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Junge Hauswirtschafterin : „Nicht nur für Muttis und Landfrauen“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Beruf der Hauswirtschafterin wirkt auf viele Menschen angestaubt – Lica Dischereit erzählt, warum er es nicht ist. Sie hat sich darin ausbilden lassen.

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erstellt am 04.Okt.2013 | 18:00 Uhr

Die 22-jährige Lica Dischereit ist müde geworden, sich gegen die immer gleichen Vorurteile zu verteidigen: „Du bist ja nur Putzfrau, Köchin, Waschfrau.“ Solche kurzsichtigen Bemerkungen enttäuschen sie. „Da steckt viel mehr hinter“, sagt die frisch gebackene Hauswirtschafterin. Das verstaubte Klischee, das ihrem Berufsstand anhängt, gefällt ihr nicht und wird ihrer Tätigkeit auch nicht gerecht, findet sie. Das liege aber daran, dass die Leute nicht wüssten, was es mit diesem Job auf sich hat.

Ihr selbst ging es vor drei Jahren nicht anders: Nach dem Hauptschulabschluss und dem Realschulabschluss am Schleswiger BBZ fing Dischereit mit einer Lehre zur Bürokauffrau an. Noch in der Probezeit brach sie ab: „Für andere ist das vielleicht was, aber für mich war das zu langweilig.“ Durch eine Maßnahme vom Arbeitsamt schnupperte sie als Praktikantin in verschiedene Berufszweige hinein. Dabei stolperte sie über eine Ausschreibung für Hauswirtschafter. „Das habe ich erst einmal gegoogelt“, erzählt sie. Nachdem sie verstanden hatte, worum es ging, absolvierte sie ein Praktikum und merkte schnell, ihren Wunschberuf gefunden zu haben. „Mein Vater reagierte ganz altmodisch: ,Du wirst ja nur eine gute Hausfrau’, aber dann habe ich so davon geschwärmt, dass ich meine Eltern überzeugt habe.“

In den vergangenen drei Jahren lernte Dischereit unter anderem die Tätigkeiten, die die meisten der Hauswirtschaft zuschreiben würden: kochen, putzen, waschen. Aber so leicht lässt sich das Berufsfeld der Hauswirtschafter nicht umschreiben. Viel mehr fußt es auf drei Säulen: der Versorgung, der Pflege und der Vermarktung. Was heißt das genau? Dischereit hat für ihre praktische Abschlussprüfung ein Mittagessen für 120 Personen kochen und servieren müssen, lernte in ihrer Ausbildung aber auch, Räume und Textilien zu reinigen und zu pflegen, kennt sich mit Vorratshaltung und Warenwirtschaft aus, kann Menschen betreuen, pflegen, motivieren und beschäftigen – sei es in Kindertagesstätten, sozialen Einrichtungen, Hotels oder privaten Haushalten.

„Ich arbeite gern mit alten Menschen“, sagt sie und ist deshalb nach ihrer Ausbildung im Sanatorium Dr. Schulze in Uelsby nun wieder in diesem Bereich tätig, im Alten- und Pflegeheim Ahlefeldshof in Jübek. Dort hatte sie einen guten Start: „Ich wurde nett im Team aufgenommen und lerne noch viel dazu, was den Umgang mit den Geräten oder das Kochen mit verschiedener frischer Ware angeht.“ Dort ist sie ausschließlich in der Küche tätig, „da kann ich am kreativsten sein“. Dass sie in ihrer Ausbildung auch die anderen Disziplinen kennen gelernt hat, gefällt ihr gut. „Die ganze Ausbildung ist total vielseitig und spannend, ich stehe voll dahinter.“ Auch der Zukunft dieses Berufs sieht sie optimistisch entgegen. „Der Trend zur Hauswirtschaft kommt bald wieder“, ist sie überzeugt. Helfen würde vielleicht, dem Kind einen neuen Namen zu geben. Diesen Vorschlag hatte Dischereit auf einer Messe gehört und stimmt vollkommen zu: „Ein neuer Name, der junge Menschen anspricht, wäre hilfreich.“ Um Nachwuchs für die Hauswirtschaft möchte sie sich aber auch selbst bemühen: Sie kann sich gut vorstellen, in einigen Jahren als Ausbilderin selbst junge Menschen an den Beruf heranzuführen. Das Zeug dafür scheint sie allemal zu haben. Mit sehr guten Leistungen in ihren Abschlussprüfungen ist Lica Dischereit zweitbeste Auszubildende bei den Hauswirtschaftern im Zuständigkeitsbereich der Industrie- und Handelskammer Flensburg geworden.

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