Benefizabend an der Domschule : Plötzlich ist das Leid in Nepal ganz nah

Nach dem Erdbeben vom 25. April stehen viele Nepalesen vor dem Nichts.
Nach dem Erdbeben vom 25. April stehen viele Nepalesen vor dem Nichts.

In der Aula der Domschule berichteten vier Referenten mit persönlichen Beziehungen nach Nepal – unter ihnen auch Ex-Lehrerin Christa Thode.

shz.de von
07. Mai 2015, 07:45 Uhr

„Als reiche Nation sind wir verpflichtet zu helfen“ , resümierte Moderator Hans-Jürgen Boeck am Ende der knapp zweistündigen Veranstaltung – und verwies auf die ausgelegten Spendenzettel. Anlässlich des Erdbebens in Nepal vor anderthalb Wochen hatte die Domschule am Dienstagabend kurzfristig zu einer Informationsveranstaltung unter dem Titel „Hilfe für Nepal“ in ihre Aula eingeladen. Und rund 70 Schleswiger folgten diesem Aufruf.

Gleich am Eingang hingen Fotos aus dem Land, und eine Menge Informationsmaterial lag aus. Denn die Domschule hat über ihre ehemalige Lehrerin Christa Thode eine ganz besondere Verbindung zu Nepal. Sie war eine von vier Referenten an diesem Abend. Nachdem zwei Schüler des zwölften Jahrgangs zum Warmwerden eine kurze Einleitung über die geographischen und sozialen Gegebenheiten des Landes gaben, schilderten die Gäste auf dem Podium ihre persönlichen Erfahrungen und Verbindungen zu dem Land und baten jeweils um Spenden für ihr eigenes Tätigkeitsfeld.

Thode hatte 1995 mit einer Kollegin aus Hamburg zusammen in einem Dorf am Fuße des Mount Everest den Bau einer Schule initiiert. Sie betonte den „hohen Identifizierungsgrad der Einheimischen“ mit dem inzwischen zu einem ganzen Komplex gewordenen Areal, da die Menschen vor Ort den Bau und die Konstruktion selber verwirklicht hätten. Die gute Nachricht ist: Obwohl die dazugehörige Gesundheitsstation durch das Beben zerstört worden sei, „kann der Schulbetrieb weitergehen“.

Auch Ulrich Wiegers war seit 2008 bereits einige Male in Nepal, wo er mit einem internationalen Team in einem Krankenhaus tätig war. Unterstützt von einer Bildershow schwärmte der Schleswiger Internist vom Ehrgeiz, Fleiß und der Freundlichkeit der Bewohner in einem der ärmsten Länder Asiens. Als die Zuhörer gebannt den Worten des Musikethnologen Prof. Gert-Matthias Wegner lauschten, der in Bhaktapur die Musik-Abteilung der Universität Kathmandu aufbaute und, wie er betonte, dort sein „halbes Leben“ verbrachte, wurde ihnen die Verwundbarkeit Nepals aufgrund von Rückständigkeit, Armut und eines „rapiden Wandels“ deutlich. Denn das Land war bis 1951 nicht nur wirtschaftlich, sondern auch kulturell komplett abgeschottet. Wegners Haus ist nun nur noch ein Schutthaufen. Einer seiner Kollegen konnte sich aus diesem wohl gerade noch retten – nicht aber seine Doktorarbeit. „Ich habe ihm mein Konto dort freigegeben und ihn gebeten, das Geld an die Mitglieder des Instituts zu verteilen“, berichtete der Wissenschaftler und ergänzte: „Sie haben alles verloren, aber sie leben.“ In der Vergangenheit sei er viel durch die Gebirgsregion gereist, um Tonaufnahmen von musikalischen und rhythmischen Traditionen zu machen. Glücklicherweise gebe es davon Kopien, während das Instituts-Archiv verschüttet ist. Sein Haus in Dithmarschen sei jetzt die Schaltstelle für die Kommunikation mit seinen nepalesischen Kollegen und Freunden, betonte Wenger, der im vergangenen Jahr von der Universität Kathmandu zum ersten Mal das für einen Professor dort übliche Monatsgehalt von rund 300 Euro bekommen hat. Seinen Einsatz quittierte das Publikum mit lautem Beifall. Doch wie geht es weiter? Das Wort „humanitäre Katastrophe“ ist an diesem Abend häugiger gefallen. Rajesh Saiju – selber aus Nepal stammend und Professor in Flensburg – graut es vor allem vor dem jährlichen Monsunregen, der noch bevorsteht.

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