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Schleswiger Nachrichten

18. Dezember 2017 | 17:54 Uhr

Twedt : Pflügen wie zu Großvaters Zeiten

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

14 Fahrer bearbeiten mit ihren Oldtimer-Gespannen eine sechs Hektar große Fläche auf dem Hof Lücke in Twedt.

Wenn man mit einem Altbauern über das Pflügen spricht, leuchtet es in seinen Augen. Denn in früherer Zeit war diese erste und relativ grobe Bearbeitung des Bodens das A und O seines Berufsstandes. Und beim Betrachten der ersten Spur – dem Zusammenschlag und der Festlegung – erkennen sie sofort, ob ein Fachmann am Werk war. Da die alten Pflüge nur Erde nach einer Seite umwerfen, müssen die Spuren exakt sitzen, sonst entsteht im Feld ein Graben.

Beim Oldtimer-Pflügen der „Oldtimerfreunde Loit“ auf Hof Lücke in Twedt hatten die Experten Gelegenheit, ihre Fähigkeiten zu demonstrieren. Gisela Lorenzen und Ernst Wohlgehagen hatten ihnen für diese Form der Freizeitgestaltung eine etwa sechs Hektar große Fläche zur Verfügung gestellt. 14 Traktoren mit Leistungen zwischen 24 und 70 PS wendeten die Erde mit bis zu dreischarigen Pflügen. Anfänger erhielten Einweisung von den „alten Hasen“.

„Wenn der Pflug richtig eingestellt ist, muss der Trecker laufen, ohne dass der Fahrer ins Steuer greift“, erklärt der Veranstalter und „Oldtimer-Papst“ Manfred Steenbuck. Er läuft deshalb selten ohne Schraubenschlüssel über das Feld. Wenn ein Pflug nicht scharf genug oder sogar verrostet ist, greift er auch nach einem Feldstein und schärft die Scharen nach. „Bei modernen Pflügen sind die Traktoren so stark, dass sich die Scharen durch das Erdreich selbst schärfen“, erläutert er. Doch bei den geringen Leistungen der Oldtimer-Traktoren sei diese Methode nicht anwendbar.

Ein typischer Fehler der Anfänger, der elektronische Hilfen gewöhnt ist, sei die zu tiefe Absenkung des Pfluges, die vollständig ins Ermessen des Fahrers fällt. Und wenn dieser die Tiefe nicht rechtzeitig korrigiere, könne sich die Zugmaschine bis zur Ölwanne in den Boden eingraben. „Im Gegensatz zu den heutigen elektronisch gesteuerten PS-Riesen war die Technik damals primitiver aber einfacher zu handhaben“, weiß Steenbuck. Die jungen Leute müssten erst einmal lernen mit dieser „antiken“ Technik umzugehen. Aber das würden sie mit Begeisterung tun. Und so mancher Pflug würde inzwischen wieder aus dem Knick gezogen und liebevoll restauriert, sagt er.

Doch diesmal geht alles glatt und kein Traktorfahrer muss von seinen Kollegen aus dem Dreck gezogen werden. Und einige von ihnen sind fast etwas enttäuscht, als am frühen Nachmittag die Fläche vollständig bearbeitet ist – auch wenn es durch die unterschiedlichen Tiefen der Pflugscharen nicht immer so gleichmäßig ist, wie mit modernen Maschinen.

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