Fehlende Nahversorgung : Pläne für „Tante Emma“ auf vier Rädern

Einkauf im rollenden Supermarkt – ein Zukunftsmodell für den Kreis?
Einkauf im rollenden Supermarkt – ein Zukunftsmodell für den Kreis?

Viele Dörfer im Kreis Schleswig-Flensburg stehen vor einem Problem: In der Umgebung gibt es keine Nahversorgung mehr. Vier Ämter haben sich jetzt zusammengetan, um Abhilfe zu schaffen. Ein „rollender Supermarkt“ soll in die Gemeinden kommen.

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06. März 2014, 12:00 Uhr

Kropp | Tante-Emma-Läden gibt es im Kreisgebiet kaum noch, hier und da nimmt die Aufgabe ein Markttreff wahr, doch ein wesentliches strukturelles Problem des ländlichen Raumes bleibt bestehen: Bei der Konzentration des Einzelhandels bleiben immer mehr Dörfer auf der Strecke. Um diese Problem zu lösen – und damit ein Stück Zukunftsfähigkeit zu sichern, haben sich jetzt mehrere Ämter zusammengeschlossen, um ein im Norden neues Modell zu etablieren: den „rollenden Supermarkt“. Einen potenziellen Betreiber haben sie bereits gefunden.

Den Supermarkt auf Rädern direkt vor der Haustür – die Idee wollten sich 20 Bürgermeister aus den Ämtern Arensharde, Haddeby, Südangeln und Kropp-Stapelholm gern anhören, soll das Modell doch als Ersatz für den fehlenden Einzelhandel dienen, ein Problem, das sie alle gleichermaßen betrifft. Sie trafen sich mit den Amtsvorstehern im Kropper Rathaus.

Der „rollende Supermarkt“ ist in vielen Bundesländern bereits ein fester Bestandteil zur Verbesserung der ländlichen Infrastruktur geworden. Dies war auch der Gründungsgedanke beim Regionalmarketing Kropp/Stapelholm für seine Initiative in der Region. Koordinator Michael Stühmer und Geschäftsführer Adolf Deeke hatten eine entsprechende Planungsvorlage erarbeitet und den Verantwortlichen der Ämter präsentiert.

Bis zu 2500 Artikel soll der rollende SB-Markt nach ihren Vorstellungen anbieten – von Backwaren, Gemüse, Fleischwaren über Zeitschriften, Tabakwaren bis zu kleinen Haushaltsgeräten und anderen Artikeln des täglichen Bedarfs. Damit, sagte Stühmer bei der Projektvorstellung, sichere der rollende SB-Markt die Grundversorgung in der ländlichen Region.

Das sei dringend notwendig, denn mit dem Strukturwandel im Einzelhandel gehe eine betriebliche und räumliche Konzentration einher. Geschäftsschließungen im kleinflächigen Einzelhandel seien an der Tagesordnung. Vor diesem Hintergrund könnten mobile Verkaufsstellen an Bedeutung gewinnen. Ihr Betrieb, so Stühmer weiter, sei von Einwohnerzahlen und Einzugsgebieten unabhängiger und daher besonders flexibel. Ferner sei der Investitionsbedarf für ein rollendes Geschäft deutlich geringer als für ein stationäres Engagement.

Für die Bürgermeister wäre das Angebot auch aus einem anderen Gesichtspunkt interessant: Gemeinden ohne Einzelhandel und Nahversorgung bieten kein attraktives Lebens- und Wohnumfeld. Angesichts der demographischen Entwicklung könnte sich das Fehlen von Handel und Nahversorgung folglich als dramatisch für die ländliche Infrastruktur erweisen. Nach Prognosen einer Studie der Bertelsmann-Stiftung wird der Anteil der 65- bis 79-Jährigen bis zum Jahr 2030 dramatisch ansteigen – kreisweit deutlich über 20 Prozent. Fast 9,5 Prozent der Kreisbevölkerung wird dann über 80 Jahre alt sein.

Für den Betrieb eines rollenden Supermarktes haben das Regionalmarketing Kropp/Stapelholm und Haddebys Amtsvorsteher Ralf Feddersen bereits einen potenziellen Betreiber gefunden – den Supermarkt-Betreiber Hans-Wilhelm Fick aus Busdorf. Grundvoraussetzung seien allerdings 30 bis 35 mitmachende Gemeinden, sagte dieser laut Mitteilung im Rahmen der Info-Veranstaltung in Kropp. Möglich sei eine wöchentliche Anfahrt der Gemeinden. Auch die Direktbelieferung von Kunden wäre möglich. Fünf bis sechs Gemeinden könnten auf diese Art und Weise pro Tag versorgt werden, schätzt Fick.

Um das Projekt anzuschieben, sehen die Pläne eine auf drei Jahren befristete Anschubfinanzierung durch die teilnehmenden Gemeinde vor. Damit soll dem Betreiber die notwendige Investition in Fahrzeug und Ausstattung (geschätzt 100 000 Euro) erleichtert werden. Zunächst jedoch soll in den Gemeinden der vier Ämter eine Bürgerumfrage starten, um den Bedarf für den Einsatz eines „rollenden Supermarktes“ zu ermitteln. Mitte 2014 soll dann in gemeinsamer Abstimmung die Umsetzung des Planes beschlossen werden.

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