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DRK Schleswig : Nicht hingucken, wenn die Nadel sticht

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Seit 26 Jahren spendet Christian Dietrichsen regelmäßig Blut – und trifft dabei nur selten auf Menschen, die jünger sind als er.

Es gibt Dienste in unserer Gesellschaft, die nicht bezahlt werden, aber unverzichtbar sind für unser Zusammenleben. Die einen kennen dabei als Ärzte keine Grenzen und andere beim Spenden von Blut – so wie Christian Diedrichsen. Jetzt machte sich der Mittvierziger zum 90. Mal in seinem Leben auf den Weg zum Roten Kreuz im Schwarzen Weg, um einen halben Liter Blut zu spenden. Einen solchen Aderlass können Männer sechs Mal und Frauen vier Mal im Jahr vornehmen lassen. Das Problem: Die Wenigstens tun dies. „Ich komme fünfmal im Jahr hierher und ich sehe nie einen 18- oder 19-Jährigen“, bemerkt Diedrichsen. Und tatsächlich: Als er den gelb-gestrichenen Raum mit der breiten Fensterfront und den acht Liegen betritt, ist gerade mal eine besetzt – mit einem Mann seines Alters.

Bevor es so weit ist, muss Diedrichsen bei der Anmeldung Personalausweis und Spendeausweis vorzeigen. Auf dem auszufüllenden Bogen muss sich Diedrichsen für gesund erklären und in Form eines Barcode-Stickers sein Einverständnis zur Verwendung des Blutes auf den Bogen kleben. Im Untersuchungsraum wird der Blutdruck gemessen und der Eisenwert per Bluttest an der Fingerkuppe ermittelt. Dieser gibt Rückschluss auf die vorhandene Menge von roten Blutkörperchen und damit auf die Gesamtblutmenge im Körper. Alles in Ordnung bei Diedrichsen – trotz einer kurzen Schrecksekunde und einer nochmaligen Blutentnahme. Auch so etwas kommt vor.

„Hingucken kann ich da nicht. Ich bin froh, wenn die Nadel rein und wieder raus ist“, gibt ein nach außen entspannt wirkender Diedrichsen, der auf einer der roten Liegen Platz gefunden hat, zu. Nach knapp über fünf Minuten ist der Balken auf der digitalen Waage voll. „Der schönste Moment!“ Sichtbare Erleichterung – auch nach über 90 Blutspenden.

Angefangen hat alles 1989 als Diedrichsen mit seinem Bruder an der Gallbergschule vorbeilief und das Schild „Heute Blutspende“ sah. „Aus Neugier“ machte er mit und blieb dabei. Viele ältere Leute tun dies aus Tradition und Gewohnheit. Darin liege aber das Problem, wie Susanne von Rabenau, Pressesprecherin des Blutspendedienstes, betont: Diese Menschen seien zunehmend nicht mehr spendefähig – aber gleichzeitig selber vermehrt auf Blutspenden angewiesen. Die Folgen des demographische Wandels sind auch bei der Versorgung mit Bluttransfusionen zu spüren. Da will das DRK gegensteuern – zum Beispiel mit Infoständen an Berufsschulen und Universitäten.

Nach getaner Arbeit freute sich Diedrichsen auf das reichhaltige Kaltbuffet. Für ihn ist der 28. Oktober die nächstmögliche Gelegenheit Blut zu spenden. Die entsprechende Notiz hängt schon an seinem Kühlschrank.

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