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Feierstunde im Oberlandesgericht : Plädoyer für das politische Ehrenamt

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

150 Jahre Kreise in Schleswig-Holstein: Ehrenkreispräsident Petersen warnt vor einer Gebietsreform.

von
erstellt am 11.Sep.2017 | 07:00 Uhr

Die Kreise in Schleswig-Holstein können auf eine 150-jährige Geschichte zurückblicken. Mit einer Feierstunde am Freitagabend im Oberlandesgericht hat der Kreis Schleswig-Flensburg an die am 22. September 1867 in Kraft getretene preußische Verwaltungsreform erinnert – und die Veranstaltung zu einem Plädoyer für das politische Ehrenamt genutzt.

„Ehrenamt und Hauptamt sind zwei Seiten derselben Medaille“, sagte Ehrenkreispräsident Johannes Petersen in seinem Festvortrag. Leider werde der Gestaltungsspielraum der kommunalen Selbstverwaltung immer geringer“, bemängelte der Glücksburger CDU-Politiker, der von 1990 bis 2008 als höchster Repräsentant des Kreises diente. Wer das politische Ehrenamt stärken wolle, dürfe den Kreisen und Gemeinden nicht ständig neue Aufgaben aufbürden, ohne sie finanziell entsprechend auszustatten, mahnte er. Das Ehrenamt aber sei für die Selbstverwaltung unerlässlich. „Es überträgt Mitverantwortung auf die Menschen und bindet sie an den Staat.“

Zugleich warnte Petersen vor einer möglichen Gebietsreform, die immer mal wieder in der politischen Debatte auftaucht. Dabei richtete er den Blick nach Mecklenburg-Vorpommern, wo die Zahl der Landkreise 2011 von zwölf auf sechs halbiert worden war. „Fragen Sie mal die Mitglieder der dortigen Kreistage, wie weit sie fahren müssen, um ihr Ehrenamt auszuüben“, sagte Petersen. Aus verwaltungstechnischer Sicht seien größere Einheiten vielleicht effizienter, doch die Bereitschaft, sich politisch zu engagieren, sei in kleineren Gebieten wesentlich größer. „Ich hoffe, dass sich Schleswig-Holstein nicht auf den Irrweg einer Gebietsreform begibt“, schloss der Ehrenkreispräsident.

Zuvor hatte der im Schleswiger Landesarchiv beschäftigte Historiker Jörg Rathjen geschildert, wie die Preußen vor 150 Jahren den einverleibten Herzogtümern Schleswig und Holstein ihr Verwaltungsmodell überstülpten. Aus den vorhandenen Verwaltungsbezirken – den Harden und Kirchspielen – wurden seinerzeit 18 Landkreise sowie der Stadtkreis Altona. Trotz einiger Skepsis den neuen Kreisen gegenüber sei die Verwaltungsreform ein weitgehend lautloser Prozess gewesen, so Rathjen. Vor allem deshalb, weil die Preußen historisch gewachsene Strukturen berücksichtigt und vorwiegend heimische Beamte eingesetzt hätten.

Rathjen erinnerte daran, wie aus den Amtmännern die Landräte als Verwaltungschefs wurden. Im Kreis Flensburg übernahm 1867 Wilhelm von Krupka den Posten des Landrats, im Kreis Schleswig Hugo von Plessen. Ein Raunen ging durch den Saal, als der Historiker anmerkte, dass Plessens Stab gerade mal sechs Mitarbeiter umfasste.

Im heutigen Kreis Schleswig-Flensburg, der 1974 aus der Fusion der Kreise Flensburg-Land und Schleswig entstand, leben auf einer Fläche von rund 2000 Quadratkilometern aktuell etwa 195  000 Menschen. Landrat Wolfgang Buschmann ist von der Leistungsfähigkeit der Kreise überzeugt, wie er betonte. Andernfalls wäre etwa die Flüchtlingskrise nicht zu bewältigen gewesen. Und auch für Justizministerin Sabine Sütterlin-Waack, die als Vertreterin der Landesregierung an der Feierstunde teilnahm, steht fest: „Die Landkreise in Schleswig-Holstein sind nicht wegzudenken. Sie haben sich bewährt und stellen eine tragende Ebene unter dem Dach des föderalen Staatsaufbaus der Bundesrepublik dar.“

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