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Nottfeld : Pilzbefall: 75 Prozent der Bäume im Wald werden abgeholzt

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Schädling „Falsche kleine weiße Stängelbecherchen“ ist kaum zu sehen, aber der Anlass für eine großflächige Fällung von Eschen im „Kuhholz“.

shz.de von
erstellt am 05.Sep.2013 | 07:45 Uhr

Der Weg durch den Wald „Kuhholz“ in Nottfeld ist zurzeit lebensgefährlich. Das musste Revierleiter Udo Harriehausen in dieser Woche einem Wandererpaar deutlich machen, das mit seinen zwei Hunden die entsprechenden Warnschilder einfach missachtet hatte. Die Wanderer hatten einen ihrer Meinung nach guten Grund: Die Kartierung des permanenten IVV-Wanderwegs führe genau hier entlang – und nur wenn man den Markierungspunkt am Ende der Strecke erreiche, bekomme man den begehrten Stempel in sein Wertungsheft. Erst nachdem der Förster den Wanderern klargemacht hatte, dass außer Gefahr für Leib und Leben bei Zuwiderhandlung auch noch eine Ordnungsbuße auf sie warte, drehten sie um und wichen auf eine andere Strecke außerhalb des Waldes aus.

Es gibt einen Anlass dafür, das Gehölz für Wanderer, Reiter, Jogger und alle Arten von Fahrzeugen zu sperren. Auch der Waldkindergarten muss sich andere Plätze zum Spielen suchen. Denn in dem etwa 20 Hektar großen Wald müssen fast alle Eschen gefällt werden. Und das sind etwa 75 Prozent des gesamten Baumbestandes.

Grund ist das „Falsche kleine weiße Stängelbecherchen“. Dieser Pilz befällt nur Eschen und fiel erstmals vor zehn Jahren durch Kronenschäden im Ostseeraum auf. Er setzt sich dort im Feinreisig ab und verstopft die dünnen Äderchen (Kapillaren), die dann absterben. Seit einiger Zeit fiel der gleiche Pilz auch am Stammfuß auf. Hier zerstört er das Kambrium, die lebende Schicht unter der Rinde und lässt den Stamm bluten. In dieses Totholz dringen dann andere Pilze ein, die das Holz zerstören und die Stabilität des Baumes so schädigen, dass er umstürzen kann. Nachdem der Stamm abgesägt ist, kann man diese zerstörten Stellen als keilförmige Verfärbungen auf der Baumscheibe erkennen.

Harriehausen ist in mehrfacher Beziehung mit der mit Naturschutz- und Forstbehörden abgestimmten Aktion nicht glücklich. Denn die Bäume sind bei einem Alter von 75 Jahren noch nicht ausgereift. Sie hätten eine Lebenserwartung von 100 Jahren. Außerdem entspricht ein derartiger Fast-Kahlschlag nicht seinen ökologischen Vorstellungen. Und zum Letzten ist es ein wirtschaftlicher Verlust, da die Stücke der Bäume, die vom Pilz befallen sind, nur noch als Industrieholz verkauft werden können. Sonst ist Eschenholz als Werkzeugstiel, zum Möbel- und zum Häuserbau ein gefragtes Material.

Deshalb ist der Revierleiter auch äußerst vorsichtig, bevor er die rote Farbmarkierung auf die Bäume sprüht. Denn einige Eschen sind auch resistent gegen den Pilz. „Die Herausforderung besteht darin, die Bäume zu finden, die natürliche Abwehrmechanismen bilden, um den Pilz nicht eindringen zu lassen“, erklärt Harriehausen. Das Kuhholz sei ein idealer Standort für Eschen, da es „vorratsfrisch“ sei, das heiße auch bei extremer Trockenheit immer genügend Wasser habe. Um aber der Gefahr eines erneuten Pilzbefalls vorzubeugen, würden die entstehenden Lichtungen im Wald nicht mit Eschen, sondern mit Stieleichen und Flatterulmen aufgeforstet.

Noch etwa einem Monat werden die Motorsägen im Kuhholz dröhnen. Danach sind die Wege wieder sicher und werden für die Öffentlichkeit freigegeben. Außerhalb der Wege bleibt der Wald aber auch dann noch unsicher, da vermutlich erst nach den ersten Herbststürmen alle losen Äste aus den Bäumen herabgefallen sind.

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