Maroder Ochsenweg : Nur noch für die Ochsentour geeignet

Slalomkurs:  Bei Kropp ist der Spaziergang auf dem Ochsenweg kein Vergnügen – und für Radfahrer ist die Strecke unzumutbar.
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Slalomkurs: Bei Kropp ist der Spaziergang auf dem Ochsenweg kein Vergnügen – und für Radfahrer ist die Strecke unzumutbar.

Der historische Handelsweg wurde mit Millionen-Aufwand zu einer Touristenattraktion – jetzt fühlt sich für die Pflege niemand mehr zuständig

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26. März 2017, 08:36 Uhr

Die beiden Walkerinnen nehmen es mit Humor: „Wir müssen hier Slalom laufen. Aber vielleicht bekommen wir ja eine Medaille dafür.“ Wahrscheinlich nicht. Dabei es ist schon eine Leistung und ein kleines Abenteuer, seinen Sport auf dem historischen Ochsenweg bei Kropp zu absolvieren. Die breite Sandpiste besteht hier fast ausschließlich aus riesigen Schlaglöchern, die zurzeit zu allem Überfluss auch noch mit Wasser gefüllt sind. Ein Spaß ist es nicht, hier zu wandern oder zu walken. Auch die Slalomstrecke um die kleinen Seen herum ist alles andere als angenehm – hier matscht es doch schon gewaltig. Aber zu Fuß ist der Weg immerhin zu bewältigen. Dass der Ochsenweg auch als Fahrradroute angeboten wird, scheint bei einem Blick auf die Kraterlandschaft absurd.

„Radfahren geht nicht“, sagt Hans-Eckhard Knuth, „hier braucht man schon einen Geländewagen.“ Der 80-Jährige wohnt seit mehr als 40 Jahren zusammen mit seiner Frau in einer historischen Kate direkt am Ochsenweg. Er hat die Zeit erlebt, als die Strecke mit Millionenaufwand vermessen, verbreitert und beschildert wurde, um Wanderer, Pilger und Radfahrer anzulocken. Gasthäuser klinkten sich ein, es entstanden die bekannten Hörnerplätze, Kunst wurde am Rande des Weges platziert und sogar ein Museum war geplant. Das Geld schien in den 1990-er Jahren nur so vom Himmel zu fallen.

Inzwischen ist alles ganz anders. Die Fördertöpfe sind längst leer, die Kreise haben ihre Unterstützung eingestellt, nur die Tourismusvereine werben noch unverdrossen für die historische Trasse. Allerdings ist auch ihnen nicht verborgen geblieben, dass ihr Produkt mächtig an Qualität verloren hat. „Die Pflege ist ein ganz wunder Punkt. Es ist leider so, dass wir den Weg zurzeit nicht mit vollem Elan und Begeisterung anbieten können“, sagt Marianne Budach, Geschäftsführerin und Marketing-Verantwortliche bei der Touristik-Organisation „Grünes Binnenland“ in Tarp.

Hans-Eckhard Knuth ärgert sich über die Verwahrlosung des Weges.
Gero Trittmaack
Hans-Eckhard Knuth ärgert sich über die Verwahrlosung des Weges.
 

Die Verantwortung für die Pflege liege inzwischen bei den jeweiligen Gemeinden, sagt sie. Das sei sogar in den Förderbedingungen festgeschrieben gewesen. Der Haken an der Sache: Die zwölfjährige Frist ist längst abgelaufen. Also gibt es keine Verpflichtung mehr, jedenfalls keine rechtlich relevante. „Das läuft sehr unterschiedlich ab“, weiß Marianne Budach. In einigen Gemeinden wird der Weg mehr gepflegt, in anderen wenig oder gar nicht. Das ist offenbar auch eine Frage des Geldes. „Das kann ich mit meinem Bauhof schlicht und einfach nicht leisten“, sagt Kropps Bürgermeister Stefan Ploog.

Buchungen gibt es nach Auskunft von Marianne Budach immer noch einige – und nur wenige Beschwerden. Aber der Tourismus-Expertin ist auch klar, dass das nicht so bleiben wird, wenn es keine Lösung für das Problem gibt – wer will schon einen Fahrradurlaub, wenn immer wieder Strecken gesperrt oder nicht passierbar sind?

Einen Ansatz gab es schon einmal vor einigen Jahren. Damals gab es den Plan, dass sich alle Gemeinden und Ämter vertraglich verpflichten, sich mit einem Geldbetrag an der Instandhaltung der Strecke zu beteiligen. „Einige haben unterschrieben, andere nicht“, erinnert sich Budach, „und damit war das Vorhaben geplatzt.“ Aber nur so kann es ihrer Meinung nach gehen. Das Problem: Niemand fühlt sich so recht zuständig, die Sache in die Hand zu nehmen. Und weil das Geld in den Gemeinden knapp ist, weiß zudem niemand, ob die Bereitschaft inzwischen gestiegen ist, den Ochsenweg zu retten. Eine Lösung des Problems sieht auch Marianne Budach nicht. „Aber immerhin wissen wir jetzt, dass es auf Teilen der Strecke erhebliche Probleme gibt und können die Urlauber darauf hinweisen.“

Hans-Eckhard Knuth sieht das nicht so gelassen. Er steht vor einigen verwitterten Schildern, blickt auf den zerstörten Weg und brummelt: „Vielleicht sollte man Abenteuerreisen hierher anbieten.“

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