Pilzbefall in Haithabu : Not-Sanierung im Wikinger-Museum

Das Wikingermuseum am Ufer des Haddebyer Noors mit seinen markanten Dächern, die der Form von Schiffsrümpfen nachempfunden sind.
Das Wikingermuseum am Ufer des Haddebyer Noors mit seinen markanten Dächern, die der Form von Schiffsrümpfen nachempfunden sind.

Tragende Balken müssen dringend erneuert werden. Die Ausstellung wird dafür möglicherweise für ein Jahr gesperrt. Kosten: 3,4 Millionen Euro.

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09. Juli 2015, 07:01 Uhr

Geld für Krippenkinder, für die Polizei – und für die Sanierung des Wikinger-Museums. Mit diesem Versprechen gingen die Kieler Koalitionsspitzen am Dienstag an die Öffentlichkeit. Die Nachricht von der Millionen-Investition für Haithabu kam dabei für viele überraschend, ist das Museum doch erst vor fünf Jahren komplett umgestaltet worden. Für den Aufbau der neuen Dauerausstellung war das Haus ein halbes Jahr lang geschlossen.

Diesmal könnte die Unterbrechung sogar noch länger dauern, sagt Guido Wendt, der kaufmännische Vorstand der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen. Möglicherweise fällt die gesamte Saison 2017 aus. Entschieden ist das noch nicht. Jedenfalls wird es eine große Herausforderung, die Ausstellungsstücke – von den Runensteinen bis zum teilweise rekonstruierten Langschiff – zu schützen. „Die Sicherheit der Besucher und der archäologischen Fundstücke hat absoluten Vorrang“, betont Wendt. Er rechnet damit, dass die Sanierungsarbeiten Ende des kommenden Jahres beginnen.

Warum wurde nicht schon saniert, als das Museum 2010 ohnehin umgebaut wurde und unter anderem der Innenhof ein Dach bekam? Wendt: „Damals war von dem Schaden noch nichts bekannt.“ Erst vor wenigen Monaten haben Fachleute eine alarmierende Entdeckung gemacht: Ein Pilz zerfrisst von innen die Balken, die das rund 30 Jahre alte Gebäude tragen. „Wenn wir nichts unternehmen, bekommen wir in zwei Jahren ein Problem mit der Statik“, sagt Wendt. Die Sanierung soll 3,4 Millionen Euro kosten. Der Kieler Koalitionsausschuss hat jetzt signalisiert, die Kosten zu übernehmen, so dass der ohnehin angespannte Etat der Landesmuseen nicht weiter belastet wird.

„Für uns ist das ein Befreiungsschlag“, sagt Wendt, der jetzt außerdem den seit langem angekündigten Neubau einer Ausstellungshalle im Freiluftmuseum in Molfsee in Angriff nehmen kann, denn auch dafür will die Koalition das Geld jetzt zur Verfügung stellen.

Das Wikinger-Museum hat jährlich bis zu 150000 Besucher. In dieser Zahl enthalten sind auch die Besucher der nachgebauten Wikingerhäuser innerhalb des Halbkreiswalls von Haithabu. Dort beginnt heute der alljährliche Sommermarkt, auf dem Händler und Handwerker den historischen Handelsplatz bis Sonntag wieder zum Leben erwecken.

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