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BUND im Kreis Schleswig-Flensburg : „Paramilitärisch und illegal“: Naturschützer attackieren Jäger

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Bund für Umwelt und Naturschutz prangert gravierende Verstöße gegen das Jagdgesetz an. Der Kreisjägermeister wehrt sich: „Wir lassen uns nicht provozieren“.

Schleswig | Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) fährt schweres Geschütz gegen Jäger auf. Schwarze Schafe innerhalb der Jägerschaft sollen Wild über den Winter bewusst füttern, um noch mehr schießen zu können, illegal Fangkörbe gegen Habichte einsetzen, unsachgemäß mit Fallen umgehen und in „paramilitärisch anmutenden Gesellschaftsjagden“ Vögeln nachstellen, was „ethisch in keiner Weise vertretbar“ sei.

„Wir haben zwei Jahre mit der Veröffentlichung unserer Erfahrungen gewartet, um das Problem mit den Hegeringleitern und der Kreisjägerschaft zu klären“, erklärte Vorstandsmitglied Nils Sönnichsen, „diese aber sahen keine Veranlassung zum Handeln“. Sönnichsen betont, dass die Mehrzahl der Jäger ihrem Hobby verantwortungsvoll und reflektiert nachgehen, doch leider zu viele die Machenschaften der „Schwarzen Schafe“ duldeten, da sie Angst hätten, aus dem Verbund der Jäger ausgeschlossen oder diskriminiert zu werden.

Die Jäger halten ebenso vehement dagegen: „Wir kennen Herrn Sönnichsen zur Genüge. Er fühlt sich berufen, uns zu bevormunden, überhäuft die Jäger mit Anzeigen und wollte sogar eine Eingreiftruppe auf die Beine stellen, um Jäger zu kontrollieren“, sagt Kreisjägermeister Hans-Wilhelm Schlüter. „Dabei konnte bisher alles widerlegt werden, was er moniert hat. Nach Angaben von Schlüter hat eine Jagdgemeinschaft inzwischen Anzeige gegen Sönnichsen gestellt, weil dieser sich widerrechtlich an legalen Fallen zu schaffen gemacht habe. „Die Jäger haben die Nase voll und schlagen jetzt zurück“, so Schlüter.

Die Umwelt- und Naturschützer beschreiben, dass ihnen bei Exkursionen immer wieder diverse Verstöße gegen das Landesjagdgesetz auffallen. So würden zum Teil ganze Treckerladungen Mais und Rüben im Wald verklappt, um möglichst viele Tiere über den Winter zu bringen. So werde die natürliche Selektion umgangen. Der Grund nach Einschätzung des BUND: „Je mehr Wild durch den Winter kommt, desto mehr kann geschossen werden.“

Zudem wird unsachgemäße Fallenjagd angeprangert. Diese Art der Jagd ist in Schleswig-Holstein erlaubt – die Fallen müssen allerdings mit einer Registriernummer versehen und abgedunkelt sein, damit die gefangenen Tiere nicht in Panik geraten. Dies geschehe häufig nur unzureichend oder gar nicht, wirft Sönnichsen den Jägern vor.

Erlaubt ist zu gewissen Zeiten auch die Jagd auf Gänse und Saatkrähen. Sönnichsen prangert hier die Art und Weise an. Es gebe Jäger, so wird in der Pressemitteilung angedeutet, die in Gesellschaften zur „Steigerung von Lustgefühlen“ unterwegs seien.

Im Namen des Bundes für Umwelt und Naturschutz fordert Sönnichsen die Kreisjägerschaft auf, ein Konzept zu erstellen, um die Missstände zu beheben und künftigen Verstößen entgegenzutreten: „Die Jäger sind nach dem Jagdgesetz verpflichtet, sich selbst zu kontrollieren“, sagt er.

Und genau diese Formulierung möchte der Kreisjägermeister wörtlich genommen haben. „Das stimmt. Wir kontrollieren uns selbst – bis hin zum Ausschluss aus dem Verband bei Verstößen. Und wir brauchen niemanden, der das für uns erledigt“, erklärte Schlüter. Er wollte nicht dementieren, dass es unter den Jägern auch „Schwarze Schafe“ gebe, die sich nicht an die Regeln halten. „Aber darum müssen und werden wir uns selbst kümmern.“

Dass die Jäger die von Sönnichsen geforderte Kooperation verweigern, liegt nach Angaben der Beteiligten nicht zuletzt an der Person Sönnichsen, wie Lothar Reindel aus dem Vorstand der Kreisjägerschaft Schleswig bestätigt. „Es ist einfach schlechter Stil, alles und jeden zu verfolgen und anzuzeigen.“ Dennoch gibt es noch ein Angebot: Nils Sönnichsen soll eine Einladung zur erweiterten Vorstandssitzung der Kreisjägerschaft im Mai erhalten, um seine Vorwürfe zu belegen. Das nennt man dann wohl Showdown.

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erstellt am 11.Feb.2015 | 21:32 Uhr

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