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Bruno-Lorenzen-Schule : Oberstufen-Plan entzweit die SPD

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Bildungs-Arbeitskreis der SPD befürwortet Abitur-Angebot an der Bruno-Lorenzen-Schule. Die Schleswiger Ratsfraktion bleibt bei ihrem Nein.

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erstellt am 07.Nov.2014 | 07:48 Uhr

Immer deutlicher zeichnet sich ab, dass die Bruno-Lorenzen-Schule mit ihren Plänen scheitern wird, eine eigene Oberstufe einzurichten. Der entsprechende Antrag der Gemeinschaftsschule steht auf der Tagesordnung der Schulausschuss-Sitzung am 20. November. Voraussichtlich werden alle Fraktionen ihn ablehnen.

Innerhalb der SPD gibt es in dieser Frage jedoch unterschiedliche Auffassungen. Sozialdemokratische Bildungspolitiker aus den Kreisen Schleswig-Flensburg und Nordfriesland und der Stadt Flensburg haben sich jetzt in einer gemeinsamen Pressemitteilung für eine Gemeinschaftsschul-Oberstufe in Schleswig ausgesprochen und sich damit offen gegen die bisherige Position der Schleswiger SPD-Ratsfraktion gestellt. „Schleswig als Kreisstadt mit recht zentraler Lage braucht eine Gemeinschaftsschule mit eigener Oberstufe“, sagt Hans-Werner Johannsen, Chef der Arbeitsgemeinschaft für Bildungsfragen in der SPD. Als früherer Vorsitzender des Schulausschusses im Kreistag ist Johannsen noch immer eine einflussreiche Figur. Er wünscht sich eine Oberstufe als Anlaufstelle für fünf weitere Gemeinschaftsschulen in und um Schleswig. Die Bruno-Lorenzen-Schule könnte dann also Schüler nicht nur aus der Dannewerkschule und der Gallbergschule aufnehmen, sondern auch aus den Schulen in Böklund, Silberstedt und Kropp.

Mit diesem Grundgedanken kann sich der Schleswiger SPD-Ratsfraktionsvorsitzende Stephan Dose prinzipiell anfreunden. Den aktuellen Alleingang der Bruno-Lorenzen-Schule lehnt er jedoch ab. „Einen Sonderweg, der dann zu Lasten der anderen Schulen geht und diese sogar in ihrer Existenz gefährdet, können wir nicht mittragen“, sagt er. Zudem bezweifelt er, dass die aktuellen Schülerzahlen in Schleswig für eine weitere Oberstufe ausreichen. Derzeit kann man an vier Schulen in der Stadt das Abitur machen: an der Domschule, der Lornsenschule, der A.P.-Møller-Schule und am Berufsbildungszentrum.

Mit dem Hinweis auf diese zahlreichen anderen Möglichkeiten lehnt auch CDU-Fraktionschef Holger Ley die Pläne der Bruno-Lorenzen-Schule ab. Darin ist er sich inzwischen offenbar auch mit Bürgermeister Arthur Christiansen einig. Dieser hatte sich im Wahlkampf vor einem Jahr noch klar für eine zusätzliche Oberstufe ausgesprochen. „Die Schülerzahlen hier rechtfertigen diesen Schritt allemal“, sagte er auf einer Veranstaltung vor Schülern aus der Bruno-Lorenzen-Schule. Für eine Stellungnahme war er gestern nicht zu erreichen. Er besucht gerade Schleswigs französische Partnerstadt Mantes-la-Jolie. Über seine Verwaltung jedoch hat er dem Schulausschuss eine klare Empfehlung auf den Weg gegeben. Die Begründung der Schule sei zwar nachvollziehbar, heißt es darin, jedoch seien „die Auswirkungen für den gesamten Schulstandort Schleswig zu berücksichtigen“. Zwischen den Zeilen ist aus der Stellungnahme der Verwaltung die Furcht herauszulesen, dass kaum noch Eltern ihre Kinder an der Dannewerkschule oder der Gallbergschule anmelden würden, wenn eine andere Gemeinschaftsschule den direkten Weg zum Abitur anbietet.

Auch Schulrätin Sybille Pahlke ist gegen die Pläne der Bruno-Lorenzen-Schule. Sie setzt stattdessen auf Kooperationsvereinbarungen zwischen Gemeinschaftsschulen und Gymnasien. „Aufgrund des vorhandenen Bildungsangebotes und des demographischen Wandels wird die Einrichtung einer Sekundarstufe II an der Bruno-Lorenzen-Schule nicht befürwortet“, schreibt sie in einer Stellungnahme.

An der Bruno-Lorenzen-Schule will man dennoch weiter kämpfen. „Die Oberstufe wäre eine echte Alternative zu den Gymnasien, die vor allem den Spätentwicklern unter unseren Schülern zu Gute käme“, sagt Konrektor Bernd Nissen. Schulleiter Siegfried Puschmann möchte nun die Zusammenarbeit mit dem BBZ vertiefen, wenn die Pläne für eine eigene Oberstufe scheitern sollten. Die Wortmeldung seiner Parteifreunde von der SPD-Arbeitsgemeinschaft für Bildungsfragen nahm er mit Freude zur Kenntnis. Er macht kein Geheimnis daraus, dass er mit den AfB-Vertretern in regem Kontakt steht. Er selbst ist Vorsitzender des Schulausschusses im Kreis Nordfriesland.

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