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Was wird aus der „Heimat“? : Neues Theater steht frühestens 2021

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Europaweite Ausschreibungen verzögern das Kulturhaus-Projekt. Reichen die veranschlagten 9,5 Millionen Euro?

von
erstellt am 15.Nov.2017 | 07:00 Uhr

Wenn Wolfgang Schoofs heute Nachmittag im Kulturausschuss über den aktuellen Stand des Theaterprojekts berichtet, dann dürfte er in das eine oder andere lange Gesicht blicken. Denn seine Kernbotschaft lautet: Das geplante Kulturhaus auf der Freiheit kommt weit später als gedacht. „Wenn alles gut läuft, haben wir Mitte 2021 ein neues Theater“, sagte Schoofs gegenüber den SN. Als Geschäftsführer der städtischen Kommunalbetriebe betreut er das Vorhaben federführend.

Noch Ende Februar dieses Jahres war Schoofs davon ausgegangen, die neue Spielstätte zur Saison 2019/2020 in Betrieb nehmen zu können. Damals war in Kiel die Absichtserklärung zur Finanzierung des Drei-Sparten-Theaters unterzeichnet worden. Von den veranschlagten 9,5 Millionen Euro kommen 2,5 Millionen vom Land und weitere zwei Millionen aus einem Infrastrukturprogramm des Bundes. Die restlichen fünf Millionen Euro steuert die Stadt Schleswig bei.

Und genau in diesen Summen liegt nun nach Angaben von Schoofs auch die Verzögerung begründet. Denn mit Fördergeldern in dieser Höhe ist die Pflicht zur europaweiten Ausschreibung verbunden. „Eine pragmatische Lösung“, wie sie dem Stadtwerke-Chef vorschwebte, ist damit nicht möglich.

Der Zeitplan sieht nunmehr wie folgt aus: Anfang Dezember startet die Ausschreibung für einen Projektsteuerer und -controller. Ende Februar soll die entsprechende Firma gefunden sein, die dann bereits in die darauf folgende Ausschreibung für den Architekten eingebunden sein wird. Auch dieser Prozess wird drei Monate in Anspruch nehmen. Ende 2018, so erklärt Schoofs, könne dann die – im nächsten Jahr neu gewählte – Ratsversammlung die Planungen des Architekten absegnen. Die Gewerke für den Bau des 450 Plätze fassenden Theatersaals, ein Anbau an das bestehende „Heimat“-Varieté, könnten dann nach abermaliger, teils europaweiter Ausschreibung im Frühjahr beauftragt werden. „Mitte 2019 könnte der Baubeginn erfolgen“, erklärt Schoofs. Und: „Ich rechne mit einer Bauzeit von zwei Jahren.“ Etwaige Verzögerungen sind in diesem Zeitplan noch nicht einberechnet, so dass sich die Fertigstellung des Kulturhauses durchaus über die Mitte 2021 hinaus hinziehen könnte.

Die Kulturausschussvorsitzende Babette Tewes (Grüne) findet, dass der ursprüngliche Zeitplan ohnehin zu knapp bemessen war. „Die Planungen und Ausschreibungen für solch ein Projekt sind nun mal sehr aufwändig.“ Ihr sei ein spätes Theater lieber als ein schlechtes.

Für Peter Grisebach, den Geschäftsführer und Generalintendanten des Landestheaters, bedeutet der jetzige Fahrplan indes, dass er für seine Ensemble noch länger eine Ausweichspielstätte benötigt. Der Vertrag mit dem Slesvighus im Lollfuß läuft nur noch bis 2019.

Entspannter stellt sich die Situation für Mario Hoff dar, den Macher der „Heimat“. Sein Veranstaltungsgebäude, das ehemalige Mannschaftsheim der Bundeswehr, soll zwar auch saniert werden. Dies könne aber während des laufenden Betriebs beziehungsweise während der Spielpausen erfolgen, erklärt er.

Seine eigene Zukunft hat er inzwischen geregelt. Ab 1. Januar 2018 ist Hoff offiziell als Veranstaltungskoordinator und künstlerischer Leiter bei den Kommunalbetrieben angestellt, zu der die „Heimat“ so lange gehören wird, bis eine neue Gesellschaft für das künftige Kulturhaus auf der Freiheit gegründet worden ist. Den entsprechenden Vertrag hat er vor gut einer Woche unterzeichnet. Ebenso das Dokument, mit dem besiegelt wird, dass die Stadt Hoffs „Heimat“-Konzept abkauft.

Bleibt es am Ende bei den veranschlagten 9,5 Millionen Euro für das neue Theater? Zur Kostenfrage will sich Wolfgang Schoofs heute im Kulturausschuss (das Gremium tagt ab 16 Uhr im Sitzungszimmer „Schlei“ des Rathauses) nicht detailliert äußern. Denn ob am Ende die Netto-Summe von acht Millionen Euro (abzüglich der Mehrwertsteuer) ausreichen wird, um einen Saal mit 450 Plätzen und Orchestergraben zu bauen und zusätzlich die „Heimat“ umfangreich zu sanieren – all das scheint derzeit noch zu ungewiss. Auch Babette Tewes ist skeptisch. Sie sagt: „Die Mittel, die uns zur Verfügung stehen, sind sehr knapp bemessen.“

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