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Kreis Schleswig-Flensburg : Pfleger soll Seniorinnen in Altenheim missbraucht haben

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen einen 54-jährigen Heimmitarbeiter wegen mehrerer Fälle.

Schleswig | Die Staatsanwaltschaft Flensburg ermittelt gegen einen 54-jährigen Altenpfleger, der sich sexuell an alten Menschen in einer Pflegeeinrichtung im Westen des Kreises Schleswig-Flensburg vergangen haben soll. Die Taten ereigneten sich im November des vergangenen Jahres. Nach Angaben von Zeugen soll der Mann, der in Nordfriesland lebt, während einer Nachtwache auf frischer Tat ertappt worden sein.

Demnach hatte der Mann unter dem Vorwand, eine Bewohnerin waschen oder eincremen zu wollen, an dieser sexuelle Handlungen vorgenommen. Entdeckt wurde dies vom Ehemann der Frau. Das Ehepaar lebt gemeinsam in der Senioreneinrichtung. Der Mann hatte sich schlafend gestellt, als der Pfleger begann, sich an seiner Ehefrau zu vergreifen, und sofort nach dem Schichtwechsel die Pflegedienstleitung der Einrichtung alarmiert.

Das bestätigt der Leiter der Senioreneinrichtung. Er selbst sei daraufhin ebenfalls sofort alarmiert worden, sagt er, und habe unverzüglich die Polizei alarmiert. Noch am selben Nachmittag – es war der 22. November – habe er den Pfleger einbestellt. Dieser habe zu den Vorwürfen geschwiegen, woraufhin er ihm die Papiere ausgehändigt und ihm Hausverbot erteilt habe, so der Leiter.

Die Kriminalpolizei hat ihre Ermittlungen inzwischen abgeschlossen. Gleichwohl hält sich die Staatsanwaltschaft mit Auskünften zu dem Fall bedeckt. Allerdings bestätigt Sprecherin Ulrike Stahlmann-Liebelt, dass es sich bei dem Übergriff nicht um einen Einzelfall gehandelt habe. Mindestens eine weitere Seniorin sei Opfer des Pflegers geworden. Nach Zeugenaussagen soll sich der Missbrauch über einen Zeitraum von etwa zwei Wochen hingezogen haben, ehe der Mann aufflog.

Ein weiteres Opfer habe sich aus Scham nur zögerlich offenbart, bestätigt der Leiter der Einrichtungen. Sie sei, wie alle anderen Bewohner auch, nach ähnlichen Vorkommnissen oder Beobachtungen befragt worden.

Im Kollegenkreis war der Pfleger bis zum Bekanntwerden der Vorwürfe nicht negativ aufgefallen. Er war bereits seit 2012 in der Einrichtung tätig. „Wir hatten allen Grund, dem Mann zu trauen“, sagt der Leiter der Senioreneinrichtung, „anschließend aber auch keinerlei Gründe, an den Aussagen der Bewohner zu zweifeln“. Es habe nie Probleme gegeben. „Der Mann war immer höflich und zuvorkommend.“

In der Belegschaft sorgt der Fall aus zweierlei Gründen für Unruhe. „Die männlichen Mitarbeiter haben natürlich Angst vor einer Vorverurteilung. Wir haben jedem einzelnen in Gesprächen klar gemacht, dass wir hinter ihm stehen und es sich um einen schlimmen Einzelfall handelt“, so der Heimleiter.

Zudem sorgten sich die Mitarbeiter um Bewohnerinnen in anderen Heimen. Denn angesichts des angespannten Arbeitsmarktes sei die Wahrscheinlichkeit groß, dass der Pfleger nicht lange ohne Arbeit bleibe, betont der Heimleiter. „Der arbeitet sicher längst in einer anderen Einrichtung. Nicht einmal die Aufsichtsbehörde kann das verhindern.“
 

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erstellt am 03.Feb.2015 | 07:54 Uhr

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