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Kirchenkreis Schleswig-Flensburg : Pfarrstellen sollen bleiben

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Besorgte Bürger überreichten am Dienstag in Schleswig fast 800 Protestunterschriften gegen die Streichungspläne des Kirchenkreises an Pröpstin Johanna Lenz-Aude.

shz.de von
erstellt am 16.Mär.2016 | 07:45 Uhr

Es sei ein Aufschrei, der sich in dem hellen Din-A4-Umschlag verbirgt, sagte Wolfram Lufft gestern in den Verwaltungsräumen des Kirchenkreises Schleswig-Flensburg. In ihm befanden sich 779 Unterschriften, die er Pröpstin Johanna Lenz-Aude überreichte. Sie stammen von Kirchengliedern, die sich gegen das Konzept „Kirchliche Handlunsräume“ aussprechen, das die Streichung von acht Pfarrstellen in der Propstei Angeln vorsieht.

Bereits im Februar hatten sich Lufft und sieben weitere Kirchenglieder, fünf von ihnen waren gestern dabei, mit einem Brief an den Kirchenkreisrat gewandt. Darin hatten sie die Stellenstreichungen scharf kritisiert, da sie die Nähe der Bewohner zu ihrem Pastor und damit die Bindung an die Kirche im ländlichen Raum zerstörten. Gerade in Zeiten vermehrter Kirchenaustritte sei dies, so Lufft, der falsche Weg. Mit der Unterschriftenaktion wollten sie ihrem Brief Nachdruck verleihen. Inzwischen haben sie über 1400 Unterschriften zusammen.

Dass die Einsparungen zu einer Abwärtsspirale führen, glaubt Pröpstin Johanna Lenz-Aude nicht – „die ist längst da“. Schließlich würden die Zahlen seit 30 Jahren wegbrechen. Eine geringere Dichte an Pfarrstellen verstärke diesen Trend ihres Wissens nach nicht, wie die Beispiele Tarp oder Eggebek zeigten. Allerdings betonte sie: „Hätten wir keine finanziellen Probleme, würden wirStellen auf- statt abbauen.“ Doch Kirchenkreis und Gemeinden litten gleichermaßen unter strukturellen Defiziten. Durch die Streichungen bleibe letztlich mehr Geld für die Kirchengemeinden übrig, das zu 60 Prozent nach Anzahl der Gemeindeglieder verteilt werde. Zudem, fügte sie hinzu, seien „keine anderen, vorgerechneten Vorschläge gekommen“.

Damit spielte sie auf die Sparpotenziale an, die die Gruppe im Brief präsentiert hatte – ganz oben stand die Aufgabe des Regionalzentrums des Kirchenkreises. Hier sei sie anderer Auffassung, so Lenz-Aude – auch wenn dies nicht ausschlaggebend sei, denn die Entscheidung fälle die Synode. Das Zentrum würde die Arbeit der Landpastoren ergänzen und den Gemeinden helfend zur Seite stehen.

Auch die Befürchtung von Martina Braatz aus Toestrup, dass sich ein Pastor, der für 2400 Menschen zuständig ist, nicht um die Seelsorge kümmern könnte, teilte sie nicht. „Ich glaube, man arbeitet anders, nicht weniger empathisch oder mit weniger Bindung.“ Sie werde „riesengroße Probleme“ haben, das den Menschen an der Basis zu vermitteln, meinte Heinrich Nissen (Toestrup). Er sei „unheimlich traurig“ über die Entwicklung, sie sei „nicht christlich“.

Auf die abschließende Frage, was sie den 1400 Menschen sagen sollten, die unterschrieben haben, antwortete die Pröpstin: „Ihre Sorgen sind angekommen.“ Kirchenkreisrat und Synode würden den Inhalt diskutieren. „Aber ich kann nicht versprechen, dass er berücksichtigt wird“, betonte sie.

„Wir geben die Hoffnung nicht auf“, lautete das Fazit von Wolfram Lufft. Deshalb werde man auch weiter Unterschriften sammeln.

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