Schleswiger Rathaus : Neujahrsempfang mit nachdenklichen Tönen

Ministerpräsident Torsten Albig (Mitte) war Stargast beim Neujahrsempfang im Schleswiger Rathaus. Natürlich durfte der Eintrag ins Goldene Buch der Stadt nicht fehlen.
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Ministerpräsident Torsten Albig (Mitte) war Stargast beim Neujahrsempfang im Schleswiger Rathaus. Natürlich durfte der Eintrag ins Goldene Buch der Stadt nicht fehlen.

Ministerpräsident Torsten Albig fordert, Flüchtlingen aus islamisch geprägten Ländern offen zu begegnen – und äußert sich auch zum geplanten Theater-Neubau im Lollfuß.

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13. Januar 2015, 20:53 Uhr

Landesminister und Landtagspräsidenten waren schon häufig zu Gast auf dem Neujahrsempfang der Stadt und der Bürgervereine. Im vergangenen Jahr kam mit Gregor Gysi sogar ein echter Politstar aus Berlin. Am Dienstagabend aber hielt zum ersten Mal ein amtierender Ministerpräsident die Neujahrsrede im Ständesaal des Rathauses. „Vielleicht hören wir ja Zielführendes zum Theaterneubau“, sagte Wolfram Weiss, der Vorsitzende des Schleswiger Bürgervereins vor den 189 geladenen Gästen. Doch Torsten Albig war – wie es sich bei einer solchen Veranstaltung gehört – erst einmal voll des Lobes für die Stadt und ihre Bewohner. Wenn er Besuchern das Land zeige, sei es unverzichtbar, sie auch nach Schleswig zu führen. „Sie alle staunen und bewundern diese wunderbare Stadt“, sagte Albig.

Genauso wie zuvor Bürgermeister Arthur Christiansen griff der Ministerpräsident die Terrormorde in Paris auf. Es sei ein wichtiges Zeichen, dass Abermillionen Menschen aufstehen und mit dem Satz „Je suis Charlie“ für die freiheitliche Gesellschaft eintreten. Zugleich appellierte er, den islamistischen Terror nicht gegen die Menschen zu wenden, die aus islamisch geprägten Ländern nach Schleswig-Holstein kommen. „Diese Menschen sind keine Mörder, sie sind Verfolgte.“ Im Raum Schleswig wisse man durch die Nähe zu Dänemark ohnehin: „Eine andere Sprache, eine uns etwas fremde Kultur, muss keine Bedrohung sein, sondern eine Bereicherung, die unser Land bunter und interessanter macht.“

Dann ging er auf zwei lokale Schleswiger Themen ein: Der Theaterneubau und die Sanierung des Domturms. Für beide Vorhaben sicherte er Unterstützung zu, aber er versprach kein zusätzliches Geld vom Land. Der Dom sei ein Wahrzeichen der Stadt, und es sei auf dem Weg ins Rathaus ein beeindruckendes Bild gewesen, ihn angestrahlt zu sehen. Bischof Gothart Magaard durfte mit dem Gefühl nach Hause gehen, dass das Land ihn nicht allein lassen wird.

Weniger deutlich waren Albigs unterstützende Worte für den Theaterneubau. „Es wäre für das Land ein bedauerlicher Verlust, wenn Schleswig kein Stadttheater mehr hätte“, sagte er. Im Vordergrund stehe jedoch der Erhalt des gesamten Landestheaters. Erst nach Fertigstellung des Gutachtens über die Zukunft des Landestheaters werde man wissen, „mit welchen Spielstätten wir sinnvoll planen sollten“. Am Ende wünschte der Ministerpräsident „Gottes Segen für diese Stadt“, und der Chor des Oberlandesgerichts sang Leonard Cohens „Hallelujah“.

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