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Schleswiger Nachrichten

20. Oktober 2017 | 15:19 Uhr

Schleswig : Plötzlich ist die Brücke dicht

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ein Pfosten versperrt die gewohnte Zufahrt auf die Königswiesen für Rettungswagen und Polizei.

von
erstellt am 11.Jun.2016 | 07:28 Uhr

Es waren dramatische Bilder am Donnerstagnachmittag: Auf dem Fußweg am Königswiesen-Kanal lag eine verletzte Person. Innerhalb von wenigen Minuten war der Rettungswagen in Sichtweite – aber kam nicht bis zum Ort des Geschehens. Die Zufahrt zum Stadtpark war versperrt. Was dann geschah, hat Karin Caspersen, die Betreiberin der Minigolfanlage, aus der Nähe beobachtet: Der ratlose Rettungswagenfahrer suchte Hilfe bei Mitarbeitern der städtischen Umweltdienste, die zufällig gerade auf den Königswiesen arbeiteten. Aber auch die konnten den Pfosten nicht entfernen.

Solche Barrieren gibt es auch an anderen Stellen im Stadtgebiet – dort, wo die Straße zwar breit genug für Autos ist, wo sie aber Fußgängern und Radfahrern vorbehalten sein soll. Üblicherweise lassen sich die Pfosten mit einem Vierkantschlüssel aus der Verankerung heben. Vor der Brücke, die von der Königstraße aus auf die Königswiesen führt, funktioniert das nicht. Der Pfosten ist fest im Boden einbetoniert. Vor zwei oder drei Wochen sei das geschehen, sagt Karin Caspersen. Seitdem kommen auch ihre Lieferanten nicht mehr auf direktem Wege zur Minigolfanlage. Sie müssen einen Umweg nehmen, den auch der Rettungswagenfahrer schließlich fand: Über den Strandweg, am SSC-Yachthafen vorbei zum Luisenbad. Erst vor wenigen Tagen standen zwei Polizisten vor demselben Problem. Sie konnten ihr Auto einfach stehen lassen und zu Fuß auf die Königswiesen laufen, wo sie zu einer sich anbahnenden Schlägerei gerufen worden waren. Inzwischen habe man in einer Rundmail alle Kollegen auf die Zufahrt über das Luisenbad hingewiesen, sagt Ferdinand Frenzer, der Leiter der Polizeireviers.

Der Rettungswagen habe durch den Pfeiler und die Suche nach einer anderen Zufahrt bis zu zehn Minuten verloren, meint Karin Caspersen. So lange freilich wird es in Zukunft nicht mehr dauern, wenn die Fahrer sofort die Route über das Luisenbad ansteuern. Trotzdem mag sie sich mit dem neuen Pfosten nicht arrangieren. Sie hält ihn für überflüssig. Auch ihr Mann Claus-Dieter meint: „In den acht Jahren, seit wir die Minigolfanlage betreiben, ist es vielleicht zwei Mal vorgekommen, dass ein Auto unbefugt über die Brücke gefahren ist – und das waren Ortsfremde, die sich einfach verfahren haben.“

Die Stadtverwaltung möchte aber grundsätzlich verhindern, dass Autos über die Holzbrücke fahren, die das neu entstehende Wohnquartier hinter der Brauerei mit den Königswiesen verbindet. Die Brücke sei für das Gewicht größerer Fahrzeuge nicht ausgelegt, sagt Rathaus-Sprecherin Antje Wendt. Polizei und Rettungsdienst wurden über das neue Verkehrshindernis offenbar deshalb nicht informiert, weil der offizielle Rettungsweg ohnehin schon seit Jahren über das Luisenbad führt. Auch bei Großveranstaltungen wie den Wikingertagen müsse stets ein Rettungsweg über das Luisenbad freigehalten werden.

Die Betonbrücke an der Strandhalle sei für entsprechende Gewichte ausgelegt, so Wendt. Allerdings zeigt die Stadtsprecherin Verständnis dafür, dass die Fahrer bei Notfällen ganz pragmatisch den kürzesten Weg gewählt haben. Zu solchen Einsätzen kommt es alle paar Wochen. Allein zur Minigolfanlage, sagen die Caspersens, komme der Rettungswagen durchschnittlich drei Mal im Jahr – meist wenn sich unachtsame Spieler mit den eisernen Schlägern verletzen.

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