Schleswig : Partei-Plakate sorgen für Wirbel

Das wohl auffälligste FWS-Plakat hängt direkt über dem Haupteingang des Schleswiger Bahnhofs.
Das wohl auffälligste FWS-Plakat hängt direkt über dem Haupteingang des Schleswiger Bahnhofs.

Die Freien Wähler haben an vielen Stellen in Schleswig provokante Werbeschilder aufgehängt – das gefällt nicht jedem in der Stadt.

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03. März 2018, 07:00 Uhr

Sie sind kaum zu übersehen, die vielen Plakate, die die Freien Wähler Schleswig (FWS) in den vergangenen Wochen überall in der Stadt aufgehängt haben. Mehr als 20 sind es insgesamt. Manche hängen in der Schubystraße, andere in der Mathias-Claudius-Straße. Für das meiste Aufsehen aber sorgen wohl die Werbeschilder, die am Bauzaun an den Gleisen und vor allem direkt über dem Haupteingang des Bahnhofes hängen. „10 Jahre GroKo in Schleswig sind genug“ ist darauf unter anderem zu lesen. Und natürlich gefallen diese Botschaften nicht jedem in der Stadt.

Zumal der offizielle Termin für das Aufhängen von Plakaten für die anstehende Kommunalwahl im Mai erst der 25.   März ist. „Aber unsere Schilder hängen alle auf privatem Grund und Boden, da gilt diese Regel nicht“, sagt FWS-Ratsherr Arne Olaf Jöhnk. Dass den anderen Parteien diese Masche nicht gefalle, sei ihm bewusst. „Aber Politik ist ein Verdrängungswettbewerb, und wir wollen uns einfach noch sichtbarer präsentieren.“

Helge Lehmkuhl, Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes, findet das gar nicht lustig. Zwar wisse auch er, dass das Aufhängen der Plakate rechtens sei. „Aber das, was da draufsteht, halte ich für peinliche, billige Affekthascherei.“ Er hoffe, dass sich die Schleswiger nicht von den Bannern beeinflussen ließen. „Denn in den letzten fünf Jahren haben wir von den Freien Wählern doch gar nichts gehört. Herr Jöhnk war kaum in den Fachausschüssen, im Bauausschuss etwa kein einziges Mal. Jetzt vor der Wahl krakeelt er mit diesen Plakaten rum und tut so, als ob seine Partei wer weiß was für Schleswig machen würde.“ Johannes Thaysen von den Grünen schlägt in die selbe Kerbe. Die FWS betreibe mit den Plakaten Bauernfängerei und Schaumschlägerei, „dabei haben sie selbst keine Ideen und kaum Initiative gezeigt in den letzten Jahren. Es steht also nichts dahinter“, sagt er. Zudem halte er es für fragwürdig, dass Jöhnk sich mit dem umstrittenen Bahnhofsinvestor Hubert Herr einlasse, der nicht nur die FWS-Schilder aufhängen ließ, sondern auch im Internet offensiv gegen eine „Groko“ in Schleswig Stimmung macht.

Dabei gebe es diese de facto definitiv nicht, wie sowohl Thaysen und Lehmkuhl als auch SPD-Ratsherr und Bürgervorsteher Eckhard Haeger betonen. „Wir sind oft genug anderer Meinung als die SPD, allein schon beim Thema Theater“, betont Lehmkuhl. Jöhnk indes sieht in den „Groko“-Plakaten eher eine symbolische Anspielung. Dass es diese in Schleswig nicht wirklich gebe, wisse er selbst. „Aber es geht uns darum, die etablierten Parteien in Schleswig abzulösen. Und es ist Wahlkampf.“

Eine Niederlage mussten die FWS-Vertreter dann aber doch einstecken. Für eine Spende von 150 Euro an die Jugendabteilung durften sie zunächst ein Plakat an den Zaun des Sportplatzes vom VfR Schleswig hängen – bis die Stadt dies untersagte. Schließlich sei das Gelände in kommunaler Hand. Jöhnk und Co. reagierten, nahmen das Plakat ab – und fragten nach, ob sie es am Bahnhof aufhängen dürfen. Sie durften.

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