Podiumsdiskussion zur Schlei : Plastik-Skandal erhitzt die Gemüter

Stellten sich den Fragen des Publikums: (v.l.) Stadtwerkechef Wolfgang Schoofs, Fischer Jörn Ross, Schlei-Experte Svend Duggen, Biologe Rainer Borcherding, Thorsten Roos, Leiter der Unteren Wasserbehörde des Kreises, und Moderator Bernd Ohde.
Stellten sich den Fragen des Publikums: (v.l.) Stadtwerkechef Wolfgang Schoofs, Fischer Jörn Ross, Schlei-Experte Svend Duggen, Biologe Rainer Borcherding, Thorsten Roos, Leiter der Unteren Wasserbehörde des Kreises, und Moderator Bernd Ohde.

Vorwürfe an Stadtwerkechef Schoofs, Fritz Laß tritt aus BUND-Vorstand aus.

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28. März 2018, 07:00 Uhr

Für einen kurzen Moment platzte Wolfgang Schoofs dann doch der Kragen. „Bin ich hier etwa im Verhör?“ meinte der Stadtwerkechef am Montagabend etwas gereizt, nachdem er sich aus dem Publikum zum wiederholten Male Fragen zu seiner Verantwortung im Plastik-Skandal gefallen lassen musste. Ansonsten aber war er bemüht, Ruhe auszustrahlen bei der vom SSW-Landesverband veranstalteten Podiumsdiskussion im Hotel „Hohenzollern“ – was angesichts des Themas, zu dem er Stellung nehmen sollte, nicht immer leicht war.

Die Ausgangslage

Anfang März wurde bekannt, dass über die Schleswiger Kläranlage wahrscheinlich monatelang Millionen von Plastikschnipsel in die Schlei eingeleitet wurden. Die Kunststoffteile stammen aus Essensresten, die von der Firma Refood mitsamt Verpackung geschreddert wurden. Im Anschluss wurde der daraus entstandene Brei unter anderem an die Schleswiger Stadtwerke geliefert, die daraus im Faulturm ihres Klärwerkes Energie gewonnen haben. Trotz vier Filterstufen konnte die Anlage nicht verhindern, dass die Plastikreste in die Schlei gelangten. Inzwischen streiten Stadtwerke und Refood darüber, wer die Schnipsel vor der Verwertung der Essensreste hätte herausfiltern müssen.

Die Veranstaltung

Das Thema sorgt seit Wochen für Aufregung. Inzwischen hat der Schleswiger Plastik-Skandal auch bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Entsprechend groß ist weiterhin das Interesse vor Ort. Deshalb kamen am Montagabend mehr als 150 Zuschauer ins „Hohenzollern“, um die Podiumsdiskussion unter dem Motto „Zukunft der Schlei – was ist zu tun?“ zu verfolgen. Neben Schoofs nahmen daran auch Thorsten Roos, zuständiger Fachbereichsleiter beim Kreis, der Ältermann der Holmer Fischer, Jörn Ross, Schleiexperte Svend Duggen sowie Meeresbiologe Rainer Borcherding vom BUND und Nabu teil. Die Moderation übernahm der Vorsitzende der Interessengemeinschaft Umweltschutz (IGU), Bernd Ohde.

Der aktuelle Stand

„Wir haben bislang 111 Tonnen Material entsorgt“, erklärte Schoofs. In erster Linie handele es sich dabei um abgestorbenes Schilf, in dem sich besonders viele Plastikteile festgesetzt hatten. Zudem, so erklärte der Stadtwerkechef, hole man Unmengen an anderem Müll aus dem Wasser. „Das ist der weitaus größere Teil im Vergleich zu den Schnipseln. Das nehmen wir auch raus und leisten damit einen zusätzlichen Beitrag zum Reinigen der Schlei“, so Schoofs. Bis Donnerstag sollen die Arbeiten erst einmal weitergehen. Danach ist zumindest in den Uferbereichen, in denen Vögel brüten, Schluss. „Wir halten die Schonzeiten ein – und zwar in der gesamten Schlei“, sagte Thorsten Roos – und erhielt dabei Zustimmung von Biologe Rainer Borcherding. „Diese Arbeiten bedeuten einen ziemlichen Eingriff in die Natur, da muss man sehr sensibel vorgehen“, betonte er.

Vorwürfe an Schoofs

Wurden regelmäßig Eingangskontrollen gemacht? Sind die technischen Anlagen überwacht worden? Warum weigern sich die Stadtwerke weiterhin, den Liefervertrag mit Refood zu veröffentlichen? Im Laufe des Abends musste sich Schoofs immer wieder Vorwürfe gefallen lassen, auch Rücktrittsforderungen wurden laut. Unter anderem wunderte sich Grünen-Ratsherr Steffen Hempel darüber, dass es bei den Stadtwerken bereits personelle Konsequenzen gegeben habe. „Das ist für mich ein Schuldeingeständnis“, meinte Hempel, der gleichzeitig den Stadtwerkechef aufforderte, selbst die Verantwortung zu übernehmen. Schoofs indes betonte, dass es lediglich „organisatorische Maßnahmen“ gegeben habe und fügte an: „Ich trage die Verantwortung und dazu stehe ich auch. Das bedeutet für mich aber, dass ich mich nicht aus dem Staub mache, sondern anpacke.“ Wenn man dennoch wolle, dass er geht, dann solle sich die Ratsversammlung dafür aussprechen.

Der Rücktritt

Auch Fritz Laß, seit über 40 Jahren aktiver Umweltschützer, war unter den vielen Besuchern, die sich zu Wort meldeten. Ob es eventuell einen „Bypass“ in der Kläranlage gegeben habe, über den die Plastikmassen abgeleitet wurden, weil man derer nicht mehr Herr wurde, wollte er von Schoofs wissen. Nachdem dieser das vehement verneinte, polterte Laß: „In dieser Geschichte wird uns so viel verschwiegen, das ist nicht zum Aushalten.“ Dies nahm er zum Anlass, seinen Vorstandsposten bei der BUND-Ortsgruppe vor versammelter Mannschaft „mit sofortiger Wirkung“ niederzulegen.

Das Thema Klärschlamm

Dass nicht nur das Wasser, das aus der Kläranlage in die Schlei geleitet wird, mit Kunststoffteilen verseucht war, sondern auch der Klärschlamm, erklärte Thorsten Roos. So habe man inzwischen in mehreren Proben Plastik entdeckt. Nun müsse sämtlicher betroffener Klärschlamm, der unter anderem auf dem Gelände des ehemaligen Flugplatzes in Eggebek zwischengelagert wird, verbrannt werden. Dabei, so Schoofs, handelt es sich um mehrere Tausend Tonnen.

Das Fazit

„Vielleicht kann jeder etwas aus dieser Geschichte lernen und seinen Beitrag dazu leisten, dass weniger Plastik in den Umlauf gerät“, sagte Fischer Jörn Ross. „Dann hätte das alles ja noch was Positives.“ Auch andere Besucher plädierten dafür, beim Einkauf – wenn möglich – auf Kunststoff zu verzichten. „Es wäre doch toll“, so meinte eine Dame, „wenn wir uns zur Plastik-freien Region erklären und so bundesweit zu einem Vorreiter werden.“

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