Pflanzenwelt der Wikinger: Thymian gegen Entzündungen

Ute Drews, Leiterin des Wikingermuseums  (links), erläutert Besuchern die Pflanzenwelt Haithabus. Foto: Krabbenhöft
Ute Drews, Leiterin des Wikingermuseums (links), erläutert Besuchern die Pflanzenwelt Haithabus. Foto: Krabbenhöft

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06. Juli 2009, 05:59 Uhr

Schleswig / Busdorf | Kräuter wie Thymian, Baldrian und Johanniskraut sind nicht nur heute in vielen Haushalten zu finden, sondern wurden schon von den Wikingern auf vielfältige Weise genutzt. Unter dem Motto "Was blüht denn da in Haithabu?" stellte das Wikingermuseum am Wochenende 60 wikingerzeitliche Wildstauden vor. "Seit den sechziger Jahren wurden bei Grabungen in Haithabu Bodenproben entnommen und analysiert. Dank der ufernahen und durchfeuchteten Lage konnten mehr als 1000 Jahre alte Pollen, Samen und Pflanzenreste nachgewiesen werden", erklärte Museumsleiterin Ute Drews, die Besucher durch die Gärten führte.

Die Wikinger selber besaßen allerdings keine Gärten, da die Zucht und Kultivierung von Pflanzen bei ihnen noch in den Kinderschuhen steckte. Vielmehr wurden Kräuter und Gemüse gesammelt und vermutlich zur Veredelung von Stoffen, als Heilmittel und in der Küche verwendet, "denn sie hatten ja keine Gewürzregale und Apotheken". Das Wissen über die Nutzung der Pflanzen ist nur im Einzelfall überliefert. Etwa belegen bekannte Sagen den Einsatz des entzündungshemmenden Thymians und Gesetzestexte verdeutlichen den hohen Stellenwert von Engelwurz bei den Wikingern. "Die in Töpfen gefundene Knoblauchsrauke war im Frühjahr die erste Pflanze, die nach dem eintönigen Essen der Wintermonate gesammelt und gegessen werden konnte", führte Drews weiter aus. Malvengewächse wie der Eibisch kamen zu regem Einsatz, und Wirbeldost gilt als das Oregano der Wikinger.

In den 2006 begonnenen Ausgrabungen eines Grubenhauses brachten Archäologen zudem Rückstände von Kohl, roter und gelber Beete sowie Mangold zutage. Diese neuen Erkenntnisse sorgen letztlich dafür, dass auch der Museumsgarten an Vielfalt gewinnt und immer wieder zu einem neuen Gesicht findet.

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