zur Navigation springen

Marodes Bauwerk : Nur noch zwei Fahrspuren auf der Hasselholmer Problembrücke

vom

Auf der 375 Meter langen Hasselholmer Brücke in Schleswig ist das passiert, was künftig auch auf anderen Brücken im Norden Alltag werden könnte: Teilsperrungen oder Tempolimits.

Das Wetter passt zum Zustand der Brücken in Schleswig-Holstein. Grau. Karl-Heinz Roos vom Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr (LBV) Schleswig-Holstein aus Flensburg zieht die Jacke dicht um den Körper als er auf die Hasselholmer Brücke in Schleswig tritt. „Wir mussten hier handeln, weil wir die Lebensdauer der Brücke verlängern wollten“, sagt der 62-Jährige in den Regen hinein. Auf der 375 Meter langen Stahlbrücke ist deswegen das passiert, was künftig auch auf anderen Brücken im Norden Alltag werden könnte: Teilsperrungen oder Tempolimits. Denn seit 2011 rechnet der LBV nach und nach alle Brücken, die schon erste Ermüdungserscheinungen zeigen, nach. Deutschlandweit werden im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums 1263 Bauwerke an Autobahnen und 929 an Bundesstraßen geprüft. In Schleswig-Holstein werden 37 Brücken an Bundesstraßen gecheckt, 16 an Autobahnen, die ersten Ergebnisse liegen vor.

„Wir hoffen, dass wir den normalen Verkehr mit einigen Einschränkungen über die Brücken weiterlaufen lassen können“, sagt LBV-Direktor Torsten Conradt. „Allerdings bekommen wir ein Problem bei den Schwertransporten.“ Denn viele Brücken halten den Belastungen nicht mehr lange stand – wie etwa die Rader Hochbrücke, die für schwere Transporte gesperrt ist. Durch die Nachrechnungen soll klar werden, wie lange eine Brücke noch hält. Bei der Hasselholmer Brücke hofft Karl-Heinz Roos, dass sich durch die Umleitung des Verkehrs auf die mittleren Streifen die Lebensdauer um mindestens zehn Jahre verlängert. Noch sei sie sicher.

„Jede Brücke ist anders“, sagt Karl-Heinz Roos. Aber die Probleme an den Brücken, die meist Ende der 60er oder Anfang der 70er Jahre gebaut wurden, sind ähnlich. Der LBV teilt den Zustand der Brücken in sechs Kategorien ein. Bei den Brücken an und über Autobahnen sind 283 von 606 in den unteren drei angesiedelt, bei den Bundesstraßen liegen 256 von 502 unter dem Strich. „Die Brücken waren damals nicht auf die Belastungen durch den heutigen Verkehr ausgelegt“, sagt Roos. Jetzt rechnen Statiker am Computer nach, dazu gibt es alle paar Jahre Sichtprüfungen. Meist bleiben am Ende immer nur drei Lösungen: „Brücke entlasten, verstärken oder neu bauen“, sagt Roos. Meist beginnen die Planer mit den ersten beiden Maßnahmen, aber es werden auch Neubauten nötig, etwa am Kreuz von der A 21 auf die A1 oder an der A1 bei Lübeck. Die Kosten dafür trägt der Bund, aber die Nachrechnung finanziert zunächst das Land. „Bislang haben wir für unsere Maßnahmen immer noch genügend Geld bekommen“, sagt Roos.

Bei der Hasselholmer Brücke hat er Glück, denn sie ist nicht sehr stark befahren, weil sie bei ihrem Bau 1967 zu groß geplant worden ist. Jetzt rollt der Lkw-Verkehr hauptsächlich über die A7, trotzdem hält die Brücke wohl nur noch 20 Jahre. Für die Autofahrer bedeutet die Teilsperrung kaum Einschränkungen, anders könnte es aber schon ein paar Meter weiter aussehen. „Die Gottorfer Brücke ist eine Problembrücke“, sagt Roos und zieht die Nase kraus. Die Nachrechnungen laufen noch, aber Roos ahnt nichts Gutes: „Die ist schon verstärkt worden. Es kann sein, dass wir um einen Neubau nicht herumkommen.“ Es gebe aber noch eine Lösung: „Wir reißen einfach ab und bauen am Boden wieder eine Kreuzung.“ Die Wolken über Schleswig sind da schon wieder etwas grauer geworden.

zur Startseite

von
erstellt am 22.Okt.2014 | 11:08 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen