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Schleswiger Nachrichten

23. November 2017 | 17:36 Uhr

Kropp : Pädagogen auf vier Pfoten

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Seit Februar leitet Lehrerin Gabi Orrù an der Geestlandschule ein neues Präventionsprojekt mit Hunden.

„Such!“ lautet das Kommando, auf das „Dimple“ gewartet hat: Mit der Nase am Boden erschnuppert die Hündin die Leckerlis, die die Schüler der Kropper Geestlandschule für sie versteckt haben. Der Nova Scotia Duck Tolling Retriever, kurz „Toller“ genannt, ist wie ihre vierbeinigen Kollegen „Versace“, „Bob“, „Stable“ und „Prada“ Schulbegleithund.

Ihre Besitzerin Gabi Orrù ist Lehrerin in Kropp und hat im Februar den Kurs „Prävention auf vier Pfoten“ ins Leben gerufen. Eltern, Lehrer und Schulleitung hätten sofort hinter dem Projekt gestanden, erzählt sie. In der hundegestützten Pädagogik, Kynopädagogik genannt, lernen Kinder und Hunde gemeinsam. Jeden Donnerstagnachmittag geht es zur Bewegung an die frische Luft. Unter Aufsicht der Sportlehrerin spielen die 16 Mädchen und Jungen mit den Hunden Memory, üben den artgerechten Umgang und laufen Slalom. So werden Motorik und Fitness der Kinder gefördert.

Doch der Lerneffekt geht weiter, denn die körperliche Nähe zu den Hunden entspannt, Schulängste und Aggressionen werden zugunsten eines positiven „Wir-Gefühls“ abgebaut. Die Viert- bis Siebtklässler, die sonst jede Chance nutzen, auf ihren Handys zu „zocken“, sind Feuer und Flamme für die Arbeit mit den Hunden. In der lebhaften Gruppe herrscht sofort Ruhe, wenn die Vierbeiner da sind.

Der Kurs sei die einzige Schnittstelle zwischen Grund- und weiterführender Schule, so Gabi Orrù, und fördere die Inklusion aller Kinder. „Mit den Hunden schafft man eine Bindung zu den Kindern und stößt in Bereiche vor, die ein Mensch allein nicht erreichen kann“, ist sie überzeugt und erzählt von „großen Jungs“, die kommen und mit den Tieren kuscheln.

„Jedes Kind hat eine Aufgabe“, erklärt sie. Eines füllt den Wassernapf, andere führen die Hunde in der Pause aus. Zudem helfen einige Achtklässler aus. „Ich wohne relativ weit weg von Kropp, daher nehme ich die Hunde morgens mit zur Schule“, so die Lehrerin. In ihrem Büro haben sie ihre eigene Ecke mit Hundekorb. „Dort haben sie ihre Ruhe“, sagt Orrù. Die Arbeit als Schulbegleithund ist anstrengend.

Daher haben ihre Hunde, die sie selber gezüchtet hat, eine lange Ausbildung hinter sich. Ihr Charakter wurde per Wesenstest geprüft und sie haben eine Begleithundeprüfung abgelegt. Gabi Orrù, die Tierpsychologie und tiergestützte Sozialarbeit studiert hat, achtet sehr darauf, ihre Hunde nicht zu überfordern. Nach einem arbeitsreichen Schultag folgt daher ein ruhiger Feierabend zu Hause in Grundhof.

Nach der Bewegung draußen werden die Kinder im Klassenzimmer kreativ – während „Dimple“ und „Versace“ auf dem Boden dösen. Kimberly und Sophie (beide 14) malen ein Spielbrett an. „Kommt man auf ein rotes Feld, muss man mit dem Hund eine Aufgabe machen, auf einem weißen nur der Hund“, erklärt Kimberly. Wer würfelt, wenn das Spiel fertig ist? „Der Hund“ erklärt Gabi Orrù.

Annike (13) hat sich ein Holzschild geschnappt und schreibt „Hundewerkstatt“ darauf – später steht es vor der Tür, die zu Gabi Orrùs Büro führt. Das Joggen oder Slalomlaufen mit den Hunden mache sie sehr gerne, sagt die Schülerin. Sie hat keinen eigenen Hund – die gleichaltrige Rosanna schon. Durch das Schulprojekt „weiß ich jetzt, was ich mit ihm machen kann“, meint sie. Das sei einer der zentralen Gedanken, so die Lehrerin: „Was die Kinder hier lernen, nehmen sie mit nach Hause.“ Auch, dass nicht immer alles sofort klappe – „wie bei einem selbst“. So musste „Dimple“ zweimal schnuppern, um alle Leckerlis zu finden.


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