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ADFC-Fahrradklimatest : Note Vier für Schleswigs Radwege

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Stadt schneidet bei bundesweiter Umfrage zur Fahrradfreundlichkeit schlecht ab. Neues Verkehrskonzept soll Verbesserungen bringen.

von
erstellt am 21.Feb.2015 | 07:06 Uhr

„Fahrradfreundlichkeit hebt das Image einer Stadt, macht sie attraktiv als Wirtschaftsstandort, für Neubürger und Touristen. Gute Fahrradinfrastruktur schafft Anreize, auch mit dem Rad zur Arbeit oder zum Einkaufen zu fahren. Das bringt Vorteile für die Gesundheit und Zufriedenheit der Menschen – und es entlastet die Stadt von Lärm und verstopften Straßen.“ All das, was der Bundesvorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) hier in so blumigen Worten ausführt, trifft auf Schleswig nicht zu. Das zumindest geht aus dem Fahrradklima-Test 2014 hervor, den der ADFC jetzt veröffentlicht hat.

Dort landet Schleswig nämlich im bundesweiten Städte-Ranking (Städte unter 50  000 Einwohner) auf einem bescheidenen Platz 231 – von insgesamt 291. Das bedeutet, in Schulnoten ausgedrückt, eine glatte Vier. Mit Bargteheide (232), Rendsburg (239), Wedel (274) und Eutin (277) landeten landesweit nur vier Städte auf noch schlechteren Plätzen als Schleswig. Zum bereits sechsten Mal konnten Radfahrer bewerten, wie fahrradfreundlich ihre Stadt oder Gemeinde ist. Rund 100  000 Menschen haben an der Umfrage teilgenommen. Insgesamt haben 468 Städte und Gemeinden die Mindestteilnehmerzahl erreicht und konnten so in die offizielle Wertung kommen. Aus Schleswig konnte der ADFC insgesamt 61 Bewertungen registrieren. Und die bemängeln in erster Linie, dass die Stadt das Radfahren zu wenig schmackhaft mache und gleichzeitig zu wenig fördere.

„Dieses Ergebnis wundert mich überhaupt nicht“, sagt Holger Groth, Vorsitzender des Radsportvereins Schleswig. „Ich fühle mich immer unsicher, wenn ich mit dem Fahrrad durch die Stadt fahre. Da frage ich mich jedes Mal, wie es wohl Kindern und Jugendlichen dabei geht“, sagt er. Zu wenige und oftmals zu enge Radwege kritisiert Groth ebenso wie mangelhafte Abstellplätze, etwa am Bahnhof. „Die Probleme ziehen sich durchs ganze Stadtgebiet. Da muss dringend was gemacht werden“, fordert er.

Das weiß auch Axel Warnke, Sachgebietsleiter im städtischen Bauamt. „Dass wir bei den Radwegen große Defizite haben, ist uns bewusst“, sagt er und fügt an: „Aber wir sind an dem Thema dran.“ Tatsächlich erstellt ein Arbeitskreis zurzeit ein neues Verkehrskonzept für Schleswig, bei dem die Verbesserung der Radwegesituation eine zentrale Rolle spielt (wir berichteten). Dazu wurden für rund 60  000 Euro auch die Dienste eines Hamburger Verkehrsplaners eingekauft, dessen Radwege-Check bereits im vergangenen Jahr mit der Bewertung Ungenügend ausfiel. „An vielen Stellen wird man in der Stadt als Radfahrer allein gelassen. Da gibt es Situationen, die sind schwer nachvollziehbar“, räumt Warnke ein.

Ein Beispiel dafür findet sich in der Bismarckstraße. Mit den dort jeweils links und rechts markierten Schutzstreifen gilt sie innerhalb des Stadtgebietes eigentlich als vorbildlich. Fährt man als Radfahrer aber bergab, wundert man sich, dass die Markierung direkt hinter der Fußgängerampel am Stadtweg plötzlich endet. Auf der Plessenstraße muss man sich dann in den Autoverkehr einreihen. Ähnlich skurril ist die Situation am Stadtfeld. Dort muss man, aus der Innenstadt kommend, plötzlich auf die linke Seite wechseln, wenn man denn weiter vorschriftsmäßig auf Radwegen unterwegs sein möchte.

Bis zum Sommer wollen Warnke und der „Arbeitskreis Verkehrskonzept“ ihren Abschlussbericht erstellen. „Wir möchten das so schnell wie möglich machen, damit wir noch Haushaltsmittel für eine Umsetzung erster Maßnahmen im Jahr 2016 beantragen können“, sagt er. Aber: „Ich würde jetzt auch nicht so weit gehen und sagen, dass man in Schleswig überhaupt nicht vernünftig Radfahren kann. Aber es muss etwas gemacht werden. Das steht fest.“

Holger Groth hätte da gleich einige Vorschläge: „Mehr markierte Fahrstreifen, gerne auch mit roter Farbe unterlegt und eine Fahrradgarage am Parkhaus und am Bahnhof. Das wäre doch was für die ganzen Bus- und Bahnpendler.“

> Mehr zum Fahrradklima-Test auf www.adfc.de

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