Bahnhof Süderbrarup : Neuer Bahnsteig, lange Wege: Bahnfahrer sind verärgert

Wer nach Kiel will oder aus Flensburg kommt, muss in Süderbrarup bei Wind und Wetter etliche Meter marschieren.
Wer nach Kiel will oder aus Flensburg kommt, muss in Süderbrarup bei Wind und Wetter etliche Meter marschieren.

Fußgängerschranke und Kiesschüttung: Durch die Automatisierung des Bahnhofs Süderbrarup wird der Weg zum Gleis für Reisende zum Hindernisparcour.

shz.de von
12. Januar 2015, 10:57 Uhr

Süderbrarup | Der Bahnhof in Süderbrarup ist seit dem 19. Dezember auf automatischen Betrieb umgestellt. Dazu wurde der bisher ungenutzte Bahnsteig 2 in Richtung Kiel in Betrieb genommen und mit einem neuen Belag versehen. Dieser entspricht den Regeln der Technik, da die 2009 angebrachte Oberfläche, die bisher nie genutzt wurde, brüchig geworden war. Doch die Neuordnung stößt bei den Bahnkunden nicht unbedingt auf Begeisterung.

„Früher konnte man direkt aus dem Wartesaal kommen und in den Zug nach Kiel einsteigen, nachdem der Bahnbeamte das Absperrband entfernt hatte“, erklärt Bahnkundin Kerstin Frahm. Heute müsse man erst 50 Meter weit bis zu einer Fußgängerquerung laufen, die mit einer automatischen Schranke gesichert sei. Dann müsse man die gleiche Strecke auf der anderen Seite wieder zurücklaufen. Zwischendurch gelte es, eine Kiesschüttung zu durchqueren. Dies sei für alte Menschen mit Trolleys und Rollstuhlfahrer praktisch unmöglich. Kerstin Frahm rät allen Reisenden, sich zeitig einzufinden, da die Fußgängerschranken manchmal schon vor Eintreffen des Zuges geschlossen würden und es schon vorgekommen sei, dass Reisende bei geschlossener Schranke ihrem Zug nach Kiel hätten hinterher sehen müssen. „Ich glaube, das hätte man auch kundenfreundlicher lösen können“, schließt sie ihre Kritik. Denn Süderbrarup sei der Bahnhof einer ganzen Region. Da könne sich die Bahn schon etwas Mühe geben, findet Frahm.

„Die neue Reisendenüberführung ist mit Lichtsignalen und Schranken ausgerüstet“, schreibt Sabine Brunkhorst von der Pressestelle der Bahn in Hamburg auf unsere Anfrage. Dies sei eine Forderung des Eisenbahnbundesamtes, da sich hier Züge kreuzten und hohe Anforderungen an die Reisendensicherung festgelegt würden. An diese Vorgaben seien sie gebunden. Sicherheit habe hier die höhere Priorität. Leider gebe es sowohl topografisch als auch plan- und genehmigungstechnisch keine andere Möglichkeit für die jetzige Position der Reisendenüberführung, so Brunkhorst. Nur in einem Punkt kann sie Abhilfe versprechen: „Wir planen, die Arbeiten an der mit Kies aufgefüllten Fläche im Januar wieder aufzunehmen und die Fläche endgültig herzustellen.“

Einen weiteren Nachteil der Bahnhofneuordnung von Süderbrarup lernten Sieghard und Helga Rosenträger sowie Tafari und Jussif Selam kennen. Sie standen am Sonnabend über eine halbe Stunde ungeschützt auf dem Bahnsteig und warteten in Wind und Regen von Sturm „Felix“ zitternd und frierend auf den durch die gleiche Ursache verspäteten Zug nach Kiel.

Dieses Schicksal droht auch anderen Bahnkunden, da diese bereits am Fahrkartenautomat im Freien stehen und sich zeitig auf den unüberdachten Bahnsteig begeben müssen, um nicht mit den Fußgängerschranken in Konflikt zu geraten. Doch das ist noch nicht in das Sichtfeld der Bahn geraten. „Eine Überdachung ist bisher nicht geplant oder vorgesehen“, heißt es im Schreiben der Pressestelle.

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