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Schleswiger Nachrichten

19. November 2017 | 02:33 Uhr

Kappeln : Neuer Heizer für die Dampfeisenbahn

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Pünktlich zum Saisonbeginn hat Claus-Henning Henningsen seine Ausbildung zum Heizer abgeschlossen. Für den 61-Jährigen bleibt während der Fahrt aber kaum Zeit, um sich die vorbeiziehende Landschaft anzuschauen.

von
erstellt am 02.Apr.2014 | 11:56 Uhr

Kappeln | Zufrieden schaut Claus-Henning Henningsen aus dem kleinen Fenster von Julchen, der betagten dänischen Dampflok der Angelner Dampfeisenbahn. Die Geräusche der arbeitenden Maschine, der Dampf und der Qualm aus dem Schornstein sind für ihn die Erfüllung eines Lebenstraumes, der vor zwei Jahren begann. Damals suchten die Betreiber der Museumsbahn händeringend Mitstreiter. Also fuhr Claus-Henning Henningsen zum Kappelner Bahnhof, sagte „Ich möchte gerne Heizer werden“ zu Lokführer Dieter Jordt. Dieser und seine Mitstreitern nahmen ihn gern mit auf die Schiene und nun – rechtzeitig zum Saisonbeginn in diesem Monat – hat der 61-jährige Bankbetriebswirt alle Ausbildungsabschnitte abgeschlossen und damit sein Heizer-Diplom in der Tasche.

Lange Zeit zum Nachdenken hat Henningsen nicht, während die Angelner Landschaft gemächlich vorbeigleitet. Ein Blick auf die Armaturen macht dem Heizer deutlich, dass Julchen wieder Futter benötigt, damit sie die angehängten Wagen über die Strecke in Richtung Süderbrarup ziehen kann. Es ist ein Knochenjob, aber Henningsen macht ihn freiwillig und mit großer Freude. Mit einer Hand öffnet er die Tür zur Feuerbüchse, schnappt sich die große Kohlenschaufel, dreht sich zum Kohletender, füllt die Schaufel und entleert sie in der Feuerkiste. Nein, einfach nur hineinschmeißen geht nicht. Über das ganze Feuerrost muss die tiefschwarze Steinkohle verteilt werden, damit das Feuer seine volle Kraft entfalten kann.

Der Dampfkessel ist für den gebürtigen Süderbraruper kein unbekanntes Objekt. Sein Vater war viele Jahre Betriebsleiter der Süderbraruper Meierei. Im hinteren Gebäudeteil stand damals schon ein großer Heizkessel, der für den Antrieb der Maschinen in der Meierei sorgte. Henningsens Kinderherz schlug aber bereits damals für die Eisenbahn. Jede freie Minute war er auf dem Süderbraruper Bahnhof anzutreffen, wo damals noch reges Leben herrschte. Henningsen träumte davon, auf einem dieser dampfenden Stahlungetüme fahren zu dürfen. Doch es kam anders.Er begann eine Lehre bei der Angler Spar- und Leihkasse in Süderbrarup. Heute ist Henningsen Bankbetriebswirt und bei der Schleswiger Volksbank tätig. Für sein „Eisenbahnerherz“ blieben nur die Modellbahn und die Urlaubsreisen mit dem Zug – zunächst.

Neben Claus-Henning Henningsen wurde auch Lennart Bendixen zum Heizer ausgebildet. Zunächst durften die Lehrlinge nur zuschauen, dann unter fachlicher Aufsicht anheizen und die ersten Kohlenschaufeln in die Feuerbüchse schaufeln. Nebenbei wurde gebüffelt. Vorschriften, Anweisungen und vieles mehr mussten geistig verarbeitet werden, denn Heizer ist eine vorläufige Endstufe der Ausbildung. Sie umfasst den gesamten Betriebsdienst bei einer Eisenbahn, vom Rangierer bis zum Zugführer, von der Signalkunde bis zum Betrieb einer Lok.

„Ein tolles Gefühl“, nennt Henningsen das Anheizen der Lok, wenn die Maschine anfängt zu leben, die Armaturen sich bewegen und der erste Dampf ausströmt. Und noch etwas ist für ihn ein Phänomen. Seine Rückenprobleme, verursacht durch die sitzende Tätigkeit, sind wie weggeblasen. Soll heißen: „Heizer auf einer Dampflok zu sein, ist auch noch ein Gesundbrunnen für Rückenleidende“, sagt Henningsen schmunzelnd, bevor er wieder zur Schaufel greift, denn Lokführer Dieter Jordt bekommt Julchen nur den Berg bis Grödersby hinauf, wenn im Kessel ordentlich Dampf ist.

Ostern ist für Henningsen Schwerstarbeit angesagt. Dann erwarten die Eisenbahner wieder viele große und kleine Fahrgäste zur traditionellen Fahrt am Ostersonntag. Wer sich, wie Claus-Henning Henningsen, ebenfalls seinen Eisenbahner-Traum erfüllen möchte, findet bei der Angelner Dampfeisenbahn dazu reichlich Gelegenheit. Weitere Mitstreiter sind jederzeit willkommen.

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