Bewohner der Innenstadt, die sich nur allzu gut in ihn und seine Sorgen hineinversetzen konnten. Denn auch vor seiner Haustür am Polierteich ist Falschparken und insbesondere zu schnelles Fahren an der Tagesordnung – und zwar seit Jahren.

„Obwohl das hier eine Spielstraße ist, wird gerast ohne Ende. Es ist ein Wunder, dass noch kein schlimmer Unfall passiert ist. Aber wenn man bei den zuständigen Stellen in der Stadt nachfragt, kommt immer nur heiße Luft aus deren Richtung“, klagt Röhl. Dass er mit dieser Meinung nicht allein dasteht, wird gestern Nachmittag deutlich. Im Vorfeld zu einem Gespräch mit den SN zu dem Thema hatte er auch seine Nachbarn eingeladen. Und die zeigen riesiges Interesse: Am Ende kommen 20 von ihnen, um gemeinsam Flagge zu zeigen für eine sicherere Straße. „Einige Anwohner sind im Urlaub oder müssen arbeiten. Sonst wären wir noch mehr gewesen“, betont Anita Hesse.

Im Gespräch mit der Gruppe wird schnell klar, dass die Falschparker, die allabendlich für ein kleines Verkehrschaos sorgen, das geringere Problem sind. Vielmehr ist die Nachbarschaft besorgt, weil die Straße seit Jahren als Abkürzung zwischen Gallberg und Stadtfeld genutzt wird. Und obwohl sie als verkehrsberuhigter Bereich gekennzeichnet ist und an manchen Fahrbahnstellen sogenannte „Kölner Teller“ zum Bremsen zwingen, halten sich, da sind sich alle einig, nur die wenigsten Autofahrer an die Geschwindigkeitsbegrenzung. Was dabei verschärfend hinzukommt: Der Polierteich ist besonders im oberen Bereich eine sehr enge Straße, gleichzeitig führen viele Hauseingänge und -treppen direkt auf die Fahrbahn – einen abgrenzenden Bürgersteig gibt es nicht. „Es kann doch nicht sein, dass erst ein Kind überfahren werden muss, bis hier etwas von Seiten der Stadt unternommen wird“, sagt Anita Hesse und erntet kräftiges Kopfnicken. Und Anwohner Uwe Kniepke, der bereits selbst einmal von einem Auto gestreift worden sei, fasst trocken zusammen: „Kleine Straße – großes Problem.“

Das wiederum sieht man weder bei der Stadt noch bei der Polizei so. „Der Polierteich ist für uns kein Schwerpunkt. Natürlich gibt es auch immer mal wieder Einzelfälle, auch solche, in denen es gefährlich wird. Statistisch gesehen gibt es dort aber nichts Auffälliges“, sagt der stellvertretende Schleswiger Revierleiter Ralf Lohmeyer, der zudem von entsprechenden Kontrollen berichtet. Ähnlich unproblematisch sieht Rathaussprecherin Antje Wendt die Situation: „Am Polierteich sind der Stadtverwaltung keine Auffälligkeiten bekannt. Die Parksituation stellt sich relativ entspannt dar, zumal den Anwohnern auch das nahe liegende Stadtfeld zur Verfügung steht. Auch eine überhöhte Geschwindigkeit der passierenden Autos ist hier nicht bekannt.“

Diese Aussagen stoßen bei den Anwohner auf Unverständnis. Zwar bestätigen sie Geschwindigkeitsmessungen. Diese seien jedoch vormittags gegen 11 Uhr vorgenommen worden. Gefährlich werde es aber insbesondere, wenn morgens die Kinder mit dem Fahrrad den Polierteich bergab zur Gallbergschule fahren, gleichzeitig aber Autofahrer nach oben rasen. Auch in der Mittagszeit oder in den frühen Abendstunden komme es regelmäßig zu brenzligen Situationen. Die Fahrer von Taxen, Paketdiensten oder vom Pizza-Service würden sich dabei genauso hervortun wie Mütter, die ihre Kleinen zum Kindergarten am Stadtfeld bringen. „Früher konnte man hier noch auf der Straße spielen. Heute muss man Angst haben, vor die Tür zu treten. Es wird immer schlimmer“, bringt es Annegret Lausen, die seit 44 Jahren am Polierteich wohnt, stellvertretend für alle auf den Punkt. Die Anwohner fordern deshalb regelmäßige Kontrollen des Verkehrs oder eine besser Beschilderung, etwa durch Bemalung der Fahrbahn. „Am besten aber wäre, man würde den Polierteich zur Sackgasse machen. Da braucht man nur einen Poller und Ruhe ist“, sagt Hartmut Röhl.

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