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Kreis Schleswig-Flensburg : Ökostrom-Ausbau geht rasant voran

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Um den Strom aus regenerativen Energien aufzunehmen, sind auch in diesem Jahr Millioneninvestitionen in die Netze im Kreisgebiet notwendig. Der Kreis liefert längst mehr Ökostrom, als Energie verbraucht wird. Experten erwarten eine weitere Verdoppelung.

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erstellt am 02.Feb.2014 | 07:41 Uhr

Der Ausbau erneuerbarer Energien geht im Kreis mit großen Schritten voran. Ende Dezember speisten kreisweit mehr als 6200 Windkraft-, Biogas- und Photovoltaikanlagen Strom ins Netz der Schleswig-Holstein Netz AG (SH Netz) ein. Die erzeugte Leistung geht weit über den im Kreis verbrauchten Strom hinaus und entspricht mit 690 Megawatt der eines modernen Kohlekraftwerks. Nach Einschätzung von SH-Netz-Geschäftsführer Matthias Boxberger ist dies nur ein Zwischenschritt. Bei einer Bürgermeisterversammlung in Tarp prognostizierte er ein Wachstum auf bis zu 1570 Megawatt Leistung im Jahr 2020. Um diese Energiemengen abzutransportieren, seien weiterhin erhebliche Investitionen in die Netzinfrastruktur vonnöten, betonte er.

Bei diesem Ausbau kommt der SH Netz eine Schlüsselrolle zu. SH Netz ist ein Tochter-Unternehmen der Eon-Hanse, die sich ihrerseits derzeit zu einem reinen Netzbetreiber umstrukturiert. Im Zuge dessen werden die 110-KV-Hochspannungsleitungen von Eon-Netz auf die Schleswig-Holstein Netz AG übertragen, an der sich in den vergangenen Jahren rund 200 Gemeinden im Land, davon 26 im Kreis, beteiligt haben. Über diese Leitungen wird der Strom aus erneuerbaren Energien quasi bei den Anlagenbetreibern eingesammelt und dann auf die „Stromautobahn“ – das 220-, beziehungsweise 380-KV-Höchstspannungsnetz von Betreiber Tennet – geschickt. „Wir wollen den Weg dorthin abkürzen“, sagt Boxberger über die laufende Umstrukturierung.

Um die Strom- und Gasnetze im Kreisgebiet für die zunehmenden Herausforderungen fit zu machen, hat SH Netz im vergangenen Jahr 18,8 Millionen Euro investiert. Davon flossen nur 5,3 Millionen Euro in die Instandhaltung, 13,5 Millionen Euro wurden eingesetzt, um die Netze zu verstärken. In diesem Jahr, so Boxberger, werde eine vergleichbare Summe ausgegeben.

In diesem Winter werden noch rund 40 Kilometer Mittelspannungs-Freileitung abgebaut und durch neue Kabel im Boden ersetzt. Besonders kapitalintensiv sind die Investition in neue Umspannwerke. „Hier haben wir vor allem Weesby auf dem Zettel“, sagt Boxberger. Von dort soll der Anschluss an die 380-KV-Höchstspannungsleitung von Tennet erfolgen. Weitere Umspannwerke sollen in Kropp, Tarp und Schobüll ausgebaut beziehungsweise neu installiert werden. Insgesamt will SH Netz bis 2016 landesweit 13 Umspannwerke neu und 73 ausbauen.

Boxberger lobte ausdrücklich „das Engagement, mit dem die Landesregierung die Energiewende vorantreibt“. Der Eon-Hanse-Vorstandschef hält aber auch Verzögerungen für möglich, nicht unbedingt in Schleswig-Holstein, aber durchaus bei den Planverfahren für den Ausbau der Höchstspannungs-Trassen, die den Ökostrom aus dem Norden durch die ganze Republik in die industriellen Ballungszentren im Westen und Süden Deutschland transportieren sollen.

Derartige Probleme könnten sich durchaus zu einem Hemmschuh für die Energiewende in Deutschland auswachsen, der im Kreis Schleswig-Flensburg bereits heute eine große Bedeutung beigemessen wird. Boxberger: „Die Energiewende im Kreis hat nicht nur Kraftwerksgröße erreicht, sondern ist mit einer Auszahlung von rund 250 Millionen Euro an die Anlagenbetreiber längst zu einem wichtigen Einnahmefaktor geworden.“

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