VHS-Kurs "Parken für Frauen" : Nicht denken, einfach machen

Mit dem Spiegel fährt Frau besser:  Ulla Brosowski hält sich an die Tipps  von  Fahrlehrer Andreas Luber und hat damit Erfolg beim Rangieren.
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Mit dem Spiegel fährt Frau besser: Ulla Brosowski hält sich an die Tipps von Fahrlehrer Andreas Luber und hat damit Erfolg beim Rangieren.

Beim VHS-Kurs Parken für Frauen fühlten sich die Teilnehmerinnen nicht diskriminiert, sondern freuten sich, dass das Rückwärtsfahren mit Anhänger für sie nun kein Problem mehr ist.

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18. März 2014, 07:45 Uhr

Vor diesem besonderen Kurs der Amtsvolkshochschule Kropp-Stapelholm hatte es Proteste gehagelt – mit dem Angebot „Crash-Kurs – Parken für Frauen“ wurde der VHS und der Gleichstellungsbeauftragten eine gewisse frauenfeindliche Diskriminierung vorgehalten. „Alles Quatsch“, meinen die zehn Teilnehmerinnen und sind sich beim Start einig: „Niemand von uns fühlt sich hier diskriminiert!“

Die gestandenen Frauen, allesamt im besten Alter, beweisen Stärke, indem sie sich selbstbewusst ihrer Schwäche stellten. „Es geht darum, die eigenen Fähigkeiten zu festigen“, sagt VHS-Leiterin Angela Becker. Mit einem Pferdeanhänger im Schlepptau eines unbekannten Fahrzeuges rückwärts oder sogar seitlich einparken? Für die Kropper Frauen stellt dies nach den Übungen kein Problem mehr dar.

Sich ohne Scheu der Herausforderung zu stellen – darin beweisen die Damen wahre Größe. „Kein Mann würde freiwillig zugeben, dass er nicht einparken kann. Fahren und Parken ist eine reine Übungssache. Es gibt sehr viele Männer, die nicht so gut einparken können“, sagt Fahrlehrer Andreas Luber, Inhaber der Fahrschule Paysen in Kropp.

Vom Ankuppeln des Anhängers bis zum Schulterblick im Rückspiegel – gemeinsam mit seinem Sohn Christian führt der Kropper Fahrlehrer als perfekter „Frauen-Versteher“ informativ durch Theorie und Praxis. Motto: Niemand ist perfekt.

Und los geht’s, Außenspiegel rechts und links im Visier, langsame Fahrt zurück. Anhänger und zwei rot-weiße Markierungs-Poller fest im Blick, schön die Spur halten und dabei feinfühlig gegenlenken – um beim „Crashkursus“ im fremden Fahrzeug nicht teuer nach „Gehör“ zu fahren. „Rückwärts einparken ist nichts für faule Leute. Man muss permanent lenken“, sagt Fahrlehrer Luber.

Da hat er allerdings recht. Ständig will das Anhängsel woanders hin als die Lenkerin. Schert der Anhänger nach links aus, muss in Richtung rechts gegen gelenkt werden. Damit ist aber der Poller nun nicht mehr im Spiegel sichtbar. Also stopp! Nochmal nach vorne, durchatmen, Ruhe bewahren, nicht so viel nachdenken, einfach machen. Na klar, Frau kann das. „Hören sie doch einfach mal auf ihren Fahrlehrer“, ruft eine freundliche Stimme durch das geöffnete Fenster. Erinnerungen an die Fahranfänge vor drei Jahrzehnten werden plötzlich wach. Schon damals benötigten Fahrlehrer Ausdauer und Nervenstärke. Und auch damals war es irgendwann geschafft. Nach einer gefühlten Ewigkeit steht das Gespann endlich korrekt zwischen den Pollern. Der Fahrlehrer ist zufrieden, die Schülerin stolz.

„Lernen durch Handeln“ – besonders die praktischen Übungen machen die Teilnehmerinnen allesamt am Ende um wichtige Erfahrungen reicher. „Das war cool. Ich lenke den Anhänger einfach da hin, wo ich ihn im Rückspiegel sehe. Der Tipp war Gold wert“, zeigt sich Ulla Brosowski begeistert. Den Wohnwagen der Familie zu rangieren, ist für sie nun kein Problem mehr. „Die Tipps waren sehr hilfreich. Ich fahre und parke jetzt mehr mit dem Blick in den Seitenspiegel“, sagt Christel Heintz. „Ich habe gelernt, dass ich manchmal einfach den Kopf ausschalten muss. Einfach machen, dann klappt es auch“, sagt Angela Becker mit einem Lächeln.

Fazit der Veranstaltung: Das Einpark-Training hat nicht nur den Teilnehmerinnen, sondern auch den beiden Fahrlehrern richtig viel Spaß gebracht. Die Amtsvolkshochschule plant einen weiteren Kurs. Infos und Anmeldungen unter Telefon 0 46 24 / 72 40.

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