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Neue Ausstellung auf Schloss gottorf : Noldes verschollener Bilder-Schatz

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte zeigt in der Reithalle die Südsee-Bilder des Expressionisten.

Am 7. August jährt sich der Geburtstag von Emil Nolde (1867-1956) zum 150. Mal, und der Norden erweist dem Maler seine Referenz. In einem Ausstellungsverbund mit der Nolde-Stiftung in Seebüll präsentieren acht Museen von Ahrenshoop bis Tondern Facetten aus dem Werk des Künstlers. Das Landesmuseum Schloss Gottorf darf da nicht fehlen. „Nolde in der Südsee“ heißt die umfassende Schau in der Reithalle, die erweitert wird durch Arbeiten der Sammlung Rolf Horn.

1913/14 waren Emil Nolde und seine Frau Ada Mitglieder einer „Medizinisch-demographischen Neuguinea-Expedition“ des Deutschen Reiches. Ziel der Expedition war die Erforschung der Epidemien, die in den deutschen Kolonien wüteten. Knapp zwölf Monate dauerte die Reise. Sie erfüllte dem Maler den lang gehegten Traum, mit der vermeintlich unberührten Natur der Südsee und den dort lebenden Menschen in Kontakt zu treten. Schon daheim in Berlin leidenschaftlich an den „Resten einer Urvolkskultur“ interessiert, hatte Nolde während der Tour den Auftrag, die Bevölkerung vor Ort mit Pinsel und Malstift zu dokumentieren. Damals entstanden neben 19 Gemälden zahlreiche Aquarelle, Pastelle und Zeichnungen. Nolde schickte sie 1914 separat auf dem Schiffsweg Richtung Heimat, glaubte sie wegen des Kriegsausbruchs jedoch verloren. Erst 1921 tauchten die Bilder samt seinem Gepäck in Plymouth wieder auf – „ein wahrer Schatz“, so Ausstellungskuratorin Uta Kuhl. Insgesamt 160 Werke hat sie von Seebüll nach Schleswig gebracht, darunter 35 Arbeiten auf Papier, die bisher öffentlich nie gezeigt wurden.

Wie überhaupt eine derartige Fülle von Nolde-Werken dem Publikum im Norden bislang nie geboten wurde. Christian Ring, Leiter der Nolde-Stiftung, hatte die Pforten seines Depots weit geöffnet und zeigt sich angesichts der gelungenen Präsentation in Gottorf begeistert. „Ich wollte schon lange eine Ausstellung zum Thema Südsee zu machen, doch in Seebüll fehlt dazu der Raum.“

Der Rundgang in der Reithalle beginnt mit einer riesigen Übersichtskarte von der Reiseroute, die von Berlin über Moskau, Korea, Japan, Hongkong und schließlich über die Philippinen nach Deutsch-Neuguinea führte. Schon während der letzten Etappen lässt der damals 46-jährige Nolde keine Gelegenheit aus, seine Eindrücke zu skizzieren, tuscht filigrane Dschunken auf Papier, hält Momentaufnahmen von Müttern und Kindern am Strand im Aquarell fest – Impressionen, die durch ihre Spontaneität und die Unmittelbarkeit des Ausdrucks bestechen. Da die Eingeborenen annahmen, dass über sie Macht hätte, wer ein Bild von ihnen macht, war Noldes Arbeit nicht immer ganz ungefährlich, was seiner Begeisterung indes kaum Abbruch tat. Beeindruckt von der Natürlichkeit der Menschen, porträtiert er sie als Einzelpersönlichkeiten, geschmückt mit Blumen im Haar. „Rassische“ Merkmale spielen hier keine Rolle. „Sicher ist eines“, schreibt er: „Wir weißen Europäer sind das Unheil der farbigen Naturvölker“ – eine erstaunlich kritische, hellsichtige Einschätzung des Kolonialismus im Hinblick auf die einheimische Bevölkerung. Zitate wie dieses flankieren mit kurzen Texten die Bilder und liefern aufschlussreiche Ergänzung zu den Exponaten.

Neben den Porträts sind Landschaften ein Thema. Da wölbt sich ein glutroter Abendhimmel über grün schimmerndem Meer, Wolken verdichten sich zu orangefarbenen Gebirgen: Nolde, wie man ihn kennt. „Der ganze Reichtum des während dieser Reise sehend Erlebten bleibt einem für immer“, schreibt er. Uta Kuhl formuliert es griffiger: „Das Erlebnis der Südsee und ihrer Farben hat Noldes Kunst nachhaltig geprägt.“

Ein Audioguide, produziert mit der Unterstützung der Sparkassen in Schleswig-Holstein, ermöglicht ein Eintauchen in die Erlebniswelt Südsee aus Sicht von Ada und Emil Nolde. Die Hörführung ist im Eintrittspreis enthalten.



Ausstellungsdauer: 8 .Mai bis 3. September. Mo-Fr, 10-17 Uhr, Sa+So 10-18 Uhr.
Infos unter www.schloss-gottorf.de und www.nolde-im-norden.de

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