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Schleswiger Nachrichten

23. Oktober 2017 | 15:23 Uhr

Süderbrarup : Neues Leben im alten JAW-Gebäude

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ab November dient das ehemalige Jugendaufbauwerk Menschen mit Behinderung als Wohn- und Arbeitsort. Bis dahin haben der neue Eigentümer, die Kappelner Werkstätten, einen Wachdienst aufgestellt, um weiteren Vandalismus an dem Objekt zu vermeiden.

shz.de von
erstellt am 24.Sep.2013 | 07:45 Uhr

Stefan Lenz, Geschäftsführer der Kappelner Werkstätten, schüttelt den Kopf. Vandalen haben an dem ehemalige Jugendaufbauwerk (JAW), einst Vorzeigeobjekt in Süderbrarup, ein Bild der Verwüstung hinterlassen. Die Fensterscheiben des Gebäudes sind beschädigt, Bodenleuchter sind mit großem Kraftaufwand zerstört worden und geistlose Graffiti-Schmierereien zieren die Wände. Die Beseitigung der Schäden zahlt letztlich der Steuerzahler, denn der Vandalismus hat sich negativ auf den Kaufpreis ausgewirkt.

„Wir sind froh, die langwierigen Verhandlungen nun endlich zum Ende gebracht zu haben“, freut sich Stefan Lenz. Seit einigen Wochen ist der Verein St. Nicolaiheim Kappelner Werkstätten Eigentümer der ehemaligen JAW-Anlage. Damit es bald wieder ein Schmuckstück ist, sind Gartenarbeiter auf dem Gelände tätig. Etwa 800 000 Euro müssen jetzt noch investiert werden, damit im November die ersten Nutzer und Bewohner die Gebäude beziehen können.

„Es ist ein wunderschönes Objekt, für uns wie geschaffen“, schwärmt Lenz von der Lage mitten im Ort und doch am Ortsrand von Wald umgeben. Ideal für die Menschen mit Behinderung, die in das Wohnheim einziehen werden, aber auch für die Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen, die hier arbeiten oder qualifiziert werden. Eine weitere Variable, die für den Kauf sprach, war die verkehrsmäßige Anbindung. Nur wenige hundert Meter entfernt ist der Bahnhof mit der Busanbindung. Dadurch ist es möglich, dass Behinderte die Einrichtung mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen können.

Für Süderbrarup bedeutet die Übernahme der Einrichtung durch die Kappelner Werkstätten 30 Arbeitsplätze, davon wird die Hälfte neu geschaffen. In Zukunft werden hier etwa 50 Menschen mit Behinderung arbeiten. Dazu wird eine Wäscherei neu eingerichtet, die Textildrucksparte wird hier ihr neues Domizil erhalten, wie auch der Elektromontagebereich. Menschen mit psychischen Behinderungen, die über eine qualifizierte Berufsausbildung verfügen, werden hier in einem Kunst- und Kulturbereich behutsam auf ihre Rückkehr in den Berufsalltag vorbereitet.

Durch die räumlichen Möglichkeiten wird in Süderbrarup künftig der Schwerpunkt auf der Aus- und Fortbildung liegen. Auch Männer und Frauen mit hoher Hilfsbedürftigkeit werden aus ihren Wohnbereichen geholt und hier eine neue Tagesstruktur vorfinden – und damit ein Stück mehr Normalität.

Zu sagen „Ich gehe arbeiten“ bedeute besonders für behinderte Menschen ein großes Stück Eigenständigkeit, selbst bestimmtes Leben, unterstreicht Stefan Lenz. 15 Kinder und Jugendliche aus ganz Schleswig-Holstein mit schweren Behinderungen werden zukünftig im ehemaligen Internatsgebäude einen neuen Lebensmittelpunkt finden und in der Anlage auch eine Tagesstruktur vorfinden. Es gehe hier nicht um Aufbewahren, sondern um größtmögliche Teilhabe am Leben, unterstreicht der Geschäftsführer.

Ab November ist der Leerstand nicht nur zu Ende, sondern hier zieht nun viel Leben ein, nicht nur tagsüber, sondern auch in der Nacht. Das ganze Jahr über werden hier Menschen leben, arbeiten und lernen.

Dies alles zu ermöglichen habe in den vergangenen Monaten viel Kraft gekostet. Lenz lächelt bei dieser Aussage, denn für ihn zählt das Ergebnis. Er unterstreicht aber, dass für alle, auch den Kreis, tragbare Vereinbarungen getroffen worden seien. Durch die künftige Nutzung ist die finanzielle Zweckbindung der Fördermittel für den Kreis moderat gelöst worden. „Für uns ist wichtig, dass wir frei sind von allen Einschränkungen“, betont Lenz.

Damit bis zum endgültigen Bezug keine weiteren Vandalismus-Schäden angerichtet werden, wird die Anlage durch einen Wachdienst geschützt.

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