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Schwerer Unfall bei Wohlde : Notarzt erst nach 30 Minuten am Unfallort

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Zwei Schwerverletzte forderte an ersten Weihnachtsabend ein Frontalzusammenstoß bei Wohlde (Kreis Schleswig-Flensburg). Die Rettung verzögerte sich, weil die Nachbargemeinden keinen Landeplatz für Rettungshubschrauber bereitstellen.

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erstellt am 27.Dez.2015 | 19:46 Uhr

Zwei Schwerverletzte forderte ein Verkehrsunfall am ersten Weihnachtsabend auf der Landesstraße 39 bei Wohlde. Der Einsatz der Rettungskräfte gestaltete sich schwierig, weil die Landemöglichkeiten für den Rettungshubschrauber in der Region rar und zudem Gegenstand politischer Unstimmigkeiten sind.

Um 20.27 Uhr war ein 19-Jähriger kurz hinter dem Ortsausgangsschild von Wohlde in Richtung Dörpstedt mit seinem Ford Mondeo aus bislang ungeklärten Umständen, aber nach Zeugenaussagen wohl unter Alkoholeinfluss, in den Gegenverkehr geraten und frontal in einen entgegenkommenden Skoda Oktavia geprallt. Dessen 62-jährige Fahrerin hatte keine Chance zum Ausweichen: Der Aufprall war derart gewaltig, dass ihr Fahrzeug gut 30 Meter auf ein anschließendes Grundstück katapultiert wurde und eine Hausmauer rammte.

Ersthelfer, die durch den lauten Knall aufmerksam geworden waren, eilten an die Unfallstelle zur Erstversorgung und und erhielten ausdrückliches Lob durch die DRK-Rettungsassistenten, die wenig später ebenfalls eintrafen.

Der alarmierte Notarzt aus Rendsburg allerdings konnte zunächst nicht mit dem Rettungshubschrauber einfliegen, denn die einzige Landestelle in der Region – der Sportplatz in Norderstapel – war von der Gemeinde aus der verbindlichen Liste der Rettungsleitstelle gelöscht worden. Der Notarzt entschied sich kurzerhand zur Anfahrt im Rettungswagen. Dadurch trat eine Verzögerung ein, so dass er ganze 30 Minuten brauchte , bis er vor Ort sein konnte.

Wegen der schweren Verletzungen des jungen Fahrers ließ der Notarzt den Rettungshubschrauber zur Unfallstelle „nachrücken“. Damit setzte er sich bewusst über die Streichung des Hubschrauberlandeplatzes in Norderstapel hinweg. Nach der Versorgung vor Ort wurde der lebensgefährlich verletzte Autofahrer mit dem Hubschrauber in die Uni-Klinik Kiel verlegt.

Dafür musste er zunächst mit dem Rettungswagen ins acht Kilometer entfernte Norderstapel gebracht werden. Dass er nicht in Wohlde landen konnte, liegt daran, dass Rettungshubschrauber bei Dunkelheit – wie am Tag – in Deutschland generell auf Sicht fliegen. Zur Landung ist also eine ausgeleuchtete Landestelle notwendig. Dabei kooperieren die Luftretter mit den örtlichen Feuerwehren. So auch in Norderstapel, wo der Rettungshubschrauber auf ärztliche Weisung und unter Hilfestellung der Feuerwehr, aber gegen die Vorgaben der Kommunalpolitik in Norder- und Süderstapel gelandet war.

Dieses Vorgehen ist mittlerweile zu einem Politikum geworden und hat die Gemüter in den Gemeinden hochkochen lassen. Auch im aktuellen Fall fielen vor Ort kritische Worte in Bezug auf das Verhalten der Gemeindevertreter. Die Bevölkerung bringe kein Verständnis mehr dafür auf, hieß es.

Ohnehin wird die gesetzliche Hilfsfrist von zwölf Minuten teils deutlich überschritten, wenn der in Norderstapel stationierte Rettungswagen im Einsatz ist. Dann haben die Retter der umliegenden Wachen (Kropp, Husum, Heide, Rendsburg) eine lange Anfahrtzeit. Die schwer verletzte Fahrerin wurde mit dem Kropper Rettungswagen ins Schleswiger Krankenhaus gebracht.

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