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Schleswiger Nachrichten

15. Dezember 2017 | 16:47 Uhr

Loit : Nostalgische Getreideernte

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Sie funktionieren noch immer: Mit ihren alten Maschinen ernten die Loiter Oldtimerfreunde Roggen und Weizen.

Das Mähbinden an der ehemaligen Gastwirtschaft Loitstraße hatte fast den Charakter eines Volksfestes. Etwa 50 Zuschauer waren auf Einladung des Oldtimerclubs Loit gekommen, um diese alte Form der Getreideernte mitzuerleben. Landwirt Jürgen Peter Quast hatte den Oldtimerfreunden etwa 3000 Quadratmeter Triticale – eine Kreuzung aus Roggen und Weizen – für diesen Zweck stehen lassen. Sie waren eigentlich für die Biogasanlage vorgesehen. Für einen Mähdrescher moderner Bauart wäre die Aufgabe in wenigen Minuten erledigt gewesen. Die alten Maschinen brauchten dazu über zwei Stunden.
„Das ist eben Nostalgie pur und kommt gut an bei Menschen, die ein kleines bisschen Ahnung davon haben“, erklärte der Vereinsvorsitzende Manfred Steenbuck.

Er thronte auf dem Fahrersitz vom Simplex-Mähbinder, der den Mittelpunkt des Geschehens bildete. Besitzer Ludwig Nissen aus Arup fuhr den Trecker, der den 1962 in Großenwiehe gebauten Binder zog und über eine Kurbelwelle antrieb. Steenbuck hatte die Aufgabe des Aufpassers, der „Stopp“ brüllen musste, wenn das Korn nicht glatt in die Maschine lief oder nicht richtig gebunden wurde. Und das passierte am Anfang sehr oft. „Die Maschine stand sehr viel und ist ein bisschen eingerostet“, meinte Nissen. Es sei nicht viel Technik dran. Aber das müsse gut aufeinander abgestimmt sein. Insbesondere der Knoter würde gerne Schwierigkeiten machen. Steenbuck führte die Störungen auf die Garnstärke zurück, die heute nicht mehr üblich ist.

Die Zuschauer machten aktiv mit, liefen neben dem Gespann her und kommentierten die Bemühungen der Piloten. Sie legten auch mit Hand an, als der nächste Arbeitsschritt anstand: das Aufhocken der Garben.

Coach dieser Aufgabe war Ernst Diederichsen aus Brebelholz. „Als Kind musste man mithelfen und hat sich eine Menge dabei abgeguckt“, verriet er. Er zeigte den „jungen“ Landwirten, wo man die Garbe am besten anfasst und dann zu zwei Paaren aufstellt. Dabei ist das „Schocken“ der wichtigste Teil, bei dem man die Ähren so ineinander drückt, dass sie sich fest verhaken. „Die Garben müssen so lange stehen bleiben, bis das Stroh reif ist“, erklärte er. Zu lange dürfe es aber nicht stehen bleiben, da sonst die Körner keimten und sich ineinander verwurzeln könnten. Dann seien sie kaum noch zu trennen.

In einer Sache konnten seine jungen Kollegen aber nicht zu ihm aufschließen. Denn Diederichsen kann bei missglückten Garben diese mit einem selbst gedrehten Strohband ohne weitere Hilfsmittel nachträglich zusammenbinden.

Am Ende der Veranstaltung bot das Feld einen Anblick, den man heute nur noch selten sieht. In langen Reihen stehen die Kornhocken auf dem Feld. Wenn sie lange genug getrocknet haben, werden die Oldtimerfreunde sie einlagern und zur Oldtimer-Landmaschinenschau in Loit am Sonntag, 27. September, wieder hervorholen. Denn dann werden sie in einer der größten Dreschmaschinen Deutschlands gedroschen.

Zweiter Star der nostalgischen Getreideernte war ein Mähdrescher der ersten Stunde. Klaus Richter aus Süderbrarup hatte den „MF 30“ aus dem Jahre 1964 mit Getriebeschaden gekauft und gemeinsam mit einer Landmaschinenfirma wieder funktionsfähig gemacht. „Zu seiner Zeit war sie das Topmodell“, beschreibt er die Erntemaschine mit einer Schnittbreite von 1,75 Meter. Und die alte Dame bewährte sich nach 30 Jahren Stillstandszeit mit Bravour. „Sie hat nämlich heute Premiere“, verrät Richter. Und die Zuschauer wussten manche Anekdote beizusteuern. So wird die Maschine mit einem 25-PS VW-Motor angetrieben. Das hielt einige Landwirte vom Kauf ab, da sie nicht mit Diesel lief, für den man die Steuerrückerstattung bekam. Auch konnte das Gerät diesmal nicht mit voller Geschwindigkeit fahren, da sich die Getreidearten geändert haben. „Für den alten Mähdrescher ist die neue Halmstärke reine Knochenarbeit“, meinte Diederichsen. Aber er schaffte seine Aufgabe und lieferte die Körner ab, die jetzt als Entenfutter dienen. Das Stroh wird später von einer Presse aufgenommen und eingelagert.

Richter hat bereits mit einer neuen Aufgabe begonnen. Er restauriert einen Anhängerpflug, aus dem Jahr 1950 und freut sich darauf, beim nächsten Oldtimerpflügen mitmachen zu können.

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