zur Navigation springen
Schleswiger Nachrichten

23. August 2017 | 08:43 Uhr

Schleswig : Neustart im Tierheim

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der syrische Flüchtling Hani Alabdul Razzak (23) hilft künftig in der multikulturellen Jugendgruppe als Übersetzer. Ab Januar wird er „Bufdi“.

Hani Alabdul Razzak kann endlich wieder lachen. Zumindest ein wenig. In den vergangenen Jahren hatte er das Gefühl von Unbeschwertheit fast vergessen. „Ich habe alles verloren und eine schlechte Zeit hinter mir“, sagt der junge Syrer, der seit September in Schleswig lebt. Hier, so sagt er, komme er endlich wieder zur Ruhe. Auch weil er jetzt eine neue Aufgabe gefunden hat, die ihm viel Kraft gibt: Seit vier Wochen ist er Helfer im Tierheim. Dort wiederum ist Hani mit seiner freundlichen und verbindlichen Art so gut angekommen, dass er künftig einen ganz besonderen Job übernehmen soll: als Helfer und vor allem Übersetzer in der multikulturellen Jugendgruppe.

Bereits seit 2007 treffen sich Kinder und Jugendliche regelmäßig im Tierheim, gemeinsam organisiert vom Tierschutzverein und den Schleswiger Umweltvereinen (BUND, Nabu, IGU). „Wir wünschen uns, dass künftig auch Kinder von Flüchtlingen dazu kommen. Denn hier können sie mal etwas ganz anderes erleben und vielleicht auch neue Freunde finden“, sagt Tierheim-Leiterin Yvonne Wiegers-von Wegner. Hani soll dafür – nicht nur mit Blick auf mögliche sprachliche Barrieren – eine Art Türöffner sein.

Eine Aufgabe, auf die sich der 23-Jährige, der im Friedrichsberg eine kleine Wohnung bezogen hat, riesig freut. Fast täglich kommt er inzwischen ins Tierheim. Besonders haben es ihm dabei die Katzen angetan. Er selbst habe in Syrien auch eine gehabt, konnte sie aber schweren Herzens bei seiner Flucht nicht mitnehmen. Man merkt, wenn er darüber spricht, wie sehr diese Entscheidung noch immer an ihm nagt. Aber es habe keine Alternative für ihn gegeben. Nach dem Ende seines Ingenieur-Studiums hätte er jetzt zur Armee gemusst – und damit in den Krieg. Seine Eltern waren bereits tot, ebenso wie sein Bruder, der von einer Granate getroffen worden sei. „Es gab niemanden mehr, der sich um mich gekümmert hat. Bis ich in Schleswig angekommen bin“, sagt er.

Nach einer dramatischen Flucht, bei der er unter anderem mit einem Boot kenterte und später bis zu 18 Stunden täglich zu Fuß halb Europa durchquerte, hat er an der Schlei nun ein neues Zuhause gefunden. Hier fühle er sich seit Jahren erstmals wieder sicher und willkommen. Dank Christine Wendt, seiner Lotsin („Mein Engel“), die auch den Kontakt zum Tierheim herstellte. Dort wird er nun, wie Yvonne Wiegers-von Wegner sagt, Anfang kommenden Jahres sogar seinen Bundesfreiwilligendienst antreten können. „Er ist eine echte Bereicherung für uns alle“, schwärmt sie von ihrem künftigen „Bufdi“. Der wiederum hat schon jetzt einiges dazu gelernt im Tierheim: Etwa, dass man beim Umgang mit Igeln und Brennnesseln ganz vorsichtig sein sollte.

 

zur Startseite

von
erstellt am 09.Nov.2015 | 07:35 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen