Schleswig : Nordzucker-Gelände: „Still ruht der See“

Wo jetzt Gras wächst, stand bis 2004 die Zuckerfabrik . Davor der Stadtteil auf der Freiheit.
Wo jetzt Gras wächst, stand bis 2004 die Zuckerfabrik . Davor der Stadtteil auf der Freiheit.

Seit 2004 liegt die Fläche am Schleiufer brach – eine Nachnutzung ist aber nicht in Sicht. Jetzt schlägt die Zukunftswerkstatt einen Tausch gegen das Theater-Areal vor.

von
24. Juli 2015, 00:00 Uhr

Und wieder ist ein Jahr vergangen, ohne dass sich etwas getan hat. Im Gegenteil: „Still ruht der See“, fasst Bürgermeister Arthur Christiansen den aktuellen Planungsstand für die Nachnutzung des Nordzucker-Geländes zusammen. Dabei waren beide Seiten, sowohl das Unternehmen als auch die Stadt, noch optimistisch, als man im Juli 2014 zusammensaß, um das weitere Vorgehen auf dem rund 40 Hektar großen Areal nordöstlich der Freiheit zu besprechen. Seitdem jedoch scheint man keinen Schritt weiter gekommen zu sein.

Wie bereits vor einem Jahr hat nun die Initiative Zukunftswerkstatt einen Versuch gestartet, den Stein wieder ins Rollen zu bringen. Auf ihre Einladung hin kam Jörn Egert, Manager und Leiter der Immobilienabteilung bei der Nordzucker AG in Braunschweig, jetzt nach Schleswig. Gute Nachrichten allerdings hatte er nicht im Gepäck. „Ich werde zwar bis September noch mehrere Gespräche hier in der Stadt zu diesem Thema führen. Aber es ist weiterhin schwierig“, sagte er mit Blick auf das bereits 2004 leer geräumte Gelände. Zwar habe das Unternehmen weiterhin großes Interesse an der Entwicklung und der Vermarktung der Fläche, und man wolle sich auch weiterhin für das Wohl der Stadt Schleswig einbringen. „Noch haben wir den Traum nicht aufgegeben. Denn da steckt von unserer Seite aus viel Herzblut drin.“ Gleichzeitig betonte Egert aber auch, dass sich die europäische Zuckerindustrie zurzeit in einer „schwierigen Phase“ befinde. So sei auch in seinem Unternehmen ein Sparkurs ausgerufen worden.

Dabei hatten die Vertreter der Zukunftswerkstatt – Prof. Rainer Winkler, Marlies Jensen-Leier und Steffen Hempel – in der Nordzucker AG einen starken Investor gesehen, der Schleswig vielleicht auch an anderer Stelle weiterhelfen könnte. So hatte Winkler die Idee, dass der zweitgrößte Zuckerkonzern Europas sein Areal an der Schlei mit der Stadt gegen das Theater-Grundstück am Lollfuß tauschen könnte. Dort wiederum könnte das Unternehmen dann die Federführung für die weitere Entwicklung übernehmen: den Bau einer Stadthalle („in der man sowohl Theaterstücke aufführen als auch Kongresse abhalten kann“) mit angedocktem Hotelkomplex als Hauptmieter. „Damit würden wir verhindern, dass das Grundstück am Lollfuß nicht an irgendeinen Investor veräußert wird, der dort eine Wohnbebauung vornimmt, während der Erlös in der Stadtkasse verdampft“, erklärte Jensen-Leier, die gleichzeitig betonte, dass „an dieser exponierten Stelle“ möglichst schnell eine Stadthalle entstehen müsse, die allen Schleswiger Bürgern zugute kommen würde – und deren Bau gleichzeitig als Initialzündung für die weitere Entwicklung der Stadt angesehen werden könnte.

Jörn Egert, erstmals mit dieser Idee konfrontiert, äußerte sich dazu nur verhalten. Er werde den Vorschlag zwar gerne mit nach Braunschweig in die Konzernzentrale nehmen. „Große Hoffnung kann ich Ihnen aber nicht machen.“ Gleichzeitig deute er an, dass die schwierigen Verhandlungen in der Vergangenheit mit der Stadt und insbesondere den politischen Gremien viel Kraft gekostet hätten. Nachdem Nordzucker 2004 Schleswig verließ habe man versprochen, dort keine Industriebrache stehen zu lassen. „Daran haben wir uns gehalten. Gleichzeitig hat man uns schnelles Baurecht versprochen“, erinnert er sich. Passiert sei das jedoch nicht. Im Gegenteil: Die Politik sprach sich dafür aus, dass man zunächst das Gebiet auf der Freiheit erschließen wollte, ehe es auf dem Zuckerfabrik-Gelände weitergehen könne. Inzwischen aber hat sich die Stimmungslage geändert, auch weil der Stadtteil auf der Freiheit deutlich langsamer vorankommt als vor zehn Jahren erhofft. Dennoch sagt Egert: „Man braucht einen Masterplan für die Entwicklung des gesamten Gebietes. Denn kein Investor kommt irgendwo hin, wenn er weiß, dass ihm ein jahrelanger Kampf bevorsteht.“

Bürgermeister Christiansen hingegen betont auf Nachfrage, dass man als Stadt auf Privatgrundstücken nicht in Vorleistung treten könne. Gleichzeitig sagt er aber auch: „Meine Tür steht offen. Ich warte auf Vorschläge.“ Die Idee, auf dem Zuckerfabrik-Gelände ein Angebot im Bereich Gesundheits-Tourismus entstehen zu lassen, halte er weiterhin für gut.

Marlies Jensen-Leier indes hofft, dass die Schleswiger Bürger künftig mehr Einfluss nehmen auf große Bauprojekte (insbesondere mit Blick auf das Theatergelände). Das erfolgreiche Bürgerbegehren gegen die Baupläne auf dem Gelände der Schmid-Villa an der Plessenstraße habe deutlich gezeigt, „dass in unserer Stadt eine ernstzunehmende weitere Säule der Demokratie entstanden ist“.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen