Helios-Klinikum Schleswig : Neuer Blick auf die Leber

Tut nicht weh, ist aber höchst effektiv:   In einem neuen Diagnoseverfahren   stellt Dr. Henning Wittenburg über Ultraschall-Sonden   bei der Patientin fest,    ob  die Gefahr einer Fettleber oder Leberzirrhose  besteht.
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Tut nicht weh, ist aber höchst effektiv: In einem neuen Diagnoseverfahren stellt Dr. Henning Wittenburg über Ultraschall-Sonden bei der Patientin fest, ob die Gefahr einer Fettleber oder Leberzirrhose besteht.

Schleswiger Krankenhaus bietet spezielles Ultraschall-Verfahren an, um gefährlichen Erkrankungen wie Leberzirrhose rechtzeitig auf die Spur zu kommen.

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05. Juni 2014, 19:24 Uhr

Fast ist sie das Aschenputtel unter den menschlichen Organen – arbeitsam, oftmals gequält, missachtet und stumm vor sich hin leidend. Und doch spielt sie eine der wichtigsten Rollen im Leben von uns allen: die Leber. Besorgt und zugleich fasziniert spricht Privatdozent Dr. Henning Wittenburg, Chefarzt der Gastroenterologie am Helios-Klinikum, von den Aufgaben dieses größten inneren Organs des Menschen. Besorgt, weil er im Einklang mit anderen Arztkollegen feststellt, dass Erkrankungen an der Leber immer mehr zunehmen – auch deshalb, weil sie zu spät oder gar nicht erkannt werden.

Das möchte Wittenburg ändern. Er setzt sich dafür ein, dass das Bewusstsein für Leber-Probleme in der Bevölkerung und auch bei Ärzten geschärft wird, damit Erkrankungen bereits in einem möglichst frühen Stadium behandelt oder ganz geheilt werden können. So rechtzeitig eben, dass die gefürchtete Leberzirrhose, die Fettleber oder Leberentzündung (Hepatitis) gar nicht erst fortschreiten können. Viele ahnen nicht, wie es um ihre Leber bestellt ist. Außer: Wenn viel Alkohol im Spiel ist, wissen Betroffene natürlich meist, was man tun könnte, um die Leber zu entlasten. Aber neben Alkohol zählen genauso die sogenannten Wohlstandskrankheiten wie Übergewicht und Diabetes zu den großen Risikofaktoren einer Leberschädigung, betont Wittenburg.

Wie kann der Patient mehr über den Zustand der eigenen Leber, die unermüdlich Schlackenstoffe und Gifte aus dem Blut filtert, erfahren? Zunächst geben Blutuntersuchungen Aufschluss darüber, ob erhöhte Leberwerte vorliegen. Als Nächstes können durch weitere Ultraschall-Untersuchungen die Ursache und das Ausmaß einer Leberschädigung ermittelt werden. Hierzu bietet das Schleswiger Krankenhaus jetzt ein neuartiges Diagnose-Verfahren an, das bislang eher an großen Leberzentren angewendet wurde: Per Ultraschall-Sonden wird die Leber-Steifigkeit gemessen. Denn je steifer, je unelastischer eine Leber ist, desto mehr Bindegewebe oder Vernarbungen haben sich in ihr abgelagert. Und dies weist auf Krankheiten wie Leberfibrose und – schlimmer – auf Leberzirrhose hin. Die hochkomplexe Ultraschall-Untersuchung ist schmerzfrei und macht die für den Patienten weitaus unangenehmere Punktierung oder Biopsie der Leber überflüssig. Wittenburg, der dieses spezielle Verfahren mittlerweile regelmäßig bei seinen Klinik-Patienten anwendet, um die Leber mit im Blick zu haben, sagt: „Da die Leber als Kraftwerk des Körpers entscheidend für die Gesundheit des Menschen ist, widmen wir ihr auch besondere Aufmerksamkeit. Denn leider wird sie zu oft als Stiefkind unter den Organen behandelt.“ Dabei seien auch im Einzugskreis des Schleswiger Krankenhauses immer mehr Patienten an der „nicht-alkoholischen Fettleber“ erkrankt. „Schätzungsweise 20 bis 40 Prozent der Bevölkerung haben eine Fettleber, aber entdeckt wird davon nur jede fünfte“, sagt Wittenburg.

Doch das Gute, das ihn an dem Organ geradezu fasziniere, sei: „Die Leber ist eine erstaunliche Regenerations-Künstlerin. Sie kann aus eigener Kraft wieder gesunden, sogar nach Operationen nachwachsen.“ Die Leber verzeiht vieles, wenn man ihr entgegenkommt – also wenig Alkohol trinkt, auf sein Gewicht achtet, Fettes und Süßes stark einschränkt.

Um das Organ aus seinem Aschenputtel-Dasein herauszuholen, empfiehlt der Chefarzt: „Ärzte sollten die Leber stärker als bisher im Fokus haben.“

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