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Bürgermeisterwahl : Plakat-Analyse: Keiner kam durch

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Kommunikations-Experte Hans-Hermann Tiedje verteilt Zensuren für die öffentliche Selbstdarstellung der Kandidaten zur Wahl am 22. September

Die Straßen der Stadt sind voller Wahlplakate, denn am 22. September ist nicht nur Bundestagswahl, sondern auch Bürgermeisterwahl. Besonders die Plakate zu dem lokalen Wahltermin unterscheiden sich stark in ihrer grafischen Konzeption, die zugleich eine Menge über den Kandidaten aussagt.

Vor diesem Hintergrund haben die Schleswiger Nachrichten Hans-Hermann Tiedje um eine Stellungnahme zu den Wahlplakaten gebeten. Der gebürtige Schleswiger ist dafür besonders qualifiziert. In seiner journalistischen Karriere war er unter anderem Chefredakteur der Bild-Zeitung und Persönlicher Berater von Helmut Kohl in dessen letztem Kanzler-Wahlkampf. Tiedje ist heute Hauptaktionär und Vorstandsvorsitzender des Berliner Kommunikations-Beratungsunternehmens WMP Eurocom AG.

 

Arthur Christiansen



Der Slogan ist sinnfrei. „Kompetenz für Schleswig“ – hat der Wähler etwa Inkompetenz erwartet? Ich hätte erhofft: Neue Ideen für Schleswig! Warum der Mann seine Zähne nicht zeigt und die Augen zusammenkneift, kann nur der Fotograf beantworten (oder der Zahnarzt). Und die Hervorhebung des Doktor-Titels ist in Zeiten von Dr. Guttenberg, Dr. Schavan und Dr. Lammert eher riskant. Kann es sein, dass Dr. Arthur Christiansen eine gewisse äußerliche Ähnlichkeit mit Dr. Lammert hat?

Note 4

Thorsten Dahl



Von allen Kandidaten lächelt er am gütigsten. „Schleswigs Wahl: Thorsten Dahl“ erinnert mich an den Klassiker der größten Berliner Versicherungsagentur: „Keine Bange – Axel Lange“. Oder: Keine Feier ohne Meier. Warum er die Farben der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger einsetzt? Vielleicht ist das nur der Liebe zur Schlei geschuldet. Das Plakat fordert eine Gegenkampagne: „Thorsten Dahl: Nicht noch mal“. Seit zwölf Jahren ist er im Amt, die Bürger kennen ihn. Note 3–

Ronny Haardt



Bei diesem Kandidaten hätte man gerne gewusst: Was ist „der Unterschied“? Zu wem und von was? Und was soll das runde Bild signalisieren – wir haben doch noch nicht Ostern. Vielleicht ist er der Bürgermeister, den Schleswig braucht, aber sein Plakat ist geradezu armselig. Ein nichtssagendes Stück Papier, das weder animiert noch abstößt, mit keinem Programm verbunden, ohne Witz. Es lässt einen komplett gleichgültig. Eigentlich will man den Unterschied gar nicht mehr kennen lernen. Note 6

Ingo Harder



Das ist also „Einer von uns für uns“. Meine erste Frage wäre: Was ist sein Friseur von Beruf? Handelt es sich dabei um den Friseur von Kurt Beck? Im Ernst: der Typ kommt völlig unmodern daher, im 1980er-Jahre-Look, der Letzte seiner Art. Dass dieser Mann machtvoll die Zukunft Schleswigs in die Hand nehmen kann, ist nach der Optik eher nicht zu erwarten. Diesen Typus Mann würde man eher im Teppichhandel oder in der Versicherungsbranche oder als Spielervermittler vermuten. Note 6

Frank Neubauer



Die Idee des Fotos kommt aus Amerika und erinnert an die Clintons. Sogar an den Hund (welche Rasse?) hat man gedacht angesichts dieser Familienidylle. Zwei Fragen bleiben: Wer auf dem Bild ist eigentlich der Kandidat, und warum nur der hinreißende Slogan „Unser nächster Bürgermeister“? Kann es sein, dass man zunächst einmal keine Idee hatte, bevor einem dann obendrein auch nichts einfiel? Immerhin: Vier Stimmen hat der Kandidat Neubauer schon, trotz allem. Note 4

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erstellt am 04.Sep.2013 | 18:00 Uhr

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