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Aus dem Amtsgericht : Plötzlich war die Faust im Gesicht

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Verfahren wegen Schlägerei vor einer Kneipe im Lollfuß eingestellt – aber 200 Euro Geldbuße für Bedrohung mit Schreckschuss-Pistole.

von
erstellt am 07.Feb.2014 | 12:00 Uhr

Der 34-jährige Gärtner aus einem Dorf auf der Geest sieht nicht aus, als ließe er sich leicht verprügeln. Ein kräftiger Mann, der seinen Kopf leicht einziehen musste, als er gestern durch die Tür in den den Verhandlungssaal des Amtsgerichts kam. Als Zeuge berichtete er davon, wie er in einer lauen Sommernacht im August 2012 mehrere Faustschläge einstecken musste. Von vorn und von hinten. Von einem oder von zwei jungen Männern, genau konnte er es nicht mehr sagen. Der Gärtner war anscheinend völlig arglos, als er nach einer Feier zusammen mit einer Freundin auf dem Weg in Tarantino’s Bar im Lollfuß war.

Einer der mutmaßlichen Angreifer, ein 21-jähriger Schleswiger, saß nun auf der Anklagebank – und wusste selbst nicht mehr, warum er plötzlich zugeschlagen hatte. Er hatte in jener Nacht ein paar Jägermeister getrunken, war aber mit 0,9 Promille nicht übermäßig alkoholisiert. „Ich habe irgendwas gehört und bin dann davon ausgegangen, dass jemand meinem Bruder an den Kragen will“, sagte er.

Das Opfer scheint den Zwischenfall schnell abgehakt zu haben. Der Gärtner spürte zwar noch zwei Wochen lang Schmerzen im Nacken, ging aber nicht zum Arzt. An die Einzelheiten erinnerte er sich nur noch ungenau. So war nicht mehr zu klären, ob der Angeklagte allein zugeschlagen hatte oder auch sein Bruder. Für das Strafmaß spielte diese Frage eine wichtige Rolle: Ein Angriff zu zweit gilt als besonders schwerwiegend. Richterin und Staatsanwalt einigten sich darauf, die Sache vorläufig einzustellen und den Aufwand zu sparen, weitere Zeugen zu laden. Denn demnächst werden sie den jungen Mann vermutlich erneut zu sehen bekommen. Dann geht es um eine Körperverletzung im vergangenen November vor dem Sky-Markt im Friedrichsberg. Weil für ihn inzwischen das Erwachsenenstrafrecht gilt, erwartet ihn dann eine deutlich höhere Strafe, als es jetzt der Fall gewesen wäre.

Jetzt verurteilte Jugendrichterin Gudrun Mucke ihn lediglich zu einer Geldbuße von 200 Euro wegen einer anderen Sache: Er hatte einem jungen Türken eine Schreckschusspistole an die Schläfe gehalten und gedroht: „Ich knall dich ab.“ Seine Begründung: „Er hat gesagt, ich soll auf mich und meine Familie acht geben. So etwas lasse ich mir von einem Südländer nicht sagen.“

Von dem Gedanken, dem Angeklagten eine Suchttherapie wegen seines Alkohol- und Marihuana-Konsums zu verordnen, nahm Mucke Abstand. Die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe meinte, das sei „für die Krankenkasse rausgeworfenes Geld“. Der 21-jährige selbst meinte: „Wenn sich einer mit Drogen auskennt, dann bin ich das. Da kann mir kein Psychologe, der sein Wissen aus Büchern hat, etwas erzählen.“

 

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