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Reiterflohmarkt in Janneby : Pferdefreunde wollen Fohlen vor dem Schlachter retten

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Nina Elzer veranstaltet am Sonntag einen Reiterflohmarkt in Janneby – vom Erlös will sie in Österreich zwei Fohlen kaufen, damit sie nicht geschlachtet werden.

shz.de von
erstellt am 12.Sep.2014 | 07:45 Uhr

Wenn Nina Elzer am 20. Oktober ins Auto steigt, zu ihrer Freundin Karina Schlobohm nach Grasberg bei Bremen fährt und sich beide von dort auf den Weg nach Maishofen in Österreich machen, dann auch mit einem mulmigen Gefühl. Ihr Ziel: Eine Fohlenauktion, die einen Tag später über die Bühne gehen soll. Zwei Tiere der Rasse Noriker wollen sie vor dem Schlachter bewahren.

Die Idee für die Rettungsaktion hatte Karina Schlobohm, die wie Nina Elzer seit frühester Kindheit Pferdeliebhaberin ist. Schlobohm ist 37 Jahre alt und Tierheilpraktikerin, hat auf ihrem Hof eine kleine Pferdezucht. Nina Elzer ist Reitlehrerin,. Sie lebt in Behrendorf in Nordfriesland, man findet sie jedoch jeden Tag auf dem Hof der Eltern ihres Freundes Udo Carstensen in Janneby, ein früherer Milchviehbetrieb. Auf dem großen Gelände sind nur noch Pferde zu Hause, darunter Elzers zwei Wallache und ihre Stute. Sie war es, der schnell ein Reiterflohmarkt in den Sinn kam, um die Fohlenrettung zu finanzieren. „Was wir tun, tun wir aus vollem Herzen“, sagt die 28-Jährige. „Karina und ich setzen uns seit langem für den artgerechten, fairen Umgang mit Pferden ein.“

Kennengelernt haben sie sich im Frühjahr 2013, als beide auf der Messe „Nordpferd“ die Rasse „Alt-Oldenburger“ präsentierten, die einst in ihrer Existenz bedroht war. Schlobohm züchtet diese Rasse, Elzer hat einen Alt-Oldenburger Wallach. „Wir wollen uns aber auch für andere Rassen einsetzen, wie jetzt für die Noriker, die in Österreich fast ausschließlich für die Schlachtung gezüchtet werden“, erklärt sie. Auch in Italien und der Schweiz werde in großem Ausmaß mit dem Fohlenfleisch gehandelt, „der Markt boomt“. Sie ergänzt aber gleich: „Wir sind nicht gegen die Schlachtung an sich, aber gegen Massenschlachtung und das Mästen von Fohlen, und dagegen, dass die EU das unterstützt, indem sie die Aufzucht von Norikern mit 160 Euro pro Tier fördert.“

Elzer sagt, die Kaltblüter seien in Österreich zuhauf auf der Alm zu sehen, als Zierde, damit sich Urlauber an ihnen erfreuen können, vor allem an den Fohlen. „Das wirkt dann alles wie eine heile Welt, aber sobald die Fohlen sechs Monate alt sind und nicht mehr von der Mutter gesäugt werden, kosten sie den Züchter Geld und werden auf Auktionen als Überschuss-Ware an Viehhändler verhökert“, so Elzer. „Wir wollen zwei Fohlen einfach ein schönes Leben ermöglichen.“

Für den Reiterflohmarkt, der am Sonntag in der kleinen Reithalle des Hofes in der Dorfstraße in Janneby stattfindet, haben beide die Facebook-Gruppe „Fohlenrettung Maishofen 2014“ gegründet, die schnell über 1000 Unterstützer fand. „Es gibt so viele Menschen, die uns helfen wollen, damit haben wir überhaupt nicht gerechnet“, sagt sie. Jeder kann sich für den Flohmarkt, bei dem es keine Standgebühr gibt, anmelden und alles, was mit Pferd und Reiter zu tun hat, verkaufen – „den Erlös kann man natürlich behalten, am Ende selbst entscheiden, wie viel davon man für unsere Aktion spendet“, betont Elzer.

Das Geld, um zwei Fohlen zu kaufen – der Preis für eines liegt bei 500 bis 800 Euro – haben die beiden sogar fast zusammen: Schon jetzt haben viele Menschen Geld gespendet, insgesamt 1000 Euro. „Und die Leute bringen Pakete mit Reitzubehör vorbei, das wir dann verkaufen sollen, oder sie schicken sogar Sachen mit der Post.“ Sollte nach der Fohlenauktion Geld übrig sein, werde das ausschließlich für die Noriker verwendet, etwa für Tierarzt-Untersuchungen oder Hufpflege.

Was genau sie in Maishofen, wo bis zu 300 Fohlen angeboten werden, erwartet, weiß Elzer nicht. Ihr sei zwar bekannt, dass die Fohlenauktion dort wie ein Volksfest gefeiert wird, „wie ein Oktoberfest, mit Rossbratwurststand und Kapelle, das ist dort Tradition“. Gar nicht denken mag sie aber an Berichte von Tierschützern, dass es besonders schlimm sei zu erleben, wie die Fohlen schreien, wenn sie zusammengepfercht verladen werden, um geschlachtet zu werden. Die beiden hoffen, überhaupt ein Fohlen zu bekommen, „denn die meisten Züchter wollen natürlich an Schlachtereien verkaufen. Von Privatpersonen könnten sie ja nachträglich noch belangt, mit Forderungen konfrontiert werden, wenn mit dem Fohlen etwas nicht stimmt.“ Schaffen sie es, zwei Fohlen zu retten, wird deren neues Zuhause der Hof von Schlobohm in Grasberg sein.

Nina Elzer kann sich aber vorstellen, eines der Fohlen nach Janneby zu holen, nach etwa einem Jahr Eingewöhnungszeit, damit es nicht zu schnell wieder aus der vertrauten Herde gerissen wird. Und dafür würde sie dann genau den Preis bezahlen, der bei der Auktion mit den Spendengeldern gezahlt wurde – von ihrem Geld, sagt sie, könne dann ja vielleicht „noch eine arme Seele“ bei einer Auktion freigekauft werden.

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