Schleswig : Parkhaus in der Warteschleife

Zukunft offen: Das Parkhaus im Schwarzen Weg.
Zukunft offen: Das Parkhaus im Schwarzen Weg.

Der Bauausschuss vertagt die Entscheidung über den Abriss und möchte nähere Informationen über die Kosten einer möglichen Sanierung.

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16. Mai 2018, 07:52 Uhr

Stadtplaner Kai Gieseler vom Kieler Ingenieurbüro IPP konnte nach fünf Minuten wieder nach Hause fahren. Er war angereist, um im Bauausschuss die verschiedenen Modelle für die Zukunft des Parkhaus-Geländes am Schwarzen Weg vorzustellen. Der Ausschuss sollte einen Grundsatzbeschluss zum Abriss des maroden Parkhauses treffen und damit den Weg frei machen für die weiteren Planungen zur Innenstadt-Sanierung. Doch dazu kam es nicht. Mit der Ein-Stimmen-Mehrheit von CDU und SSW wurde das Thema von der Tagesordnung gestrichen. „Es sind noch finanzielle Fragen offen“, begründete der SSW-Ortsvorsitzende Michael Ramm den Vorstoß. Außerdem wolle man abwarten, „was aus der IGL wird“. Damit spielte er an auf den jüngsten Vorstoß von Innenstadt-Kaufleuten der Interessengemeinschaft Ladenstraße (IGL), die sich vorstellen können, das Parkhaus in Eigenregie zu betreiben – und es zu sanieren anstatt abzureißen. Dabei war die Rede davon, diese Sanierung könne für 2,5 Millionen Euro möglich sein. Ingenieure im Auftrag der Stadtverwaltung gehen hingegen von einer rund doppelt so hohen Summe aus.

Wie diese Differenz zustande kommt, „das hätte ich in dieser Sitzung aufklären können“, beteuerte Bürgermeister Arthur Christiansen. Er hatte eindringlich an die Ausschuss-Mitglieder appelliert, das Thema nicht zu vertagen. „Ohne den Grundsatzbeschluss können wir nicht mit der Freiraumplanung für die Innenstadt-Sanierung beginnen. Auch die Hertie-Nachnutzung verschiebt sich.“ Bauamtsleiterin Manja Havenstein reagierte nach dem Beschluss konsterniert: „Ich bin entsetzt von dem, was hier passiert ist. Ohne Vorwarnung. Keiner hat mich angerufen, um zu fragen, wie wir weiter vorgehen können. Jetzt können wir Hertie abreißen – und das war’s.“ Das Problem aus Sicht der Stadtverwaltung: Für das Großprojekt Innenstadt-Sanierung soll ein Rahmenplan aufgestellt werden, der die verschiedenen Einzelvorhaben aufeinander abstimmt und miteinander verzahnt. Dazu zählen das Parkhaus und der ZOB ebenso wie Hertie, Stadtweg und Capitolplatz. Solange nicht entschieden ist, ob es zum Beispiel weiterhin eine Parkhaus-Zufahrt am Capitolplatz entlang geben soll, kann es kein komplettes Konzept für die Straßenführung in der Innenstadt geben. „Sie hätten doch wenigstens beraten können, bevor Sie entscheiden zu vertagen“, meinte Havenstein.

Die nächste Sitzung des Bauausschusses ist am 19. Juni – wenige Tage, bevor die neu gewählte Ratsversammlung erstmals zusammentritt. „Wir werden dann wieder genau dieselben Informationen vorlegen, die wir heute gehabt haben“, sagte der Bürgermeister. SSW-Frontmann Peter Clausen verteidigte das Vorgehen seiner Fraktion: „Wir sind doch auch für ein neues Parkhaus. Wir fühlen uns nur überfahren von der Information, dass eine Sanierung vielleicht auch für 2,5 Millionen Euro möglich ist.“

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