Schleswig : Parkhaus in der Innenstadt: Schönheitskur vor dem Abriss

Tristesse pur: Das marode Parkhaus soll nicht nur eine bessere Beleuchtung und frische Farbe bekommen, sondern auch die Bauzäune, die zurzeit die gesperrten Bereiche markieren, sollen mit Planen und Werbebannern verdeckt werden.
Tristesse pur: Das marode Parkhaus soll nicht nur eine bessere Beleuchtung und frische Farbe bekommen, sondern auch die Bauzäune, die zurzeit die gesperrten Bereiche markieren, sollen mit Planen und Werbebannern verdeckt werden.

Da neue Parkmöglichkeiten frühestens in drei Jahren kommen, soll das alte Gebäude optisch aufgewertet werden.

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11. Mai 2018, 07:00 Uhr

Wenn am kommenden Dienstag der Bauausschuss zum letzten Mal in seiner alten Besetzung zusammen tritt, dann steht noch einmal eines von Schleswigs größten Sorgenkindern im Mittelpunkt: das marode Parkhaus in der Innenstadt. In einem Grundsatzbeschluss, so hofft man im Rathaus, soll die Politik grünes Licht geben für einen Abriss des Gebäudes und damit die komplette Umgestaltung des Areal, zu dem auch die alte Feuerwache und der Zob gehört. Eigentlich eine klare Sache, blickt man auf die Diskussionen der vergangenen Monate zurück. Nun aber scheint plötzlich auch wieder eine Sanierung des Parkhauses eine Alternative zu sein.

Interessengemeinschaft erhöht Druck

Ins Rollen gebracht haben diesen Stein die Schleswiger Kaufleute, insbesondere einige Mitglieder der Interessengemeinschaft Ladenstraße (IGL). Diese sind mit Blick auf die ungewisse Situation rund um das Parkhaus, die voraussichtlich nicht vor 2022 gelöst wird, zusehends in Sorge und erhöhen nun entsprechend den Druck. Schließlich laufen ihre Geschäfte nur, wenn die Kunden wissen, dass sie ihren Wagen sicher und zentrumsnah abstellen können. „Das ist für die Ladenbetreiber immens wichtig. Untersuchungen haben ergeben, dass 63 Prozent der Kunden mit dem Auto in die Stadt kommen“, sagt IHK-Geschäftsstellenleiter Stefan Wesemann.

Weil sie aber nicht noch vier oder fünf weitere Jahre ins Land gehen lassen wollen, sind einige IGL-Mitglieder und Vertreter der Schleswig-Paten kürzlich in die Offensive gegangen und haben Politik und Verwaltung ein überraschendes Angebot gemacht: Demnach könne man es sich vorstellen, eine eigene Gesellschaft zu gründen, die das Parkhaus saniert und in Eigenregie betreibt. „Dass wir eine ganze Liste an Unterstützern für diese Idee haben, zeigt, wie wichtig der Wirtschaft dieses Thema ist“, sagt IGL-Vorsitzender Klaus-Peter Jeß. Zudem hätte eine statische Untersuchung ergeben, dass eine Sanierung des maroden Parkhauses Sinn machen könnte.

Plan zur Innenstadtsanierung steht fest

Bei der Stadt kommt die Initiative der Wirtschaft zwar gut an, wie Bürgermeister Arthur Christiansen versichert. Allerdings schränkt er auch ein: „Dieser Plan ist im Moment schwer umsetzbar, denn er passt nicht mit der Innenstadtsanierung zusammen.“ Der Grund: der dazugehörige Rahmenplan, der schon im Februar 2017 von der Ratsversammlung abgesegnet wurde, umfasst auch das Parkhausquartier. In diesem Zusammenhang habe das zuständige Innenministerium in Kiel bereits Fördergelder für den Abriss des Parkhauses, der Feuerwache und des Zob (insgesamt rund 650 000 Euro) bewilligt.

„Wenn wir jetzt wieder den Rahmenplan ändern wollen, dann müssten wir das ganze Verfahren in Kiel wieder von vorne aufrollen. Das würde die ganze Innenstadtsanierung zeitlich deutlich zurückwerfen“, sagt Christiansen. „Wenn wir nun das Parkhausquartier da rausnehmen, ist alles hinfällig. Das hätte auch Einfluss auf die Entwicklung des Hertie-Geländes“, meint der Bürgermeister und schlägt stattdessen einen Kompromiss vor.

Bis zum Abriss aufhübschen

So hoffe er weiter darauf, dass die Politik sich für einen Abriss des Gebäudeensembles entscheidet. Bis das aber in ein paar Jahren soweit ist, solle das alte Parkhaus so gut wie möglich „aufgehübscht“ werden. Unter anderem sollen Wände gestrichen werden, die Beleuchtung verbessert und die Bauzäune abgehängt werden. Ebenfalls könne man über eine neue Verkehrsführung und Ordnung nachdenken. „Etwa indem man Bereiche für Kurz- und Langzeitparker einrichtet.“ Da könne man mit überschaubaren Mitteln einiges erreichen, ohne dass Schleswig gleich im Schwarzbuch des Steuerzahlerbundes landet. Denn fest stehe, dass es zum Abriss keine Alternative gebe. „Eine Sanierung würde sich einfach nicht rechnen.“

Die CDU steht der Argumentation der Stadt kritisch gegenüber. Zwar wolle man die „große Lösung“ nicht kategorisch ausschließen. „Aber wir können uns auch gut das Modell, das die Wirtschaft vorgeschlagen hat, vorstellen“, sagt Ratsherr Helge Lehmkuhl und fragt: „Warum soll man nicht den Rahmenplan für die Innenstadtsanierung noch einmal ändern?“ Klaus-Peter Jeß von der IGL hofft indes, „dass kein weiterer politischer Streit angezettelt wird“. Darunter würden nicht nur die Geschäftsleute leiden, sondern ganz Schleswig. „Wichtig ist allein, dass wir jetzt eine gute Lösung finden.“

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