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Erstaufnahmelager in Eggebek : Noch ist nicht alles bereit für die Flüchtlinge

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Zu Besuch in der neuen Einrichtung für Flüchtlinge in Eggebek: Die Elektrik funktioniert nicht, Möbel und Kücheneinrichtung fehlen.

Was hat Eggebeks Bürgermeister Willy Toft in den vergangenen Wochen und Monaten über die Landesregierung geschimpft. Seit feststand, dass in seinem Dorf eine Erstaufnahme für Flüchtlinge eingerichtet wird, änderten sich die Ansagen aus Kiel fast im Wochentakt. Toft fühlte sich nicht ausreichend und zu spät informiert, machte sich Sorgen um die Dorfgemeinschaft und reagierte entsprechend gereizt. Gestern aber war alles wieder gut. Beim Besuch von Innenminister Stefan Studt in dem noch leeren Containerdorf herrschte beste Stimmung. Studt ließ sich die kargen Wohnräume und die Büros zeigen, fachsimpelte über den richtigen Untergrund zwischen den Containern und lobte die Eggebeker dafür, dass die Stimmung angesichts der erwarteten Menschen im Dorf so positiv sei. Diese Worte fielen bei Toft auf fruchtbaren Boden. „Alles in Ordnung zwischen uns“, sagte der Bürgermeister.

Ganz so rosig wie beim Ministerbesuch dargestellt ist die Lage in Eggebek allerdings in der Realität nicht. Darauf wies die Einrichtungsleiterin Kirsten Jessen vom Landesamt für Ausländerangelegenheiten hin. Am 4. Januar werden die ersten Busse mit Asylbewerbern Eggebek ansteuern. Noch aber ist die Anlage, in der bis zu 1000 Menschen vorübergehend wohnen sollen, nicht bezugsfertig. Die Elektrik funktioniert noch nicht, in Büros fehlen noch Möbel, die Kantine ist zwar mit Tischen und Stühlen für mehr als 300 Menschen ausgestattet, aber Gerätschaften für den Caterer fehlen noch.

„Einiges wird sicher über die Festtage eingerichtet, aber ich würde mir doch wünschen, dass die Busse nicht schon am 4. Januar anrollen. Wir können gut noch zwei oder drei Tage als Puffer gebrauchen“, sagte Kirsten Jessen. Der Innenminister tat den Wunsch gelassen ab. „Es werden ja nicht gleich 500 Leute kommen“, beruhigte er.

Formal war Stefan Studt damit auch auf der sicheren Seite – schließlich hat die technische Abnahme der Einrichtung bereits am vergangenen Sonnabend stattgefunden. Die allerdings ist nicht viel Wert – denn es war niemand in Eggebek, um sich mit eigenen Augen davon zu überzeugen, dass das Containerdorf auch wirklich bezugsfertig ist. Die Abnahme erfolgte von einem fernen Schreibtisch aus. Dennoch bietet die Einrichtung in Eggebek wesentlich mehr Komfort als viele andere im Lande. „Wenn ich dies hier mit Kiel und Lübeck vergleiche, sehe ich schon deutliche Unterschiede“, urteilte Studt.

Im Gespräch mit Kirsten Jessen erfuhr Landrat Wolfgang Buschmann, dass viele Ersteinrichtungen im Lande zurzeit nicht ausgelastet sind. Buschmann sucht händeringend nach Unterkünften für unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge. Ob nicht auf dem Gelände Platz sei. Jessen winkte zumindest nicht gleich ab und versprach, Ausschau zu halten. Sie wies allerdings darauf hin. die die Jugendlichen einen gesonderten Bereich bräuchten und beispielsweise auch nicht mit den Flüchtlingen in der Erstaufnahme essen dürften.

Am 4. Januar werden sich alle Mitarbeiter der Erstaufnahme zu einer Besprechung treffen: Polizei, Sicherheitsdienst, die Betreuer des Deutschen Roten Kreuzes, Mitarbeiter des Landesamtes und viele mehr. Ob sie noch am selben Tag die ersten Flüchtlinge begrüßen können, ist noch nicht ganz sicher. Fest steht allerdings, dass sie länger zusammenarbeiten werden als ursprünglich geplant. Eigentlich sollte die Einrichtung in Eggebek nur so lange bestehen, bis auf dem Campus in Flensburg eine feste Erstaufnahme fertiggestellt ist. Das sollte im Herbst 2016 der Fall sein. Der Bau auf dem Gelände der Universität aber ist gescheitert (wir berichteten) und zwei angebotene Bundeswehrgelände erwiesen sich als zu klein, wie Studt gestern erklärte. „Wir sind weiter auf der Suche“, sagte der Innenminister.“ Und so lange bleibt Eggebek erste Wahl.

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erstellt am 23.Dez.2015 | 18:20 Uhr

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