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Fachkräftemangel : Pflege-Pioniere aus China sind da

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Fachkräfte aus Peking schauen sich den Medigna-Pflegedienst am Gallberg an: „Zu wenig Bewerber für Pflegeberufe in Schleswig“.

Peking – Hamburg. Erst vor zwei Tagen sind sie in Norddeutschland gelandet. Acht Frauen aus China, examinierte Pflegekräfte mit Berufserfahrung. In ihrer Begleitung befinden sich auch zwei chinesische TV-Journalisten, die über deren erste Arbeitserfahrungen in der deutschen Altenpflege berichten wollen. So werden Fernsehzuschauer in China sich selbst ein Bild davon machen können, wie sehr ihre Landsleute als Pflegekräfte in Schleswig und anderswo willkommen geheißen werden. „Wir sind dankbar, dass sie da sind,“ sagen Karen und Thorsten Hoffmann, die Betreiber des Schleswiger Medigna-Pflegedienstes, bei dem mehr als 100 Beschäftigte in verschiedenen Pflegebereichen arbeiten.

So freue man sich über die, wie Karen Hoffmann betont, „dringend benötigte Unterstützung“ durch die chinesischen Kollegen. Seit knapp zwei Jahren bekomme man den Fachkräftemangel in der Pflege deutlich zu spüren: „Freiwerdende Stellen können nur noch schwer, manchmal auch gar nicht wieder besetzt werden“, sagt sie.

Gestern Mittag im neuen Medigna-Gebäude am Gallberg 41: Gespanntes Warten auf die Chinesen. Ein großer Kaffeetisch ist bereits gedeckt. Dann, mit einiger Verspätung, treffen sie zusammen mit zwei filmenden und fotografierenden Reportern ein, an der Spitze Frau Wei Qian. Das raumfüllende Sprachgewirr – Chinesisch auf der einen Seite, Deutsch auf der anderen, zusätzlich noch ein bisschen Platt vom Ehepaar Hoffmann – löst sich bald auf. Dann hört jeder dem anderen zu, jeweils übersetzt von Wei Qian.

Sie ist Geschäftsführerin des Instituts Baltic Sea International Campus (BSIC), das seinen Sitz in Eckernförde hat. In ihrer Macht liegt es, in welche Pflegeeinrichtungen und Kliniken in Deutschland die chinesischen Fachkräfte vermittelt werden. Der BSI-Campus präsentiert sich als ein anerkanntes interkulturell agierendes Unternehmen für akademische Fort- und Weiterbildung in Wissenschaft sowie auf einigen beruflichen Feldern, die etwa mit Gesundheit oder erneuerbaren Energien zu tun haben. Die acht äußerst freundlichen und gut gelaunten Chinesinnen, die sich gleich in der Medigna-Einrichtung umschauten, bilden die Vorhut. Sie werden etwa vier Jahre in Deutschland bleiben, zwei oder drei von ihnen in Schleswig. „In den kommenden Jahren wollen wir die Kooperation mit unseren chinesischen Fachkräften ausbauen“, erklärt BSIC-Geschäftsführerin Qian.

Sie arbeitet mit ihrer Partnerin Julia Zhou zusammen, die in China interessierte Pflegeexpertinnen in Städten sowie in den Provinzen anwirbt. In Vorbereitungskursen, die in China stattfinden, werden sie in deutscher Sprache und Kultur unterrichtet. Die Hilfe aus China ist Teil eines Pilotprojekts, das die Bundesregierung mit China vereinbart hat. Danach können 150 chinesische Fachkräfte nach Deutschland kommen. Tatsächlich seien dadurch bürokratische Hürden beseitigt worden.

Zu den Pflege-Pionieren aus China gehört auch Ying Fang Bao. Warum sie statt in Peking nun in Schleswig alte Menschen pflegen möchte? „Ich bin einfach neugierig auf Deutschland“, meint sie. Ihre Erfahrungen werden sie und ihre Kollegen später zu Hause in China weiter erzählen.

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erstellt am 06.Mai.2014 | 07:46 Uhr

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