Jagel : Piloten-Ausbildung mit Hindernissen

Techniker kümmern sich nach der Landung um einen Tornado. Seit vergangenem Jahr findet die Piloten-Ausbildung auf diesem Jet in Jagel statt.
Techniker kümmern sich nach der Landung um einen Tornado. Seit vergangenem Jahr findet die Piloten-Ausbildung auf diesem Jet in Jagel statt.

Schlechtes Wetter, zu wenig Fluglehrer: Die Ausbildung der Tornado-Piloten in Jagel dauert länger als geplant.

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10. Februar 2018, 07:55 Uhr

Die norddeutsche Tiefebene ist eben doch etwas anderes als die Wüste von New Mexico. Das verregnete vergangene Jahr wirkt sich nachhaltig auf die Ausbildung der Tornado-Piloten in Jagel aus. Die Maschinen der Flugschüler mussten sehr viel öfter am Boden bleiben, als es ihnen und ihren Ausbildern lieb war. So werden die ersten Lehrgangsteilnehmer ihren Kurs voraussichtlich erst im Juli beenden können – gut drei Monate später als geplant. Ursprünglich sollte die Schulung nur rund ein knappes Jahr dauern. „Wir haben hier eben keine Verhältnisse wie in Amerika. Vielleicht sind wir ein bisschen zu blauäugig rangegangen“, sagt Oberst Kristof Conrath (54), Kommodore des Taktischen Luftwaffengeschwaders 51 „Immelmann“.

Anfang des vergangenen Jahres war die Piloten-Ausbildung von der Holloman Air Force Base im US-Bundesstaat New Mexico nach Jagel verlegt worden. Aus Kostengründen. Ende April rückten die Teilnehmer des ersten „Basic“-Kurses – vier Piloten und vier Waffensystemoffiziere – in den Hörsaal ein. Nach Theorie-Schulung und Übungen im Simulator durften sie im Sommer erstmals im Tornado abheben. Rund 75 Flugstunden absolviert jeder Pilot bis zu seiner Graduierung. Die Waffensystemoffiziere kommen auf 55 Stunden im Tornado.

Natürlich könne der Jet auch bei schlechtem Wetter fliegen, stellt Oberstleutnant Andreas Jeschek (39), Staffelkapitän der 4. (Ausbildungs-)Staffel im Geschwader, klar. Aber viele Ausbildungsinhalte erforderten nun mal gute Sichtverhältnisse, zum Beispiel wenn es um das Trainieren von Formationsflügen gehe. Gelegentlich seien die Schüler auch bei gutem Wetter vom Fliegerhorst gestartet, hätten dann aber umkehren müssen, weil in den Übungslufträumen schlechte Bedingungen herrschten, wie Kommodore Conrath ergänzt.

Doch nicht nur das Wetter macht den Soldaten zu schaffen. So mangele es an Fluglehrern, sagt Jeschek. Mehrere Ausbilder seien von Holloman nicht mehr mit nach Jagel gekommen, sondern direkt in Pension gegangen. Eigentlich sieht der Stellenplan der 4.  Staffel 21 Fluglehrer vor. „Aktuell sind wir zu zirka 30 Prozent unterbesetzt“, erklärt Jeschek. Und: „Wir sind keine reine Ausbildungsstaffel, sondern auch eine Einsatzstaffel.“ Das bedeute, dass Personal auch für Auslandseinsätze abgestellt werden müsse. Das sei in Holloman nicht der Fall gewesen.

Den US-Stützpunkt verlassen zu haben, bezeichnet Jeschek dennoch als richtige Entscheidung. Alles andere wäre aufgrund der Kosten – allein an Miete zahlte die Bundeswehr 15 Millionen Euro pro Jahr – nicht mehr vertretbar gewesen. Und auch von der Qualität der Piloten-Ausbildung in Jagel ist der Staffelkapitän trotz aller widrigen Umstände überzeugt. Das ist auch Conrath. „Dafür, dass es der erste Kurs ist, haben wir das gut in den Griff gekriegt“, betont der Kommodore. Und dass einer von acht Lehrgangsteilnehmern den Anforderungen nicht gewachsen war und ausscheiden musste, das sei auch nichts Ungewöhnliches.

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Gleichwohl gelte es nun, die Ausbildung den Gegebenheiten anzupassen. Angedacht sei, die Kurse künftig so zu legen, dass vermehrt in den Jahreszeiten mit besserem Wetter geflogen werden könne.

Und was ist mit dem Fluglärm? Verzögerungen und Verschiebungen in der Ausbildung wirkten sich nicht auf die Zahl der Flugstunden des Geschwaders aus, betont Jeschek. Diese würden nach wie vor übers ganze Jahr verteilt. Schließlich müssten auch die Piloten der anderen Staffeln ihre notwendigen Flüge absolvieren.

Die nächsten Lehrgänge haben derweil bereits begonnen. Seit Januar werden in Jagel vier Fluglehrer geschult. Und seit der vergangenen Woche werden die vier Teilnehmer des zweiten „Basic“-Kurses unterrichtet. Die erste Waffenlehrer-Ausbildung beginnt übernächste Woche.

Während die bisherigen Teilnehmer mit einem Provisorium in beengten Unterrichtsräumen auf dem Fliegerhorst leben müssen, können die neuen Schüler darauf hoffen, zumindest Ende des Jahres in einen großzügigeren Neubau umziehen zu können. Bislang sind wegen der stockenden Regierungsverhandlungen noch keine Gelder für das Bauvorhaben bewilligt worden.

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