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Schleswiger Nachrichten

20. August 2017 | 08:20 Uhr

Böklund : Plattdeutsch auf dem Stundenplan

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Auenwald-Grundschule Böklund beteiligt sich an landesweitem Schulprojekt von Heimatbund und Bildungsministerium

Plattdüütsch – noch vor einigen Jahrzehnten alltägliche Sprache, hört man sie heute immer seltener. Am wenigsten von den Jüngsten. Woher auch, wenn niemand mit den lütten Düüvels op Platt snackt? Marianne Ehlers will das ändern. Sie ist Referentin für Niederdeutsch und Friesisch des Schleswig-Holsteinischen Heimatbundes (SHHB) und sagt: „Wir sind in Schleswig-Holstein auf einem guten Weg.“ Viele Schulen und Kindergärten böten bereits Projekte, AGs oder Nachmittagsangebote auf freiwilliger Basis für Kinder und Jugendliche an. Mit dem Niederdeutsch-Angebot an Grundschulen existiere jetzt sogar ein verbindliches Konzept. Dieses initiierte der SHHB im vergangenen Jahr mit dem Land als Modellprogramm. Mit dabei sind neben Schülern in Mohrkirch, Gelting und Harrislee auch die Kleinen der Auenwald-Schule in Böklund.

„Niederdeutsch ist ein wichtiger Bestandteil der sprachlichen Lebenswelt und damit auch Teil der Kultur des norddeutschen Raumes“, sagt Schulleiterin Daniela Juhász. Die Auenwald-Grundschule wolle sich der daraus erwachsenen Verantwortung durch Unterrichtsangebote in allen Jahrgangsstufen stellen. Ziel sei es, den Schülerinnen und Schülern das Werkzeug an die Hand zu geben, sich in Niederdeutsch verständlich zu machen. „Dazu gehören die sichere Beherrschung eines Grundwortschatzes, die Verwendung grundlegender sprachlicher Strukturen und Redemittel sowie die regional unterschiedlich gefärbte Aussprache“, sagt sie. Und bei den großen schulischen Veranstaltungen wie dem Weihnachts- und Sommerkonzert hätten die Kinder Gelegenheit, ihr Können auch einer großen Öffentlichkeit vorzustellen.

In der Praxis bedeutet Plattdeutsch-Unterricht in der Auenwaldschule: am Montag früh aufstehen. Denn in der ersten Stunde haben sowohl Lehrer wie Schüler Zeit dafür. Alle anderen Kinder fangen erst eine Stunde später mit dem Unterricht an. Von Verschlafenheit ist allerdings keine Spur. Die Zweitklässler sind hellwach. Und das Datum bekommen sie nach einigem Üben auch auf Plattdeutsch hin. Denn Hochdeutsch ist in dieser Stunde total verpönt. Darauf achtet Lehrerin Renate Nissen streng. Sonst macht sie aber jeden Spaß mit und hält den Unterricht abwechslungsreich.

Disziplin braucht es bei der Anwesenheitsliste, bei der jeder Schüler mit „Jo, ick bün all dor“ antworten muss. Dann werden die Schüler durchgezählt. Dabei muss man die plattdeutschen Zahlen bis 20 kennen. Und die Schüler stellen Fragen nach ihrer Kleidung. „Wat für en Farb het min Büx?“ Und schließlich wird gesungen. Natürlich kennt jeder „Lütt Matten de Haas“, aber auch „Pastor sin Kau“ wird in schier unendlich vielen Strophen gesungen. Und zum Schluss wird sogar Plattdeutsch getanzt.

„Ich möchte diese Sprache erhalten und habe viel Spaß dabei“, erklärt Nissen ihre Motivation. Sie hat durch ihre Großmutter und ihre Schwiegermutter viel Platt zu Hause gesprochen. Für diesen Unterricht hat sie aber zusätzlich das ganze Programm der Zertifikatsklasse „Plattdüütsch för de Lütten“ absolviert, die am Zentrum für Niederdeutsch in Leck angeboten wird.

Patricia Zimnik, stellvertretende Pressesprecherin des Bildungsministeriums, erläutert das Konzept des landesweiten Modellprogramms: „Der Unterschied zu anderen Angeboten ist, dass Niederdeutsch in diesem Fall nicht nur nebenbei geplaudert, sondern als eine neue Fremdsprache erlernt wird.“ Insgesamt 27 Grundschulen erhielten in diesem Rahmen im vergangenen Jahr zwei zusätzliche Wochenstunden für plattdeutschen Unterricht in der Klassenstufe eins. 44 Schulen, erklärt Zimnik, hatten sich zuvor dafür beworben, Modellschule zu werden. Nachdem in diesem Schuljahr zwei weitere Modellschulen dazugekommen sind, profitieren derzeit insgesamt 1606 Schülerinnen und Schüler der ersten und zweiten Klassen in Schleswig-Holstein von dem Plattdeutsch-Unterricht.

In zwei Jahren hat das Projekt „Freiwilliges Niederdeutschangebot an Grundschulen“ das Ziel des Plattdeutschunterrichtes aller Klassenstufen an den Modellschulen erreicht. Renate Nissen hofft, dass es weitergeht. Auch Marianne Ehlers vom SHHB setzt sich für die Fortsetzung ein. „Der große Plan ist, dass es weitergeht und mehr Schulen eingebunden werden“, sagt sie. „Aber dafür sind wir auf die finanzielle Unterstützung des Landes angewiesen. Bildung gibt es nicht zum Nulltarif.“

 

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