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„Oberon Trio“ schwelgt in Überschwang und Poesie

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Musik aus drei Jahrhunderten, geschrieben für drei Instrumente (Klavier, Violine und Violoncello), gespielt von drei Musikern, die ihre Individualität auch in einem Trio bewahren können – das ließ auf ein interessantes Sonder-Konzert im Satruper Bernstorff-Forum schließen. Dass der Pianist Jonathan Aner darüber das Strahlen eines frischgebackenen Vaters legte, verlieh dem Ganzen noch einen besonderen Reiz.

Dem kam die expressive Komposition von C.Ph.E. Bach besonders entgegen. Jonathan Aner wirbelte im Überschwang der Gefühle behände über die Tasten des Flügels, die Streichinstrumente setzten nur noch ein paar farbige Akzente darunter. Auch Mendelssohn stellte das Klavier in den Mittelpunkt seines Trios op. 49, das vollkommene Verschmelzen mit den anderen Instrumenten war auch von ihm nicht gewollt.

Romantik pur stellte sich ein, in vier sehr unterschiedlichen Sätzen, Mendelssohns Taumel der Gefühle wurde vom „Oberon Trio“ sehr einfühlsam und kontrastreich umgesetzt. Kontrollierte Leidenschaft, sanft und explosiv, beseelt und zugleich zerrissen, mutierte im zweiten Satz zum Wiegenlied mit lieblichen Geigenklängen über zarten Cello-Pizzicati, das Klavier spielte einen dunkleren Gegenpart.

Im dritten Satz tollten die Elfen durch den Wald, Oberons Mittsommernachtsträume blitzten auf, leichtfüßig, koboldhaft. Der vierte Satz forderte viel von den Musikern, romantisches Pathos, lustvoll wild, dann wieder ins Pianissimo zurückfallend, ein ungestümer Tanz, der in einer rasanten Coda endete.

Ravel schuf mit seinem Klaviertrio ein trotz aller Vielfalt komplexes Werk, sehr dicht und technisch für alle drei Solisten höchst anspruchsvoll. Kulturelle Einflüsse aus aller Welt waren deutlich hörbar, teils in ungewöhnlichen Rhythmen, teils in exotischen Tonfolgen. Jonathan Aner brillierte hier durch eine suggestive Spielweise mit eruptiven Ausbrüchen, Henja Semmler setzte mit ihrer Violine Glanzlichter darauf und Antoaneta Emanuilova zeichnete mit ihrem Violoncello zart schwebende Bögen darüber, bevor noch einmal höchste Virtuosität erforderlich wurde. Das „Oberon Trio“ überzeugte das Publikum durch Transparenz, Poesie, aber auch beinahe orchestrale Klangfülle. Bravo!


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