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Schleswig : „Nicht zuständig gibt’s hier nicht“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ein Jahr Jugendberufsagentur in Schleswig: Schluss mit dem Behördenmarathon – Komplett-Beratung für Jugendliche unter einem Dach.

von
erstellt am 09.Nov.2017 | 14:37 Uhr

„Behördenhopping“ heißt der Begriff lapidar, der viele Jugendlichen am Übergang zwischen Schule und Beruf scheitern lässt. Gemeint ist die Situation von jungen Menschen zwischen 14 und 25 Jahren, deren Lebensweg nicht geradlinig verlaufen ist, und die in Schwierigkeiten geraten sind – junge Frauen, die früh Mutter geworden sind, Heranwachsende, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind, sich mit ihren Eltern überworfen haben, die Schule abbrechen mussten, mittellos sind oder einfach nicht mehr wissen, wie es in ihren Leben weitergehen soll.

Sie alle haben selbst dann noch ein Problem, wenn die sich hilfesuchend an eine Behörde wenden. Egal, ob sie sich an die Agentur für Arbeit, das Jugendamt oder das Jobcenter wenden – meist kann keine dieser Behörden allein helfen. Dann muss ein nächster Termin vereinbart werden – eine weitere Hürde, die immer wieder dazu führt, so die Praktiker, dass junge Leute in der Zwischenzeit aufgeben.

Im Schleswiger Berufsbildungszentrum kamen nun Menschen zusammen, die seit einem Jahr daran arbeiten, dass niemand mehr verloren geht. Das Projekt Jugendberufsagentur feierte ein kleines Jubiläum – mit Schnittchen und vielen Lobesreden auf die eigene Arbeit, aber auch mit Forderungen an die Weiterentwicklung in der Zukunft.

Die Idee hinter der neuen Beratungsstrategie ergibt sich auch aus den Problemen der Vergangenheit: Im Gebäude des Berufsbildungszentrums in Schleswig wurde die Jugendberufsagentur eingerichtet – und zu den Öffnungszeiten (siehe unten) sind von allen relevanten Behörden Ansprechpartner anwesend: Jobcenter (SGB II), Jugendhilfe, Agentur für Arbeit, BBZ und Schulamt. Die Räume wirken nicht wie ein Behördenbüro, am Einfang werden die Jugendlichen empfangen und dem richtigen Gesprächspartner vermittelt. Gibt es dann Überschneidungen mit anderen Bereichen, kann der Kollege aus dem entsprechenden Bereich auf Zuruf hinzukommen. „Wir bleiben so lange dran, bis der Hilfesuchende in die richtigen Hände gekommen ist“, fasste Stephan Asmussen zusammen, der Fachbereichsleiter Regionale Integration beim Kreis Schleswig-Flensburg.

Im Behördendeutsch heißt das „rechtskreisübergreifende Beratung“ – und das bedeutet, dass hier alle Behörden unter einem Dach zusammenarbeiten. Mit dem selben Ziel, keinen Jugendlichen verloren zu geben. In ihrer Zusammenfassung des ersten Arbeitsjahres ziehen die Koordinatorinnen Iris Panten-Reetz und Alexandra Florek ein positives Fazit: Der Standort Schleswig hat sich etabliert, es gibt ein verlässliches Angebot, alle Mitarbeiter verstehen sich als ein Team. Die Antwort „Wir sind nicht zuständig“, erhält niemand, der um Hilfe bittet. Die Öffnungszeiten (montags, dienstags und donnerstags 8 bis 15 Uhr, mittwochs 8 bis 17 und freitags 8 bis 12 Uhr) haben sich als sinnvoll erwiesen. Im abgelaufenen Jahr wurden in 402 Gesprächen 271 junge Menschen beraten, die meisten waren zwischen 16 und 18 Jahre alt. Und in mehr als der Hälfte aller Fälle konnte ein Kollege aus einem anderen „Rechtskreis“ helfen.

Aber während der kleinen Jubiläumsfeier wurde auch deutlich, dass die Entwicklung der Jugendberufsagentur noch längst nicht beendet ist. Die Tatsache, dass fast alle Beratungsgespräche mit Jugendlichen aus Schleswig und Umgebung geführt wurden, zeigt einerseits, dass der Standort in der Tat etabliert ist – andererseits ist allerdings auch klar, dass es auch in Kappeln, Süderbrarup, Kropp und Tarp Jugendliche mit Beratungsbedarf gibt. Und so wurde zwischen Gratulationen und Erfrischungsgetränken eifrig über weitere Standorte und andere Möglichkeiten diskutiert, mit denen das noch relativ neue Angebot noch weitere Kreise ziehen könnte.

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