DRK Lürschau löst sich auf : Ohne Vorsitzende kein Ortsverein

Zum Abschied überreichte die stellvertretende Vorsitzende Vera Davidsen (l.) Blumen an Marion Mannott.
Foto:
Zum Abschied überreichte die stellvertretende Vorsitzende Vera Davidsen (l.) Blumen an Marion Mannott.

Der DRK-Ortsverein Lürschau hat 106 Mitglieder – aber keine Zukunft mehr.

shz.de von
02. März 2017, 07:58 Uhr

Das war’s: Den DRK-Ortsverein Lürschau gibt es zwar seit 1963, am Mittwochabend beschlossen die anwesenden Mitglieder in ihrer Jahreshauptversammlung jedoch in nur 30 Minuten die Auflösung – es konnte niemand gefunden werden, der bereit ist, den Vorsitz zu übernehmen.

„Als ich meinen Rückzug verkündet habe, hätte ich niemals gedacht, dass das zur Auflösung des Vereins führen wird“, sagte Marion Mannott. Zwölf Jahre lang hat sie den Ortsverein geführt. Jetzt hat die 62-Jährige genug. Schon vor einem Jahr hat sie diese Entscheidung getroffen und war seitdem auf der Suche nach einer Nachfolgerin. „Ich höre auf, mich kann keiner überreden, weiterzumachen“, sagte sie noch kurz vor den anstehenden Wahlen. Wurde vorher fröhlich geklönt, sank die Stimmung im Gemeindezentrum jetzt merklich. Nur 37 von insgesamt 106 Mitgliedern waren anwesend – auch nach einem Appell von DRK-Kreisgeschäftsführer Kai Schmidt fand sich unter ihnen niemand, der den Vorsitz übernehmen wollte. „Wir könnten auch mit einer Doppel- oder Dreifachspitze weitermachen. Überlegen Sie es sich noch einmal“, startete Kai Schmidt Mittwochabend einen letzten Überzeugungsversuch – ohne Erfolg. Einstimmig beschlossen die Mitglieder die Auflösung.

„Das ist doch sehr traurig“, so reagierte Evelyn Freitag auf die Entscheidung. Die 68-Jährige ist seit elf Jahren Mitglied und kann nicht verstehen, dass niemand von den jüngeren Mitgliedern in die Bresche gesprungen ist. „Das ist ein großer Verlust für das Dorf.“ Sie werde vermutlich wie viele andere zum Ortsverein Schuby wechseln. Auch Kai Schmidt ist enttäuscht vom Ausgang der Versammlung. „Nach so einer Entscheidung ist die Sozialarbeit im Dorf gefährdet“, stellte er fest. So werde zum Beispiel der Besuchsdienst in Lürschau wegfallen. Zudem sei bisher unklar, ob und wer die anderen Angebote des DRK weiterführt. „Nur eines ist sicher. Der Spielenachmittag wird von der Gemeinde übernommen“, sagte Mannott.

Dass ein Ortsverein sich auflöst, sei trotz sinkenden Engagements auch im Kreisverband noch eine Seltenheit: „Ich bin seit 2010 Geschäftsführer, und das ist der erste Mal, dass das passiert ist“, sagte Schmidt. Einige Vereine hätten schon kurz davor gestanden, aber es sei immer eine Lösung gefunden worden. „Nach ergebnislosen Gesprächen mit dem Lürschauer Vorstand habe ich bis zuletzt gehofft, dass sich jemand aus der Versammlung heraus bereit erklärt.“

Auch wenn das Schicksal des Lürschauer Vereins bisher ein Einzelfall sei, müsse sich der DRK-Kreisverband darauf vorbereiten, dass es in Zukunft öfter dazu komme, so Schmidt. „Dieses Schicksal wird uns in den nächsten Jahren immer wieder ereilen“, ist er sich sicher. Zwar zähle der Kreisverband mit allen Ortsverbänden noch rund 9000 Mitglieder, „aber wir müssen um jedes kämpfen“. Das liege daran, dass die Bereitschaft für ein Ehrenamt merklich sinke. „Den Besuchsdienst wird es zum Beispiel langfristig nicht mehr geben, weil niemand nachwächst.“ Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, macht der Kreisverbands-Geschäftsführer sich schon Gedanken darüber, ob die Struktur sich eines Tages nicht ändern sollte. „Es ist fraglich, ob in jeder Gemeinde ein Ortsverein nötig ist.“ So könnten seiner Meinung nach größere Einheiten wie Bezirke entstehen.

Auch an die Politik hat er einen Vorschlag: „Vielleicht muss jemand mal das Vereinsrecht unter die Lupe nehmen und feststellen, ob wir wirklich so viele Vorstandsposten brauchen“, schlägt er vor.

Im Fall des Lürschauer Vereins kommen diese Vorschläge jedoch zu spät. Nachdem das Protokoll erstellt wurde, wird ein Anwalt die Löschung aus dem Vereinsregister beantragen. Erst dann ist Marion Mannott von ihren Pflichten entbunden. „Es sei denn, es gibt noch jemanden, der eine Nacht über die Entscheidung geschlafen hat und bereit ist, den Vorsitz zu übernehmen“, sagt Schmidt. Denn dann könnte man in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung die Entscheidung zurücknehmen.

zur Startseite

Kommentare

Leserkommentare anzeigen