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Schleswiger Nachrichten

18. Dezember 2017 | 08:24 Uhr

Schleswig : Neustart für junge Spanier

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Nachdem sie Deutschkurse und Praktika hinter sich gebracht haben, beginnen 14 Südeuropäer eine Ausbildung in der Region.

von
erstellt am 23.Aug.2014 | 12:00 Uhr

Eigentlich müssten ihm alle Türen offen stehen. Er ist 32 Jahre jung, hat Maschinenbau studiert und ist fertiger Ingenieur. Trotzdem war David Celemín die letzten fünf Jahre arbeitslos. „Viel zu lange“, wie er sagt. Deshalb hat er im Juni sein Heimatland Spanien, das zurzeit europaweit die höchste Arbeitslosenquote bei jungen Menschen aufweist, verlassen und ging, gemeinsam mit 17 Landsleuten, nach Schleswig, um hier sein berufliches Glück zu finden. Ein Plan, der offenbar aufgeht. Denn nachdem David Celemín zunächst ein zweimonatiges Praktikum bei Simon Elektrotechnik im Friedrichsberg absolviert hat, fängt er dort nun – am 1. September – eine Ausbildung zum Elektroniker an.

„Moin Zamora“, benannt nach der nordspanischen Stadt, aus der die meisten Teilnehmer stammen, heißt das in Schleswig-Holstein bislang einmalige Projekt, das gemeinsam von der Agentur für Arbeit in Flensburg, der Kreishandwerkerschaft und dem Berufsbildungszentrum (BBZ) Schleswig organisiert und begleitet wird. Impulsgeber war das EU-„Sonderprogramm zur Förderung der beruflichen Mobilität von ausbildungsinteressierten Jugendlichen aus Europa“, kurz MobiPro. Ziel ist es einerseits, den spanischen Jugendlichen eine Zukunftsperspektive und feste Arbeit zu bieten. Andererseits soll das Projekt zur Fachkräftesicherung in der Region beitragen.

Am Donnerstagabend wurden nun sowohl die spanischen Teilnehmer als auch Vertreter ihrer Arbeitgeber und der drei Organisationspartner im Rathaus der Stadt von Bürgermeister Arthur Christiansen begrüßt. „Ich freue mich, dass Sie – vor dem Hintergrund der schwierigen Wirtschaftslage in Spanien – die Chance ergriffen haben, hier in der Region eine Ausbildung zu machen. Sie werden dabei Kenntnisse erlangen, die Sie sowohl später hier als auch in Ihrer Heimat sehr viel weiter bringen werden“, meinte Christiansen, der wie Kreishandwerksmeister Hans-Christian Langner hofft, dass sich die jungen Frauen und Männer schnell und gut in ihrer neuen Umgebung einleben. „Dieses Projekt ist ein Gewinn für alle Seiten. Ich danke insbesondere auch den Betrieben, die diesen Weg mitgehen. Denn es ist schon eine sportliche Herausforderung, insbesondere wegen der Sprache“, sagte Langner.

Und tatsächlich liegt hierin die größte Hürde, denn die jungen Spanier haben erst im März angefangen, Deutschkurse zu besuchen. Dennoch sind sie alle, wie ihre Chefs einhellig betonten, auf einem guten Weg. Und so beginnen 14 der ursprünglich 18 Teilnehmer im September tatsächlich eine ganz normale duale Ausbildung – inklusive Berufsschulunterricht und Sprachkursen am BBZ. Zwei Spanier haben bereits im Vorfeld einen festen Arbeitsplatz gefunden, eine junge Frau musste aus familiären Gründen zurück in die Heimat, lediglich bei einer weiteren „passte es einfach nicht“, wie Projektkoordinator Rüdiger Weiß erklärte.

Für David Celemín aber beginnt jetzt eine neue Zeitrechnung, auf die er sich sehr freut. „Ich mag den Job, die Kollegen und auch die Stadt. Schleswig ist übersichtlich und schön. Dass ich mit drei anderen Spaniern in einer WG auf der Wikinghalbinsel wohne, macht es natürlich einfacher“, erklärte der junge Mann, der laut seinem Chef Jürgen Simon „sehr kompetent, engagiert und äußerst höflich“ ist. Er sei deshalb sehr zuversichtlich, dass dieses Experiment Erfolg hat.

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