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Diakonie-Projekt : Paten geben jungen Flüchtlingen Halt

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Im Rahmen eines Diakonie-Projekts hilft Sybille Laturner dem Afghanen Farhad Gholami beim Lernen der deutschen Sprache. Zweimal in der Woche radelt der 25-Jährige aus Süderbrarup dafür nach Esgrus zu seiner Patin und Lehrerin.

Sybille Laturner sitzt im Rollstuhl, ist 64 Jahre alt und lebt in einer Pflegeeinrichtung in Esgrus. Farhad Gholami ist 25, stammt aus Afghanistan und wurde Anfang 2011 im Kreis Schleswig-Flensburg als Flüchtling aufgegriffen – zwei Menschen, die eigentlich nichts verbindet, wäre da nicht das Projekt Bildungspaten für junge Flüchtlinge und Migranten im Kreis Schleswig-Flensburg. Seit neun Monaten radelt Gholami bei Wind und Wetter zweimal in der Woche von Süderbrarup nach Esgrus, um mit Laturner Deutsch zu pauken. Eine Vokabel auf Dari, Gholamis Muttersprache, kann Laturner aber auch schon. „Khoda Hafes heißt auf Wiedersehen“, sagt die ausgebildete Lehrerin und lächelt.

Das Projekt Bildungspaten besteht seit knapp einem Jahr. „Aktuell existieren neun Patenschaften“, sagt Maike Hohmann vom Diakonischen Werk Schleswig-Flensburg. Über sie fanden auch Gholami und Laturner zueinander. „Paten machen Mut, schenken Zeit, nehmen ernst, fördern Talente und begleiten“, heißt es auf dem Flyer, der für das Projekt wirbt. Die Paten seien verschiedenen Alters, teilweise berufstätig oder Rentner. Sie bieten den jungen Migranten und Migrantinnen zwischen 18 und 25 Jahren Unterstützung, um ihre sprachlichen und beruflichen Ziele zu erreichen und sich leichter zu integrieren.

Neben Sprachunterricht kann diese Unterstützung auch in Form von Begleitung bei Hausaufgaben, in lebenspraktischen Angelegenheiten oder bei der Freizeitgestaltung stattfinden. So gebe einer der Paten seinem Schützling regelmäßig Lauftraining, ein Schleswiger Ehepaar unternehme Ausflüge mit seinem „Patenkind“, andere wiederum kochten miteinander. Wie oft und unter welcher Prämisse die Treffen stattfinden, sei völlig den Paten überlassen, sagt Hohmann, die betont, „dass einige Migranten auch sehr gut Deutsch sprechen. Sie brauchen andere Unterstützung, vielleicht nur eine Vertrauensperson.“

Laturner ist für Gholami zu so einer Vertrauensperson geworden. Ihr hat er von seiner Flucht aus seiner Heimatstadt Herat berichtet und von seinem Vater, den er seit acht Monaten nicht mehr gesprochen hat und von dem er nicht sicher weiß, ob er noch lebt. Ein Thema, das den jungen Mann aufwühlt, auch wenn es ihm hier, in seinem neuen Zuhause, gut geht. Zusammen mit seiner Frau Zhara, die mit ihm flüchtete und zurzeit am Berufsbildungszentrum in Schleswig Deutsch lernt, lebt er in Süderbrarup. Über seinen Job bei einem Kappelner Imbiss und seine Leidenschaft für Fußball hat er soziale Kontakte geknüpft. Und sein Deutsch wird stetig besser.

Dafür sorgt Laturner. 1997 erhielt sie die Diagnose Multiple Sklerose. „Der Kopf arbeitet noch gut, nur die Beine tun es nicht mehr“, sagt die frühere Pädagogin, die durch einen Zeitungsartikel auf die Möglichkeit einer Patenschaft aufmerksam wurde. Die Mutter von drei Kindern genießt die Besuche des jungen Afghanen. Sie helfen auch „gegen den größten Feind, die Langeweile“, sagt sie. Und wann immer sich die Möglichkeit ergibt, stattet sie einen Gegenbesuch ab. So führte der jüngste Familienausflug mit ihren beiden erwachsenen Söhnen in den Kappelner Imbiss, wo Farhad, der dort als Küchenhilfe arbeitet, dafür sorgte, dass alle satt wurden. Nur mit der Aufnahme einer Bestellung am Telefon klappt es noch nicht richtig. Daran arbeitet Gholami zusammen mit Laturner, die seinen Ehrgeiz anstachelt: „Du sprichst ausreichend Deutsch. Das muss aber gut werden. Dann klappt das auch am Telefon. Und das schaffst du auch.“

Die nächste Unterrichtseinheit heute Vormittag muss jedoch ausfallen. Dann fahren Gholami und Laturner zusammen ins Gericht nach Schleswig. Dort entscheidet sich, ob der 25-Jährige ein weiteres Jahr in Deutschland bleiben darf. Laturner, die in wenigen Tagen ihren 65. Geburtstag feiert, wünscht sich nichts sehnlicher: „Ich möchte, dass Farhad bleibt und dass wir weiter arbeiten können.“

 

> Infos zu einer ehrenamtlichen Patenschaft gibt Maike Hohmann unter Tel. 0 46 21/38 11 12 oder per E-Mail an m.hohmann@diakonie-slfl.de

 

 

 

 

 

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erstellt am 24.Okt.2013 | 07:45 Uhr

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