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Friedrichsberger Friedhof : Platz für 200 Sternenkinder

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Verein „Verwaiste Eltern“ erweitert seine Grabstätte für Totgeborene auf dem Friedrichsberger Friedhof.

von
erstellt am 23.Nov.2014 | 09:15 Uhr

Der Sarg ist kaum größer als ein Schmuckkästchen. Rund 20 Zentimeter lang und zehn Zentimeter breit. Drei Kinder wurden in ihm gestern auf dem Friedrichsberger Friedhof beigesetzt. Kinder, die nie das Licht der Welt erblickten, die tot geboren worden, winzig klein waren und doch schon aussahen wie das, was aus ihnen hätte werden sollen: wie Menschen. Rund 200 dieser so genannten „Sternenkinder“ sind im Friedrichsberg inzwischen begraben. Vor neun Jahren hat der Verein Verwaister Eltern für sie eine eigene Grabstätte geschaffen. Bis dahin wurden Fehlgeburten im Krankenhaus schlicht als Sondermüll entsorgt. Inzwischen bekommen sie eine kleine Trauerfeier, die fast wie eine richtige Beerdigung abläuft. Allen Eltern, die im Schleswiger Helios-Klinikum ihr ungeborenes Kind verlieren, wird dieses Angebot gemacht. Die meisten nehmen es an. Ganz kleine Föten bekomen in der Regel ein Sammelbegräbnis – so wie gestern. Die Kosten trägt der Verein. „Je größer das ungeborene Kind schon ist, desto stärker ist der Wunsch nach einer individuellen Begräbnisfeier“, sagt Elke Heinen, Leiterin des Arbeitsbereichs Verwaiste Eltern im Kirchenkreis Schleswig-Flensburg. In der Friedhofskapelle gibt es für die Sternenkinder einen eigenen kleinen Trauerraum. Die Feier muss nicht ablaufen wie eine klassische Beerdigung. „Wir richten uns nach den Wünschen der Eltern“, sagt Elke Heinen. Auf dem Weg von der Kapelle zum Grab tragen die Eltern ihr Kind oft selbst. Die Särge sind bunt bemalt. Dafür haben zuletzt Schüler aus dem BBZ gesorgt. Die ersten Särge hatte der frühere Busdorfer Pastor Gernot Nagel eigenhändig geschreinert. Inzwischen kommen sie aus den Schleswiger Werkstätten.

Meistens hält Krankenhauspastorin Susanne Kernich-Møller die Trauerandacht. Aber manche Beisetzungen verlaufen auch nach ganz anderen Riten. So sind hier auch schon drei Kinder muslimischer Eltern bestattet.

Mit der Beisetzung gestern ist die Grabstätte schon zum zweiten Mal erweitert worden. Auf kleinen Grabsteinen sind die Namen der Kinder zu lesen: Emma, Fabian, Kevin, Laura – aber auch Fantasienamen wie „Engelchen“. Auf manchen Steinen ist zu sehen, dass hier auch Kinder liegen, die nach der Geburt noch einige Tage gelebt haben. Zum Beispiel Jannick. Geboren am 4. Juni 2011, gestorben am 6. Juni. Der Junge war 33 Zentimeter groß und wog 680 Gramm, als er in der 25. Schwangerschaftswoche zur Welt kam. Eine Frühgeburt völlig ohne Vorzeichen. „Es war ein Schock“, sagt seine Mutter Nicole Heitmann. „Theoretisch weiß man zwar, dass so etwas passieren kann, aber man verdrängt es.“ Jannick, der zwei Tage gelebt hat, wäre auch ohne den „Garten für Kinder“ nicht im Sondermüll gelandet. Nicole Heitmann ist dennoch froh über die besondere Grabstätte im Friedrichsberg. „Ich kann mir ausmalen, dass er nicht allein ist, sondern irgendwo da oben mit den anderen Kinder spielt, die hier liegen. In der Anfangszeit war sie fast jeden Tag an Jannicks Grab, dann jede Woche, inzwischen werden die Besuche seltener. Sie wurde noch einmal schwanger und hat inzwischen einen zweijährigen Sohn.

 

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